Deutsche Bahn: Mehdorn will neuen Superzug

Die Deutsche Bahn AG und die französische Bahn (SNCF) wollen einen neuen Hochgeschwindigkeitszug auf die Schienen schicken. Der Superzug soll zwischen Berlin beziehungsweise München und der französischen Hauptstadt in Rekordzeit verkehren.

Hartmut Mehdorn arbeitete bereits in dem Airbus-Konsortium mit Louis Gallois zusammen
REUTERS

Hartmut Mehdorn arbeitete bereits in dem Airbus-Konsortium mit Louis Gallois zusammen

Noch bevor der ICE 3 seine Serienreife erreicht hat, stellt Bahnchef Hartmut Mehdorn ihn schon aufs Abstellgleis. Ab 2010 solle voraussichtlich ein neuer Superzug mit einer Spitzengeschwindigkeit von 320 Stundenkilometern zwischen den europäischen Metropolen pendeln, sagten die Chefs der Bahn AG und SNCF, Hartmut Mehdorn und Louis Gallois, nach einem Treffen in Straßburg. Sie riefen die europäische Eisenbahnindustrie auf, nach den Vorgaben der Bahngesellschaften ein entsprechendes Fahrzeug zu bauen. "Was mit Erfolg bei der Luftfahrt gelungen ist, ist auch bei der Bahn möglich", meinte Mehdorn in Anspielung auf das Airbus-Konsortium.

Sein französischer Amtskollege Gallois sagte, in das Projekt sollten Erfahrungen mit dem deutschen ICE und dem französischen TGV einfließen. So könnten Entwicklungskosten gesenkt und langfristige Planungen ermöglicht werden. In Taiwan böten bereits deutsche und französische Firmen gemeinsam den Hochgeschwindigkeitszug "Eurotrain" an, ergänzte Bahnsprecher Stephan Heimbach gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Warum sollte in Europa nicht das möglich sein, was in Asien schon praktiziert wird?"

Der neue Hochgeschwindigkeitszug der vierten Generation soll auf den meisten europäischen Strecken einsetzbar sein und eine standardisierte Stromversorgung haben. "Wir streben gemeinsame Normen bei ICE und TGV an, damit diese Züge problemlos über Grenzen fahren können", so Mehdorn.

"Der Trend war erkennbar, nur der Zeitpunkt ist überraschend", kommentierte Joachim Körber vom Verband der deutschen Bahnindustrie (VDB) das Ergebnis des deutsch-französischen Treffens. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes sagte weiter zu SPIEGEL ONLINE: Es sei ungewöhnlich, dass ein Vorstandsvorsitzender, der erst einen Tag im Amt sei, mit solch einem Erfolg aufwarten könne. Bislang habe die SNCF versucht, europaweit den TGV durchzusetzen. Jetzt könne man endlich beginnen, grenzüberschreitend zu arbeiten und deshalb sei es "ein guter Tag", so Körber.

Beim Siemens-Konzern, der das ICE-Konsortium anführt, zeigte man sich ebenfalls von dem Zeitpunkt des Vorstoßes überrascht. Ein Sprecher des Unternehmensbereichs Verkehrstechnik sagte in einer ersten SPIEGEL ONLINE Anfrage: "Wir verfolgen die Entwicklung mit großem Interesse".

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