CO2-emissionfreies Reisen Bahn bietet Großkunden Ökotickets an

Die Bahn will ihren Großkunden CO2-emissionsfreies Fahren ermöglichen. Firmen können mit dem Umwelt-plus-Programm ab sofort Geschäftreisen per regenerativen Strom einkaufen. Auch Schulklassen und Jugendgruppen können ein umweltfreundliches Angebot nutzen.


Berlin - Mehr Öko bei der Bahn: Mit Hilfe der Großkunden will die Deutsche Bahn ihren Bezug von Strom aus regenerativer Energiequellen steigern. Ab sofort können Firmen das Programm "Bahn corporate Umwelt plus" buchen und CO2-emissionsfrei Bahn fahren. Die Kosten sollen im Schnitt rund ein Prozent mehr kosten als normale Tickets: Für eine Fahrt von Berlin nach Frankfurt am Main betrage der Unterschied lediglich 76 Cent.

Zur Umsetzung des Konzepts wird der Energiebedarf für die gekauften Geschäftsreisen vorab berechnet. Die benötigte Strommenge bezieht die Bahn-Tochter DB Energie den Angaben zufolge zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen in Deutschland und speist sie in das Netz der Bahn ein. Üblicherweise nutzt die Bahn für knapp die Hälfte ihres Strombedarfs Kohle, ein Viertel wird aus Atommeilern bezogen.

Die Bahn wolle sich zudem über einen Fonds beim Aufbau zusätzlicher Quellen zur Erzeugung regenerativer Energien engagieren, erklärte das Unternehmen. Damit sei sichergestellt, dass sich durch die Nutzung des Angebots der Strommarkt auch nachhaltig verändere. Am Ende des Jahres erhalten die Kunden des umweltfreundlichen Firmenprogramms ein Zertifikat über ihr CO2-emissionsfreies Bahnreisen. Dabei will die Bahn mit dem Tüv Süd kooperieren.

Für die Berechnung der pro Reise verbrauchten Energiemenge wird nur der Verbrauch durch den Antrieb erhoben, nicht aber der Stromverbrauch zum Beispiel für die Herstellung von Zügen oder den Betrieb von Bahnhöfen.

Grüne fordern Solaranlagen auf Bahnhofsdächern

Die Nachfrage nach dem neuen Ökotarif ist laut Bahn bereits groß: 17 Großkunden entschieden sich laut Bahn bereits dafür, darunter die Deutsche Post, der Softwarekonzern SAP, die Generali-Versicherung, McDonald's und die Deutsche BP. "Wir als Deutsche Bahn wollen gemeinsam mit den Vorreitern unter unseren Großkunden ein Zeichen setzen, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Umweltschutz voranzubringen", erklärte Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg am Montag.

Die Grünen riefen die Bahn auf, zusätzliche erneuerbare Energiequellen zu nutzen. Solaranlagen auf Bahnhofsdächern oder Windkraftanlagen auf Bahngelände könnten dazu beitragen, sagte der Verkehrsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Winfried Hermann, in Berlin.

Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert eine Ausdehnung des neuen Bahn-Angebots. "Das neue Ticket sollte nicht nur Geschäftskunden, sondern auch anderen Reisenden angeboten werden", sagte Pro-Bahn-Chef Karl-Peter Naumann der Zeitung. "Man könnte ja erst einmal mit den Bahncard-Besitzern beginnen und es dann schrittweise auf alle Kunden ausdehnen."

Bei entsprechender Nachfrage plant das Unternehmen, solche Öko-Tickets auch für normale Privatreisen anzubieten. Ein Zeitplan dafür wurde noch nicht vorgelegt. Bislang gibt es nur spezielle Angebote zum Beispiel für Klassenfahrten und Jugendgruppenreisen. Die Kunden müssen laut der Webseite der Bahn bei der Buchung angeben, dass sie "CO2-frei reisen" möchten. Pro Person kostet die umweltfreundliche Fahrt zwei Euro für Hin- und Rückfahrt mehr als der übliche Preise.

In den vergangenen Jahren hatten schon zahlreiche andere Transportunternehmen ähnliche Konzepte vorgestellt. In der Luftfahrt gibt es das Konzept, dass als Ausgleich für die Klimaschädigung erneuerbare Energien oder Energiesparmaßnahmen unterstützt werden.

abl/ddp/dpa

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