Darmgrippe im Allgäu 145 Wanderer erkranken auf Almhütte

In den Allgäuer Alpen haben sich mehr als hundert Urlauber heftige Magen-Darm-Beschwerden zugezogen - Dutzende mussten mit Helikoptern in Kliniken ausgeflogen werden. Schuld ist verunreinigtes Trinkwasser. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.


Kempten - Im Süden Bayerns sind 145 Wanderer an einer heftigen Magen-Darm-Infektion und Kreislaufbeschwerden erkrankt. Die Urlauber hatten auf einer Berghütte verunreinigtes Wasser getrunken. 41 Menschen seien im Krankenhaus behandelt worden, ein Teil von ihnen sei auch Sonntag noch in stationärer Behandlung gewesen, teilte die Polizei in Kempten mit.

Homepage des Deutschen Alpenvereins: Hinweis auf die geschlossene Rappenseehütte
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Homepage des Deutschen Alpenvereins: Hinweis auf die geschlossene Rappenseehütte

Die auf 2091 Metern gelegene Rappenseehütte wurde am Sonntag geschlossen, um das gesamte Gebäude gründlich desinfizieren zu können. Ersten Erkenntnissen zufolge ist die Anlage zur Trinkwasseraufbereitung auf der Hütte bereits seit mehreren Tagen defekt. Die Polizei hat Ermittlungen wegen des Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung eingeleitet. Auf der Homepage und am Info-Telefon der Hütte ließen Hüttenwirt und Wirtin am Sonntag wissen: "Es besteht Betretungsverbot. Wir bitten um ihr Verständnis."

Laut Polizei mussten 35 Menschen per Hubschrauber in Kliniken ausgeflogen werden, vier Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Bis zum Samstag waren bereits mehr als 100 Bergwanderer erkrankt. Die Gäste wurden auf der Rappenseehütte und umliegenden Hütten medizinisch betreut, Ärzte hatten sich freiwillig für den Einsatz gemeldet. "Viele Wanderer konnten eigenständig ohne Behandlung oder nach der Behandlung ins Tal gehen", sagte ein Polizeisprecher.

Hütte bleibt mindestens bis zur Wochenmitte geschlossen

Die Rappenseehütte gehört zur Sektion Allgäu-Kempten des Deutschen Alpenvereins (DAV) und soll mindestens bis Wochenmitte geschlossen bleiben. "Aufgrund der ersten vorliegenden Untersuchungsergebnisse wird davon ausgegangen, dass die im Trinkwasser enthaltenen Keime sich nicht allzuleicht abtöten lassen", sagte der Polizeisprecher.

Zudem solle mit der Schließung sichergestellt werden, dass die Kette der Infektionen unterbrochen wird, erläuterte die Polizei die Entscheidung des Landratsamtes Oberallgäu. Im Tal weisen Hinweistafeln auf die Hüttensperrung hin. Zu Beginn der Woche werden die abschließenden Untersuchungsergebnisse über die Erreger erwartet.

Zunächst war versucht worden, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes wurde das Wasser abgekocht und chloriert. Zusätzlich wurde vom DAV Mineralwasser zur Versorgung der Wanderer und Gäste zur Hütte gebracht.

Inzwischen wurden auf den anderen Hütten am Allgäuer Hauptkamm vorsorglich die Hygienemaßnahmen verstärkt. Für den Fall, dass dort Infektionen auftreten sollten, müssen separate Räumlichkeiten für Betroffene vorgehalten werden.

amz/wit/dpa



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