Deutscher Weltraumtourist: Astronaut ohne Rakete

Fünf Minuten Schwerelosigkeit: Von einem Ausflug ins All träumen viele Menschen. Auch ein Deutscher will bald in Richtung Weltraum abheben und lässt sich das 70.000 Euro kosten. Dabei ist der Spaß nicht frei von Risiken - und auch der Bau der Rakete steht noch in den Sternen.

Weltraumtourismus: Fünf Minuten Schwerelosigkeit Fotos
dapd

Berlin - Ein sportlicher Zahnarzt aus Süddeutschland, ein weltraumbegeisterter Luftwaffen-Pilot aus den Niederlanden und ein golfspielender PR-Mann für gehobenen Lebensstil aus Hamburg: Es ist ein ungewöhnliches Trio, das am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin für Tourismus im Weltall warb. 2014 soll es losgehen mit den Flügen - und Zahnarzt Jos Gal möchte als erster deutscher Kunde dabei sein. Sein Ticket wird 95.000 Dollar kosten, das sind umgerechnet 70.700 Euro. Bezahlt hat er noch nicht, er wolle die Verträge noch ein paar Tage prüfen, sagt er.

Bevor Jos Gal zum eigentlichen Thema kam, machte er erst einmal kräftig Werbung in eigener Sache. Er sei Gründer der ersten "Fünf-Sterne-Luxus-Zahnpraxis" Deutschlands, sagte der 42-jährige Heidelberger. Bei ihm bekämen die Patienten ihre Zahnkronen auf einem "roten Samtkissen auf silbernem Tablett" präsentiert.

Entsprechend spektakulär ist denn auch das nächste Abenteuer des gebürtigen Ungarn: Ein Raumschiff mit Raketenantrieb wird Gal bis auf 103 Kilometer Höhe katapultieren und ihm fünf Minuten Schwerelosigkeit bescheren, 60 Minuten wird der Flug dauern.

Die von Niederländern gegründete Firma Space Expedition Curacao (SXC) will ihre Flüge von der Karibikinsel Curacao aus anbieten. Es gibt dabei nur ein kleines Problem: Das Raumschiff Lynx für die Weltraumflüge existiert noch nicht, geschweige denn eine Genehmigung.

"Risikobehaftete Pionierarbeit"

Der Prototyp werde gerade gebaut, sagt Pilot Harry van Hulten. Erste Testflüge solle es Ende 2012 geben. Das Gefährt sei mit allerneuester Sicherheitstechnik ausgestattet. Es könne noch mit einem Triebwerk fliegen und verfüge für den Notfall auch über Schleudersitze. Dennoch gebe es wie bei jeder "neuen Sache" keine absolute Sicherheitsgarantie, schränkte der Pilot ein. Schließlich sei jede "Pionierarbeit" risikobehaftet.

Zu den Kosten des neuen Raumschiffs kann van Hulten wenig sagen. Die Maschine werde geleast. Sie sei aber billiger als ein F16-Kampfjet, den er sonst fliege. "Ich bin Testpilot. Ich wollte immer höher und schneller sein als mit der F 16", sagt er. Astronautenerfahrung hat er noch nicht.

Am Rande eines Golfturniers in Oman habe sich Jos Gal dazu entschlossen, einen Flug an die Grenze des Weltraums zu buchen. Ihn habe die Idee "absolut begeistert", denn er sei ein "sehr neugieriger und abenteuerlustiger Mensch".

Der "private Concierge und Luxuslifeststyle-Experte" Henning Richard Haltinner, der die Tickets in Deutschland vertreibt, hat kein Problem damit, seinen ersten Kunden gleich zum "Astronauten" hochzustilisieren. Und das, obwohl der gerade einmal für wenige Minuten an der Tür zum Weltraum kratzen darf. Auf den Hinweis, dass ein Astronaut nach der Uno-Definition mindestens einmal die Erde in einem Raumschiff umkreist haben muss, antwortete er: "Dann wissen Sie mehr."

Krach in der Karibik

Ob es die Einwohner von Curacao stört, dass ihre Insel bald einen futuristischen Weltraumbahnhof haben wird? Wer jemals eine Maschine mit Raketentriebwerk hat starten hören, könnte sich Sorgen um die Einwohner von Curacao machen. Doch dort sei man begeistert, versichert Pilot van Hulten.

Rund 50 Tickets für die Flüge habe SXC international bereits verkauft. Die Kunden von Weltraumtourismus-Konkurrent "Virgin Galactic" warten allerdings auch immer noch auf den Beginn ihres exklusiven Abenteuers im All. Dazu zählt auch die deutsche Unternehmerin Sonja Rohde aus Nordrhein-Westfalen.

Sollte Jos Gal eines Tages tatsächlich in Richtung Weltraum abheben, wird sein Reiseplan so aussehen: Die mit Kerosin und Flüssigsauerstoff gespeisten Raketentriebwerke sollen die nur 8,51 Meter lange und 7,30 Meter breite Maschine in drei Minuten auf 3550 Stundenkilometer katapultieren.

In 58,5 Kilometern Höhe werden sie abgeschaltet, und der Apparat steigt dann bis auf gut 100 Kilometer Höhe. Von hier kann Gal kurze Zeit einen Blick auf die Erde zwischen Brasilien und Florida werfen, bevor die Maschine wieder in die Atmosphäre eintaucht und im Zirkelflug Richtung Erde gleitet.

Gerhard Kowalski, dapd/jus/dpa

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