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19-Euro-Offensive: Was die Sparpreis-Tickets der Bahn wirklich taugen

Quer durch Deutschland reisen für 19 Euro: Die Bahn verkauft derzeit viele Sparpreis-Tickets. Stiftung Warentest hat überprüft, für wann und für welche Strecken das Angebot verfügbar ist.

Fahrkartenautomat der Bahn: Bis zu 90 Prozent sparen Zur Großansicht
DPA

Fahrkartenautomat der Bahn: Bis zu 90 Prozent sparen

Mit einer groß angelegten Billigoffensive wirbt die Deutsche Bahn derzeit um Kunden. Noch bis zum 20. März verkauft der Konzern im großen Umfang Tickets für 19 Euro. Damit können Fahrgäste "in Fernverkehrszügen von City zu City" reisen, heißt es auf der Webseite der Bahn - solange der Vorrat reicht. Was heißt das konkret? Wie einfach ist es, die versprochenen Schnäppchen zu ergattern? Die Stiftung Warentest hat nun überprüft, was das Angebot taugt.

Die in dieser Aktion verkauften Tickets mit Zugbindung unterscheiden sich in einem bedeutenden Punkt von den Sparpreistickets, die Bahnreisende aus früheren Angeboten kennen - ein großer Nachteil, sagen die Tester. Sie gelten nämlich nicht für Regionalzüge, sondern nur für Verbindungen mit ICE, IC und EC - sowie gegen Aufpreis in DB-Nachtzügen. Darum müssten die Kunden zwischen Fernbahnhöfen reisen und könnten nicht an kleineren Bahnhöfen starten und ankommen, wenn sie von den Schnäppchen profitieren wollen. (Hier gelangen Sie zur Deutschlandkarte der Deutschen Bahn.)

Die guten Nachrichten: Zum einen können Fahrgäste auf den Fernverbindungen bis zu 90 Prozent sparen. Als Beispiel nennt Stiftung Warentest eine Fahrt von München nach Hamburg. Hier würde ein Ticket normalerweise 142 Euro kosten. Mit dem 19-Euro-Fahrschein spare man entsprechend 87 Prozent.

Außerdem sind bei dem aktuellen Angebot auch ICE-Sprinter-Züge eingeschlossen. Diese halten nicht überall und sind daher schneller unterwegs als die anderen Fernzüge.

Kurzfristig geht kaum was

Bleibt die Frage, wie schwierig es ist, an die günstigen Fahrscheine zu kommen. Die Bahn hatte zuvor nicht verraten, wie viele Sparpreis-Tickets sie überhaupt im Rahmen der Aktion auf den Markt werfen wolle. Es hieß nur, es gebe keine Begrenzung der Gesamtzahl, aber Kontingente für die einzelnen Züge. "Die Ausbeute für die kommenden Wochen und Monate ist recht ordentlich", fanden die Tester nun in ihren Stichproben heraus und zeigen sich mit dem Umfang zufrieden. Sie überprüften dafür mehr als 2500 Verbindungen auf über zehn Strecken an mehreren Reisetagen.

"Bei mehrwöchiger Vorausbuchung lag die Trefferquote oft weit über 50 Prozent", urteilt Stiftung Warentest. Kurzfristige Buchungsversuche hätten oft keinen Erfolg gehabt. Tipp der Tester: "Wenn Sie das Angebot der Bahn nutzen wollen, buchen Sie möglichst frühzeitig." Außerdem seien die beliebten Reisetage schnell vergriffen. "Versuchen Sie bei Ihrer Reiseplanung, die teuren Freitag- und Sonntagnachmittage zu umgehen. Ein verlängertes Wochenende hilft sparen: Wer von Donnerstag bis Montag Zeit hat, fährt meist billiger."

Anhand der Zugverbindungen Hamburg-München, Berlin-Hamburg und Leipzig-Stralsund kamen die Tester zu ein paar interessanten Ergebnissen (exemplarisch, bei Buchung etwa einen Monat im Voraus).

  • Von Montag bis Mittwoch waren oft für 60 bis 70 Prozent der geprüften Verbindungen 19-Euro-Tickets erhältlich.
  • Am Freitag und am Sonntag gab es die billigen Fahrscheine nur für weniger als die Hälfte der überprüften Strecken.
  • Am Samstag erhöht sich die Zahl der Spartickets, je später der Zug fährt.

Einen Tipp haben die Tester noch für die Suche über die Online-Auskunft der Deutschen Bahn: "Entfernen Sie in den Voreinstellungen den Haken 'schnelle Verbindungen bevorzugen'. So werden auch Züge angezeigt, die möglicherweise kaum langsamer das Ziel erreichen."

Mit der Sparpreis-Offensive will die Bahn wieder mehr Kunden in ihre Züge holen. Zwar stieg die Anzahl der Fahrgäste 2015 leicht auf rund 130 Millionen nach 129 Millionen im Jahr zuvor. Doch vor allem die Fernbusanbieter haben dem Unternehmen stark zugesetzt. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen verlor der Konzern allein 2013 rund 40 Millionen Euro Umsatz an die Rivalen. Im vergangenen Jahr verzichtete die Bahn wegen des Konkurrenzdrucks sogar auf eine Preiserhöhung.

jus

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Eine Farce.
robodox1 12.02.2016
Als überzeugter und zufriedener Nutzer einer Mitfahrer-Website gab ich der DB mal eine Chance: ich studierte die Website und rief bei der Bahn an. Die Auskunft: Kommen Sie am 11.2. um 8:00 Uhr ins Reisezentrum, vorher keine Ausgabe. Pünktlich dort angekommen: Lange Nase, hätten Sie mal ab Mitternacht online gebucht, alles ausverkauft. Ohne Hinweis auf der DB-Website. Raten Sie mal, wer heute und in Zukunft wieder glücklich mit BlaBlaCar reist...
2. Unlogisch
erwinjava 12.02.2016
Schwer verständlich, diese Preispolitik. Andere Unternehmen verkaufen Produkte/Dienstleistungen günstiger, wenn die Nachfrage gering ist oder Kapazitäten frei sind. Woher soll ich wissen, wann die Züge nicht ausgebucht sind? Kann die Bahn hier nicht mal Tipps geben? Als Rentner würde ich gerne mit der Bahn fahren, zumal ich auch flexibel in der Termingestaltung bin. Doch ich habe keine Lust, Stunden lang zu suchen. Aber welcher Bahnkunde kann schon absolut sicher sein, dass er das günstigste Angebot gebucht hat? Irgendwo gibt es vielleicht noch bessere Angebote. Ich finde das alles undurchschaubar und auch unfair.
3. Sparpreisfinder
seismologe 12.02.2016
Zitat von erwinjavaSchwer verständlich, diese Preispolitik. Andere Unternehmen verkaufen Produkte/Dienstleistungen günstiger, wenn die Nachfrage gering ist oder Kapazitäten frei sind. Woher soll ich wissen, wann die Züge nicht ausgebucht sind? Kann die Bahn hier nicht mal Tipps geben? Als Rentner würde ich gerne mit der Bahn fahren, zumal ich auch flexibel in der Termingestaltung bin. Doch ich habe keine Lust, Stunden lang zu suchen. Aber welcher Bahnkunde kann schon absolut sicher sein, dass er das günstigste Angebot gebucht hat? Irgendwo gibt es vielleicht noch bessere Angebote. Ich finde das alles undurchschaubar und auch unfair.
Genau dafür gibt es den Sparpreisfinder auf bahn.de. Gewünschte Verbindung + mögliche Reisetage eingeben und die günstigsten Preise werden angezeigt. Funktioniert bestens.
4. Regionalzüge/NV
walu 12.02.2016
Dass DB die 19 Euro-Tickets, die ja eine direkte Kampfansage an die Fernbusse sind, auf die Fernreise an sich beschränkt, ist logisch nachvollziehbar. Generell ist die Deutsche Bahn bei der Einbindung des Nahverkehrs in den Vor-/Nachlauf einer Fernreise konkurrenzlos. Fernbusse 'kennen' nur Direktverbindungen mit einer relativ engen Auswahl an Zieldestinationen. Mit jedem Mal Umsteigen wird das Fernbusticket automatisch teurer. Im Gegensatz dazu ist bei der DB der Nahverkehr vor/nach der Fernreise mit einem 'normalen' Sparpreisticket immer inklusive. Bei Bahncard-Rabatt außerdem die Fahrt im ÖPNV am Start- und Zielort. Bei einer Fernbusreise kostet all das immer noch einmal extra.
5. Nöö, lieber nüscht
jadota 12.02.2016
Wer mein Leben verkompliziert, hat schlechte Karten, bzw ist unten durch. Wer noch dazu mit meiner Zeit und meinem Geld derart willkürlich umgeht, hat ein Recht auf meine höfliche Verachtung. Von Berlin nach Aachen fahre ich gemütlich Bus für 20€ von Tür zu Tür, ohne lästige Umsteigen, Kontrolle, Ansagen, Warnungen, Ängste, (ich kürze ab wegen Überlänge)... und mit wlan, kostenlos. Das nenne ich Service und Achtung vor Kundschaft. Das Umbuchen ist außerdem gebührenfrei.
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