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Das Pisten-Blog

Das Pisten-Blog Die Kunst, Schnee bei Plusgraden zu zaubern

Warten auf den Winter: Die Kunst des Kunstschnees Fotos
DPA

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Wir Skifahrer sind die Schneebälle des Klimawandels, und jeder hat so seine Art, damit umzugehen. Ich jammere. Der Kerl, mit dem ich Tisch und Tiefschnee teile, malt seit Tagen betrübt Skigondeln aufs Papier.

Louis, der Wetterexperte aus Paris, hat sich überteuerte Schnickschnack-Skihandschuhe gekauft. Und meine gute Freundin Elodie, die als Skilehrerin in den Alpen jobbt, isst neuerdings nachmittags Schoko-Törtchen - obwohl sie eigentlich gar nichts Süßes mag.

Auch Michael Manhart hat sich den Advent etwas anders vorgestellt. Normalerweise ist der Chef der Seilbahnen Lech um diese Zeit im 24/7-Modus. Selbst wenn kein Schnee vom Himmel fällt, steht er mit der Sonne auf.

Denn seine 400 Schneekanonen schießen nachts aus allen Rohren, und Manhart muss seine Mannschaft in Stellung bringen, um die luftigen Haufen in feine, glatte Pisten zu verwandeln.

Doch momentan ist es einfach zu warm für eine flächendeckende Beschneiung, die laue Atlantikluft ist schuld. Nur wenige Pisten seien "aktivierbar", sagt Manhart. Etwa ein Fünftel des Skigebiets, um genau zu sein. "Aber wir haben auch sehr schöne Winterwanderwege", sagt er.

Mal abgesehen davon, dass eine Abfahrt auf Kunstschnee sowieso nur das halbe Glück bedeutet, geht vielleicht auch die Ära der Schneekanonen langsam zu Ende. Denn die gängigen Modelle brauchen Minusgrade, um Leistung zu bringen.

Im Ötztal arbeiten sie schon an der Zukunft.

Im November haben zwei Wiener Universitäten in Obergurgl-Hochgurgl ein Freiluftlabor eröffnet. Im "Neuschneegenerator", einem dreieinhalb Meter großen Testballon auf Stelzen, stellen sie jetzt Schnee nach einem neuen Verfahren her: Statt wie herkömmliche Schneekanonen Wasser zu gefrieren und dann die Tropfen zu zerstäuben, werden im Generator einfach neue Schneekristalle gezüchtet. Ein feiner Wassernebel liefert die nötige Feuchtigkeit, um aus winzigen Eiskristallen größere Schneeflocken entstehen zu lassen.

Eines Tages soll der Neuschneegenerator sogar Tiefschneepisten zaubern. Ob man das Ding auch bei Plusgraden zum Laufen kriegt, wollen die Experten im Laufe des Winters erforschen. Ich drücke die Daumen! Noch ein paar Tage lang ist übrigens der Eins-a-Wetterservice von Metgis, der an dem Projekt dranhängt, für die Region Sölden kostenlos einsehbar.

Doch warum in die Ferne schweifen?

Ski fahren kann man nämlich auch im Sauerland. Bis zu 50 Zentimeter Schnee vermeldet Winterberg. Ein Teil davon kommt aus der neuen "Snow Factory", einer Scherbeneis-Anlage, die unabhängig von den Außentemperaturen winzige Eisscherben produziert. Diese werden auf der Piste verteilt und von der Pistenwalze plattgedrückt.

Ab Januar bekommt die "Snow Factory" Unterstützung vom "Snowmaker", einem in Israel entwickelten Gerät, das auf dem physikalischen Vakuumprinzip basiert: Ebenfalls unabhängig von der Außentemperatur lassen sich damit aus Wasser Schneekristalle herstellen. Bislang wurde die Technik vor allem zur Abkühlung in südafrikanischen Goldminen genutzt. Die Schneequalität beider Geräte ähnelt dem Frühjahrsschnee mit hoher Restfeuchte.

Das klingt jetzt nicht gerade nach Fresh Powder und Tiefschneeparadies.

Aber in Anbetracht der derzeitigen Situation in den Alpen sollte man vielleicht trotzdem über einen Saisonstart im Sauerland nachdenken. Die Chancen, dass Weihnachten im Alpenraum zum White Christmas wird, sinken mit jedem Wetterbericht. Und sogar Gondeln gibt es im Sauerland.

Zur Person
  • Louis Hermic
    Das Skifahren hat Stéphanie Souron schon mit vier Jahren gelernt. Heute verbringt die Journalistin ihre Freizeit am liebsten in den Alpen. Ihr Job als freie Autorin hat sie nach Hamburg verschlagen - inzwischen weiß sie, welche Fluglinien die Skier gratis transportieren und mit welchem Bus man am schnellsten ins Skigebiet kommt. Trotzdem ahnt sie: Eine Stadt ohne Berge und Schnee ist auf Dauer keine Lösung.

    Im Pisten-Blog erzählt Souron vom langen Warten auf den Schnee, von Neuheiten in den Skigebieten, philosophiert über das beste Hüttengericht und über alles, was im Winter draußen Spaß macht.

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18 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
valdebagnes 23.12.2014
bisweilen 23.12.2014
Beinlausi 23.12.2014
lorn order 23.12.2014
steelman 23.12.2014
d_hueb 23.12.2014
kdshp 23.12.2014
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specialsymbol 24.12.2014
philosophex 01.01.2015

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Zur Person
  • Louis Hermic
    Das Skifahren hat Stéphanie Souron schon mit vier Jahren gelernt. Heute verbringt die Journalistin ihre Freizeit am liebsten in den Alpen. Ihr Job als freie Autorin hat sie nach Hamburg verschlagen - inzwischen weiß sie, welche Fluglinien die Skier gratis transportieren und mit welchem Bus man am schnellsten ins Skigebiet kommt. Trotzdem ahnt sie: Eine Stadt ohne Berge und Schnee ist auf Dauer keine Lösung.

    Im Pisten-Blog erzählt Souron vom langen Warten auf den Schnee, von Neuheiten in den Skigebieten, philosophiert über das beste Hüttengericht und über alles, was im Winter draußen Spaß macht.


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