Comac C919 China stellt erstes großes Passagierflugzeug vor 

Seit den Siebzigerjahren träumt China davon, sein eigenes ziviles Flugzeug zu bauen. Jetzt ist es soweit - die ersten Testflüge stehen bevor.

AP/dpa

Das erste eigene zivile Flugzeug zu bauen - diesen Traum hat China schon lang: Nach sieben Jahren Entwicklung und einigen Verzögerungen ist in Shanghai nun die erste Maschine des selbst entwickelten chinesischen Passagierflugzeugs C919 vom Band gerollt.

Das Flugzeug des staatlichen Herstellers Comac (Commercial Aircraft Corporation of China) soll im kommenden Jahr seinen ersten Flug unternehmen, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Drei Jahre lang soll die Maschine getestet werden - dann soll sie für den kommerziellen Betrieb bereit sein.

Ursprünglich hatte das Mittelstreckenflugzeug für insgesamt 168 Passagiere schon im kommenden Jahr gegen die amerikanische und europäische Konkurrenz - Boeing 737 und den Airbus 320 - antreten wollen, doch hat sich das Projekt immer wieder verzögert.

Die C919 mit Plätzen für insgesamt 168 Passagiere wurde Regierungsfunktionären und Industrievertretern am Montag offiziell in Shanghai präsentiert.

Ein jahrzehntelanger Kraftakt

Comac-Chef Jin Zhuanglong bezeichnete die Fertigstellung des 39 Meter langen Jets mit einer Reichweite von bis zu 5555 Kilometern als "bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung von Chinas erstem einheimischen Flugzeug". Für die Volksrepublik steht das Flugzeug für jahrelange Anstrengungen, die Abhängigkeit des Landes vom europäischen Flugzeugbauer Airbus und dem US-Konkurrenten Boeing zu verringern - und diesen gar noch Konkurrenz zu machen.

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Comac C919: Das ist der neue Flieger der Chinesen
Auch wenn das Flugzeug in China zusammengebaut wurde, spielen ausländische Firmen doch eine Schlüsselrolle für die Produktion. So wurden beispielsweise die Motoren von CFM International geliefert - einem Gemeinschaftsunternehmen von General Electric und Safran.

Die Kosten für das Passagierflugzeug sind nicht bekannt. Im vergangenen Monat hatte die Bank of China erklärt, Comac für die Finanzierung seiner Luftfahrtprojekte 7,9 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen.

Comac liegen nach eigenen Angaben Bestellungen für 517 Exemplare vor - fast alle von einheimischen Käufern. Doch wiesen chinesische Luftverkehrsexperten darauf hin, dass es sich häufig nur um Kaufabsichten handele.

China träumt seit den Siebzigerjahren davon, sein erstes eigenes ziviles Flugzeug zu bauen. Das Vorhaben wurde damals von Jiang Qing unterstützt, der Ehefrau von Mao Tse Tung. Aber das entwickelte Modell Y-10 war letztlich zu schwer; nur drei Exemplare davon wurden gebaut.

Comac hat bereits einen kleineren Regionaljet namens ARJ entwickelt. Das Projekt hinkt seinem Zeitplan jedoch um Jahre hinterher. Das Flugzeug mit bis zu 90 Sitzplätzen befindet sich immer noch im Testbetrieb. Ihm fehlt bislang die Zulassung der US-Behörden, sodass es bisher noch nicht im Luftraum der USA fliegen darf.

dpa/AFP/ele

insgesamt 20 Beiträge
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dbrown 03.11.2015
1. Erstmal fliegen lassen.
Aber wenn die Mühle so abschneidet wie deren Autos, dann gute Nacht.
90-grad 03.11.2015
2. Triebwerke werden weltweit
meistens nicht vom Flugzeugbauer hergestellt. Die kauft man ein. Z.B. Boeing meistens bei GE, Airbus bei Rolls Royce oder CFM (50% gehoeren GE). Dass Comac auch so verfaehrt ist somit nicht ueberraschend, zumal chinesische airlines bisher auch hauptsaechlich Flugzeuge von airbus und boeing verwenden.
sucramotto 03.11.2015
3. Ob das was wird?
Grundsätzlich ist mehr Wettbewerb ja zu begrüßen. Das Duopol von Boeing und Airbus ist sicherlich suboptimal. Aber wie man am Beispiel von Bombardier mit seiner C-Series (150-sitziges Flugzeug, das auch in Konkurrenz zu B737 und A320 angetreten ist) sieht, ist es selbst für einen solch renommierten Hersteller extrem schwierig, dieses Duopol zu knacken. Die Chinesen werden noch größere Probleme bekommen, weil es sich in der Luftfahrt eben um eine sehr sicherheitssensible Branche handelt. Ich werde in diesen Jet in den ersten Jahren definitiv nicht einsteigen. Das Vertrauen müssen sich die Chinesen erst erarbeiten bzw. erfliegen. Auffällig ist übrigens, dass der vordere Teil der Comac 919 sehr dem Dreamliner (B787) bzw. dem A350 ähnelt und die Chinesen durchaus etwas kreativer bei der Modellbezeichnung hätten sein können: C919 ähnelt doch sehr B707, 717, 727 etc. Wetten, dass Folgemodell der 919 lautet 929? ;-)
ffmfrankfurt 03.11.2015
4. Chinesische Konstruktion?
Ich würde mich nie in dieses Ding setzen. Das Vertrauen in die chinesische Technik und insbesondere Qualität fehlt mir einfach.
C. V. Neuves 03.11.2015
5. Erinnerungen
Da kommen Erinnerungen: z. B. an den ersten japanischen "Datsun" auf unseren Straßen, oder den ersten Jungfernflug eines Airbus.
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