Zugreisen mit Pkw Ende der Auto-Bahn

Die Nachfrage ist zu gering: Ab 2017 wird voraussichtlich kein Autozug mehr durch Deutschland fahren. Oft ist es billiger, am Ziel einen Mietwagen zu nehmen - trotzdem trauern schon jetzt manche den bequemen Reisen auf Schienen hinterher.

Franziska Gabbert / TMN

Die Reichsbahn bewarb den Autoreisezug in seinen Kindertagen einmal so: "Häufig besteht bei Kraftfahrern der Wunsch, den Kraftwagen mit der Eisenbahn zu versenden und selbst die Reise schnell, bequem und ohne jede Anstrengung im Eisenbahnzuge zurückzulegen." Am Prinzip des Autozugs hat sich bis heute wenig geändert: Der Wagen fährt auf einem Waggon mit, der Fahrer kann sich im Zug entspannt zurücklehnen, Parken und Vorwärtskommen geht dabei gleichzeitig. Doch die Wünsche der Fahrer sind offenbar andere als in den Dreißigerjahren, als das erste Auto auf der Schiene mitrollte - der Autoreisezug ist ein Auslaufmodell.

In der jungen Bundesrepublik hatte sich der Autoreisezug trotz des Booms der zivilen Luftfahrt zunächst zu einem beliebten Verkehrsmittel entwickelt. 1988 bot die Deutsche Bundesbahn insgesamt 2929 Autozüge und 484 D-Züge mit Autobeförderung. Damit wurden 26 innerdeutsche und 61 internationale Verbindungen erschlossen. In den Neunzigerjahren gab es Routen bis Griechenland und in die Türkei. Der AE 13273 von Berlin nach Istanbul brauchte 27 Stunden und 48 Minuten.

Seit Jahren "nachhaltig defizitär"

Doch in den vergangenen Jahren hat die Deutsche Bahn ihr Angebot stetig ausgedünnt. Zum Sommer 2015 sind noch einmal einige Verbindungen weggefallen: nach Innsbruck und Villach in Österreich, nach Narbonne in Frankreich, ins italienische Alessandria im Piemont. Die einzigen zwei Verbindungen, die bis zum Ende des Sommerfahrplans 2017 aufrechterhalten werden, sind Hamburg-München und Hamburg-Lörrach - vor allem für Schweiz-Urlauber eine interessante Option. Dann ist aber auch hier Schluss.

Von der österreichischen ÖBB gibt es außerdem noch ein Angebot zwischen Wien und Hamburg sowie Düsseldorf. In Frankreich existiert ein breites Angebot an Autotrain-Verbindungen, die aber nicht über die Grenze in die Bundesrepublik fahren. Auch in Europa werden die Verbindungen zusammengestrichen.

"Das klassische Autozuggeschäft hat sich überlebt", erklärt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Es sei seit Jahren "nachhaltig defizitär". Bis 2014 nutzten nur rund 200.000 Fahrgäste jährlich dieses Angebot - das sind weniger als 1 Prozent der rund 129 Millionen Bahnkunden pro Jahr. Johannes Hübner, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt am Main, sieht im Rückzug der Deutschen Bahn auch einen Marketingfehler: Sie macht ein Angebot und schaut, wie viele Menschen es nutzen. Sie stellt dann fest, dass weniger Züge reichen. Daraufhin fahren aber auch weniger Menschen mit. "So baut man das Angebot langsam ab."

Keine Staus, keine Unfälle

Und so müssen die Deutschen bald auf eine eigentlich sehr angenehme Reiseform verzichten. "Der Urlaub beginnt schon mit der Abfahrt, das ist das Schöne am Autoreisezug", sagt Hübner. "Ich kann mit der Familie im Speisewagen essen, die Landschaft zieht draußen vorbei, und plötzlich bin ich am Ziel. Eigentlich ist das ja toll", schwärmt er von den Vorzügen des Schienentransports. Keine Staus, keine Unfälle. Man kann schlafen und ist bei der Ankunft erholt.

Auch Jürgen Grieving vom ADAC hält den Autozug für ein attraktives Reisemittel - vor allem für Menschen, die ungern lange Strecken in den Urlaub selbst fahren, aber am Zielort mobil sein wollen. Für Senioren etwa sei das Angebot ideal: "Sie können am Urlaubsort mit ihrem vertrauten Wagen unterwegs sein", sagt Grieving. Während der Anreise schonen sie sich selbst und ihr Fahrzeug. "Das ist sicher eine gute Sache."

Die Alternative ist ein Mietwagen vor Ort. Das Argument dagegen: Viele wollen lieber mit dem eigenen Auto fahren, unabhängig vom Alter. Das sei wie mit Skiern und Fahrrädern, sagt Johannes Hübner. Die gibt es schließlich auch überall zu leihen, und trotzdem transportieren die meisten ihre eigenen Sportgeräte in den Urlaub. Ganz günstig ist der Autoreisezug laut Grieving allerdings nicht. Ein Mietwagen ist häufig die günstigere Alternative.

Möglicherweise läuft das Modell Autozug aber auch deshalb aus, weil junge Menschen heute anders reisen. In vielen Ferienregionen bieten die Tourismusämter nun etwa Carsharing an, gerne mit Elektroautos.

Dagegen wirkt das neue Angebot der Deutschen Bahn etwas aus der Zeit gefallen: Sie transportiert diesen Sommer beim Pilotprojekt "Auto+Zug" die Pkw per Lastwagen über die Straßen. Eine "moderne Alternative zum klassischen Autozuggeschäft", wie die Bahn schreibt, für eine "umweltfreundliche Beförderung" von Mensch und Auto. Das erschließt sich nicht jedem: "Ein Auto auf einem Laster zu transportieren, das ist schon etwas widersinnig", findet Hübner.

Philipp Laage/dpa/sto

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insgesamt 66 Beiträge
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spon_2937981 25.06.2015
1. Pervers teurer
Die Bahn hätte ja auch mal auf die Idee kommen können, das Angebot attraktiver zu machen. AutoZug ist so absurd teurer, dass ich mich wundere, dass es überhaupt jemand nutzt.
erst nachdenken 25.06.2015
2.
Das Problem ist, dass die Personenwaggons zu unkomfortabel, die Verbindungen zu wenig und die Preise viel zu teuer sind. Diese Probleme hat allesamt die unfähige Monopol-DB zuverantworten!
abby_thur 25.06.2015
3. Kommentar
Zitat von spon_2937981Die Bahn hätte ja auch mal auf die Idee kommen können, das Angebot attraktiver zu machen. AutoZug ist so absurd teurer, dass ich mich wundere, dass es überhaupt jemand nutzt.
Wir haben von Gotha bis nach Stockholm 99€ bezahlt, ging eigentlich.
t.eulenspiegel 25.06.2015
4. Auch Motorradfahrer trauern
um die Autoreisezüge. Man stieg Sonntag Abend in Düsseldorf ein und war am nächsten Morgen 10 Uhr in Bozen. Optimal, besser und bequemer ging es nicht. Natürlich war eine gewisse Menge an Bier notwendig, um in den Liegewagen schlafen zu können aber eine Nacht geht das schon. Auf jeden Fall besser, als einen langweiligen Tag Autobahn bis zu den Alpen abzureißen. Und preislich war es in der Nebensaison keine große Differenz zur eigenen Anfahrt. On top noch der große Unterhaltungswert, wenn die Angeber mit ihren Ferraris und Lambos am Bahnhof einen auf dicke Hose machten und sich dann in die selbige sch..... wenn es daran ging, die Fahrzeuge auf die schmalen Eisenbahnwagen zu fahren.
c.PAF 25.06.2015
5.
---Zitat--- Dagegen wirkt das neue Angebot der Deutschen Bahn etwas aus der Zeit gefallen: Sie transportiert diesen Sommer beim Pilotprojekt "Auto+Zug" die Pkw per Lastwagen über die Straßen. ---Zitatende--- Das verstehe ich nicht. Genau das Gegenteil ist der Fall. Soll etwas zuverlässig und schnell transportiert werden, greift die Bahn schon lange auf LKW zurück. Die kennen sich ja schließlich selbst am besten. Was bei der Bahn fehlt, ist ein Reisezug für Wohnmobile. Diese sind meist nicht so schnell unterwegs, da würde sich das für die Fahrer lohnen, auf einen Reisezug zurückzugreifen. Ich habe vor einigen Jahren versucht, mein Wohnmobil auf der Strecke München - Hamburg transportiert zu bekommen. Es war schlicht und einfach unmöglich. Selbst als Fracht wurde es nicht genommen, da ich "nicht gewerblich" war...
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