Deutsche Bahn ICE wird nicht "Anne Frank" heißen

ICE nach historischen Persönlichkeiten benennen? Nicht in jedem Fall eine gute Idee, meinten Kritiker, als die Bahn diesen Plan im vergangenen Jahr vorstellte. Nun rückt das Unternehmen von der Idee ab.

ICE "Martin Luther"
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ICE "Martin Luther"


Die Deutsche Bahn will ihre neuen ICE 4-Züge laut einem Sprecher doch nicht nach historischen Persönlichkeiten benennen. Im vergangenen Herbst hatte es Kritik gegeben, weil einer der Züge den Namen Anne Franks tragen sollte. Das jüdische Mädchen, dessen Tagebuch später weltberühmt wurde, war 1944 in Konzentrationslager verschleppt worden, sie starb 1945 im Alter von 15 Jahren in Bergen-Belsen.

"Wir müssen einräumen, dass wir das Thema leider falsch eingeschätzt und damit Gefühle verletzt haben", sagte der Sprecher. Die Verstrickung von Reichsbahn und NS-Staat sei ein "dunkles Kapitel in der Geschichte der Eisenbahn". Statt nach Personen sollen die Züge demnach nach deutschen Regionen, Flüssen oder Bergen benannt werden. Ein ICE 4, der schon vor dem vergangenen Herbst nach dem Reformator Martin Luther benannt worden war, werde seinen Namen behalten

Das Anne Frank Haus in Amsterdam hatte im vergangenen Herbst beispielsweise kritisiert, die Verbindung zwischen Anne Frank und einem Zug wecke Assoziationen mit den Deportationen von Juden in der NS-Zeit: "Es ist eine schmerzliche Verbindung für die Menschen, die die Deportationen erlitten haben, und löst erneut Schmerzen bei all jenen aus, deren Leben bis heute von den Folgen der damaligen Zeit geprägt ist."

Die Bahn hatte sich zunächst verteidigt und mitgeteilt, dass sie sich "im Bewusstsein um ihre historische Verantwortung" für den Namen entschieden habe. Die Idee sei gewesen, "die Erinnerung an Anne Frank wachzuhalten". Bereits damals kündigte das Unternehmen jedoch interne Diskussionen an. Jüdische Organisationen sollten dabei demnach beratend tätig werden. Offenbar hatten in diesen Gesprächen die Kritiker die überzeugenderen Argumente.

bbr/dpa

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