Crowdfunding-Bahn Locomore startet auf der Strecke Stuttgart - Berlin

In Stuttgart ist am Morgen der erste Locomore-Fernzug nach Berlin gestartet. Das Bahnunternehmen hat sich per Crowdfunding finanziert.

AFP

Die Deutsche Bahn erhält immer mehr Konkurrenz - nicht nur durch Fernbusse, sondern auch auf der Schiene. Gerade erst hat der Autoreisezug-Shuttle von RCD die Fahrt über den Hindenburgdamm nach Sylt aufgenommen. Und kurz nach dem Fahrplanwechsel ist nun Locomore gestartet.

Das Berliner Start-up hatte sich per Crowdfunding eine Basisfinanzierung von gut einer halben Million Euro gesichert. Ursprünglich wollte Locomore seinen ersten Fernzug zwischen Neckar und Spree schon im September auf die Schiene setzen. Dieser Termin konnte jedoch nicht eingehalten werden, weil noch nicht alle Verträge unter Dach und Fach waren.

Andere kleine Bahnunternehmen mussten ihre Pläne inzwischen aufgeben oder revidieren: Der Interconnex etwa, der zwischen Leipzig und Rostock verkehrte, stellte seinen Betrieb Ende 2014 aus Kostengründen ein. derschnellzug.de hat den Betriebsstart, der für März 2016 geplant war, auf nicht absehbare Zeit verschoben.

Insgesamt wird die Deutsche Bahn im Fernverkehr, der anders als der Regionalverkehr von den Anbietern eigenwirtschaftlich ohne Zuschüsse betrieben werden muss, die Nummer eins bleiben.

Hier die wichtigsten Fragen zum Locomore-Start:

Wo wird Locomore fahren?

Das Unternehmen startet auf der Strecke von Stuttgart über Frankfurt am Main und Hannover nach Berlin. Unterwegs sind weitere Halte geplant, beispielsweise in Heidelberg, Darmstadt, Kassel und Göttingen. Die Strecke soll täglich gefahren werden: 6.21 Uhr ist Abfahrt in Stuttgart gen Berlin und von dort um 14.29 Uhr wieder zurück nach Stuttgart. Geplant sind außerdem Strecken von Berlin über Greifswald nach Binz auf Rügen und von Bonn über Hannover nach Berlin.

Wie will sich Locomore von Fernbussen und von der Deutschen Bahn abheben?

Das Unternehmen will vor allem schneller als die Konkurrenz auf der Straße und eine Ergänzung zur Deutschen Bahn sein. Während der Reise sollen die Passagiere in Businessabteilen mit Tischen, Steckdosen und WLAN in Ruhe arbeiten oder sich mit Reisenden mit ähnlichen Interessen in Themenabteilen zusammenfinden können - mit dem sogenannten Social Seating. Gegenüber der Deutschen Bahn will Locomore mit günstigen Preisen punkten.

Wie teuer sollen die Fahrkarten sein?

Das hängt vom Buchungszeitpunkt und der Strecke ab - sowie von der Reiseklasse. Im Basistarif kostet eine Fahrt von Stuttgart nach Berlin zwischen 22 und 65 Euro; im Businesstarif mit mehr Platz durch geringere Belegung des Abteils zwischen 38 und 98 Euro. Eine Sitzplatzreservierung ist beim Ticketkauf vor Fahrtantritt jeweils inklusive.

Bei der Deutschen Bahn kostet eine Reise von Stuttgart nach Berlin ohne Vergünstigungen 142 Euro; mit BahnCard 50 sind es 71 Euro. Mit Glück und frühzeitiger Buchung lassen sich aber bei der Deutschen Bahn auch günstigere Tickets für die Strecke finden.

Mit wie vielen Fahrgästen rechnet Locomore?

Ziel des Unternehmens ist es, jeden Tag rund 700 Fahrgäste zu befördern. Dabei will Locomore nicht zwangsläufig der Deutschen Bahn Kunden abspenstig machen, sondern auch aus dem Auto, Flieger und Fernbus Passagiere gewinnen.

abl/AFP

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insgesamt 23 Beiträge
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cokommentator 03.11.2016
1.
"Mit Glück und frühzeitiger Buchung lassen sich aber bei der Deutschen Bahn auch günstigere Tickets für die Strecke finden." "Das hängt vom Buchungszeitpunkt und der Strecke ab - sowie von der Reiseklasse." Dieser Satz wäre für die Buchung bei der Deutschen Bahn richtiger gewesen. Sie sollten sich mal mit dem Buchungsportal der Deutschen Bahn beschäftigen. Dort brauchen Sie nicht mehr zu suchen als bei jedem Konkurrenten. Wenn Sie zum richtigen Zeitpunkt fahren wollen, bietet Ihnen die Deutsche Bahn ganz freiwillig kostengünstige Tickets an, wie der Konkurrent. Wenn der Konkurrent einen Zug ausbuchen kann, wird seine Fahrkarte auch teurer, als bei Fahrten, bei denen das Geld eh nicht reinkommt. Aber wen interessiert das. Hauptsache bereits bestehende Vorurteile werden gefestigt.
the_master 03.11.2016
2. Hoffentlich ist die Bahn fair!
Die Bahn kann natürlich einfach für die vor und nach Locomore fahrenden ICEs solange 19€ Tickets verkaufen, bis Locomore pleite ist. Das wäre relativ schnell der Fall. Ich hoffe, die Bahn ist fair, und sieht Locomore als Ergänzung zum eigenen Angebot und Verbündeten gegen die Konkurrenten Fernbus und Auto.
OskarVernon 03.11.2016
3.
Zitat von the_masterDie Bahn kann natürlich einfach für die vor und nach Locomore fahrenden ICEs solange 19€ Tickets verkaufen, bis Locomore pleite ist. Das wäre relativ schnell der Fall. Ich hoffe, die Bahn ist fair, und sieht Locomore als Ergänzung zum eigenen Angebot und Verbündeten gegen die Konkurrenten Fernbus und Auto.
Das hat sie gar nicht nötig, sondern im direkten Vergleich schlicht das bessere Angebot - allein schon, weil sie nicht nur 1mal täglich fährt; noch dazu schneller und mit wenigstens halbwegs brauchbarer Bordgastronomie. Locomore scheint tatsächlich über den Preis konkurrieren zu wollen: Schade eigentlich...
HARK 03.11.2016
4. Aha
Eine sehr relevante Frage bleibt offen: Mit welchem Material ist Locomore unterwegs?
OskarVernon 03.11.2016
5.
Zitat von HARKEine sehr relevante Frage bleibt offen: Mit welchem Material ist Locomore unterwegs?
klick (https://locomore.com/de/faq.html#techdetails)
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