Deutsche Bahn Fahrgastverband kritisiert Erhöhung der Ticketpreise

Die Preise der Deutschen Bahn könnten einem Medienbericht zufolge zum Jahresende um 0,9 Prozent steigen. Kritiker halten das nicht für gerechtfertigt - und fordern den Staat zum Handeln auf.

Ticketautomat der Deutschen Bahn
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Ticketautomat der Deutschen Bahn


Die angekündigte Preiserhöhung im Fernverkehr der Deutschen Bahn soll nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" bei 0,9 Prozent liegen. Damit fiele der Aufschlag am 9. Dezember ebenso stark aus wie im Vorjahr, berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf Bahnkreise.

Konzernchef Richard Lutz hatte am Donnerstag grundsätzlich eine Preiserhöhung angekündigt, war aber noch nicht konkret geworden. Er sprach lediglich von einer "moderaten" Erhöhung, die unterhalb der Inflationsrate liegen werde.

Im vergangenen Jahr waren Fahrkarten im Fernverkehr durchschnittlich um 0,9 Prozent teurer geworden, ein Jahr zuvor um 1,3 Prozent. In den beiden Vorjahren hatte es Nullrunden gegeben.

"Bundesregierung darf nicht länger auf der Bremse stehen"

"Die Leistungen und das Angebot der Bahn sind nicht so, dass höhere Preise gerechtfertigt wären", sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, in der "Passauer Neuen Presse".

Der Eigentümer Staat gebe zu wenig für die Bahn aus, sagte er. "Die Politik spart weiterhin kräftig an der Bahn. In der Schweiz investiert der Staat in die Bahn pro Jahr rund 300 Euro pro Einwohner. In Deutschland sind es 74 Euro." Auch in Österreich und Frankreich werde mehr ausgegeben als hierzulande.

Die Grünen forderten, die Mehrwertsteuer auf Bahntickets von 19 auf sieben Prozent zu senken. "Günstige Tickets können mehr Menschen zum Bahnfahren bewegen. Deswegen muss die Mehrwertsteuer im Fernverkehr auf sieben Prozent gesenkt werden", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der "Bild"-Zeitung. Im öffentlichen Nahverkehr gilt bereits eine Mehrwertsteuer von sieben Prozent.

"Um unsere Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir auf umweltverträgliche Mobilität umsteigen. Die Bundesregierung darf hier nicht länger auf der Bremse stehen", sagte Hofreiter.

Der Vorstand entscheidet im Herbst über die genauen Tarife. Wie sich die Fahrpreise im Regionalverkehr entwickeln, ist noch offen. Dort bestimmt die Bahn den Tarif nur für Fahrten, die über die Grenzen von Verkehrsverbünden hinausgehen, was etwa jede fünfte Fahrt betrifft.

kry/dpa/AFP

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bjbehr 24.08.2018
1. Staatliche Abzocke
Warum kritisiert - oder besser: beklagt! - der Fahrgastverband nicht die obszöne Stornierungsgebühr für Onlinetickets von 19 Euro? Stillschweigend und klammheimlich wird diese stets erhöht und keine Menschenseele bekommt davon etwas mit. Natürlich geht das dann immer "durch die Medien". Nur durch welche, das verrät die DB nicht. Eine Stornierung ist komplett computergeneriert und kein Mensch bei der Bahn muss dafür auch nur einen Finger rühren. Für mich eine glasklare Abzocke, staatlich toleriert. Und nein, das ist nicht vergleichbar mit Storni von Flugtickets, wo Menschen dafür noch aktiviert werden müssen.
Überfünfzig, 24.08.2018
2. ÖPNV am Besten für lau!
Dafür soll dann bitte der kleine Angestellte und Arbeiter mit Auto noch mehr ausgenommen werden, weil man ja als Öffi-Nutzer moralisch höher steht. Da trifft man dann auch die Drahteselfraktion auf Augenhöhe! Und nein liebe Grüne, an den Kosten für die Fahrkarte liegt es nicht, warum ich so gerne mit dem Kfz unterwegs bin! Also zieht ihr 7% Vorstoß nicht wirklich, es sei denn, Benzin wird ebenfalls nur mit diesen Satz besteuert?
marty_gi 24.08.2018
3. öpnv
Der RMV hier in der Landesmitte wird, als jetzt schon teuerstes Verbund, mit Sicherheit die Preise auch wieder massiv anheben, fuer die seit Jahren miserabelste Leistung, die sie in diesem Jahr hingelegt haben. Aber - sind halt alles einseitige Vertraege. Der Kunde muss immer 100% Leistung (Zahlung!) erbringen, der Dienstleister nicht mal 80% Gegenleistung dafuer. Was den einen Vorredner mit "ÖPNV am Besten für lau!" anbelangt - ja, das waere eine gute Loesung. Fernsehzangsgebuehr abschaffen und stattdessen fuer den ÖPNV einziehen, Angebot ausbauen und merklich guenstiger machen. Da haetten alle was von. Dann auch noch die KFZ-Steuer komplett abschaffen und auf die Kraftstoffe umlegen, dann zahlt jeder nach Nutzungsverhalten und Fahrzeugauswahl. So ginge dann wirklich solidarische Gerechtigkeit.
seppfrieder 24.08.2018
4. Was habt´s ihr den
Wem das Bahnfahren zu teuer ist kann ja andere Verkehrsmittel nutzen. Ebenso die Meckerei wegen nicht erfüllter Qualität. Es ist doch bekannt das nur dreiviertel der Züge Pünktlich sind, ab und zu mal gar kein Zug kommt oder die Wagen nicht so am Bahnsteig stehen wie angekündigt. Wer dann immer noch mit dem Zug reisen möchte weiß doch was auf ihn zukommt. Es wird keiner gezwungen mit der Bhan zu fahren.
der.tommy 24.08.2018
5. @marty_gi
Das wäre doch alles viel zu schön um wahr zu sein. Bei dem Artikel komm ich allerdings nicht umhin festzustellen, dass diese Preiserhöhung unterhalb der durchschnittlichen Inflationsrate liegen wird (der auch die Bahn letztlich bei ihren Anschaffungen ausgesetzt ist). So gesehen zählt die Bahn gerade drauf, wenn sie unter der Inflationsrate bleibt. Die Bahn ist nun mal eine AG. Und als solche ist sie (kann man gut finden, ich find es wie sie eher schlecht) nach marktwirtschaftlichen und nicht Nacht öffentlich rechtlichen Belangen und Erwartungen zu beurteilen. Und die Marktwirtschaft strebt nun mal Gewinnmaximierung an.
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