Studie Deutschland entwickelt sich zum größten europäischen Kreuzfahrtmarkt

Die Deutschen entdecken die Meere. Bald werden sie nach den US-Amerikaner die meisten Kreuzfahrttouristen weltweit stellen. Laut einer Studie der Reeder ist der Markt noch längst nicht gesättigt.

Taufe von "Mein Schiff 3": Bis 2017 gibt es weltweit 27 neue Kreuzfahrtschiffe
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Taufe von "Mein Schiff 3": Bis 2017 gibt es weltweit 27 neue Kreuzfahrtschiffe


Hamburg - Nicht nur die Hamburger Reederei TUI Cruises mit ihrer gerade erst getauften "Mein Schiff 3" befindet sich auf Wachstumskurs - sondern die gesamte europäische Kreuzfahrtindustrie. Deutschland ist dabei der dynamischste Markt. Das geht aus der jährlichen Marktstudie des europäischen Verbandes CLIA (Cruise Lines International Association) hervor, die in Hamburg veröffentlicht wurde.

Der Studie zufolge buchten fast 6,4 Millionen Europäer im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt, das sind 3,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Passagiere aus Deutschland erhöhte sich dagegen im gleichen Zeitraum um 9,2 Prozent auf 1,69 Millionen.

Deutschland macht damit 26,5 Prozent des europäischen Kreuzfahrtmarktes aus und steht auf Platz zwei knapp hinter Großbritannien mit einem Anteil von 27,2 Prozent und 1,73 Millionen Passagieren.

"Nach meiner Einschätzung wird Deutschland noch in diesem Jahr zum größten europäischen Kreuzfahrtmarkt aufsteigen und weltweit Platz zwei hinter den USA einnehmen", sagte Michael Ungerer, Vorsitzender von CLIA Deutschland und Chef von Aida Cruises.

Bis 2017 kommen 27 neue Kreuzfahrtschiffe

Europa hat in den vergangenen Jahren nach Ansicht des Branchenverbandes eine Stellung als zentraler Dreh- und Angelpunkt der weltweiten Kreuzfahrtindustrie erreicht. Weltweit machten die europäischen Passagiere 30 Prozent aller Kreuzfahrtgäste weltweit aus; vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 21,7 Prozent.

Die gesamtwirtschaftliche Leistung der Branche in Europa beziffert die Studie auf 39,4 Milliarden Euro, das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr. Darin sind Aufwendungen der Branche, Gehaltszahlungen und anderes enthalten.

"Vier Prozent Wachstum sind ein starkes Ergebnis für die europäische Kreuzfahrtbranche", sagte Ungerer. Die gesamte Wirtschaft in Europa sei im gleichen Zeitraum nur um 0,2 Prozent gewachsen; viele Länder hätten nach wie vor Schwierigkeiten.

Laut der Studie hätten vor allem drei Faktoren zu dem starken Wachstum der europäischen Branche beigetragen: eine steigende Anzahl europäischer Passagiere, ein deutlicher Zuwachs internationaler Passagiere, die in Europa an Bord gingen, und die anhaltende Dominanz der europäischen Werften im weltweiten Kreuzfahrtschiffbau.

Auch für die Zukunft zeigt sich Ungerer optimistisch. "In vielen Ländern steckt diese Urlaubsform noch in den Kinderschuhen; der Markt ist noch lange nicht gesättigt." Inklusive der ersten Jahreshälfte 2014 würden bis 2017 weltweit 27 neue Kreuzfahrtschiffe in Dienst gestellt.

abl/dpa

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tillion 16.06.2014
1. Kreuzfahrten sind
eine wunderschöne Art Urlaub zu machen. Bequem und auf Wunsch luxuriös kann man fremde Länder kennenlernen. Die neuen Schiffe wenfen sich jedoch immer mehr an diejenigen, denen das Entertainment an Bord wichtig ist. Das wäre dann eher onboard holiday als eine Kreuzfahrt.
zucker-schnute 16.06.2014
2. optional
Schön, dass Herr Ungerer für AIDA Cruises so optimistisch in die Zukunft blicken kann, für die Umwelt und die Bewohner der Hafenstädte und der Küstenregionen kann man aber leider nur schwarz sehen. Untersuchungen belegen erschreckende gesundheitliche Folgen. Herz- und Lungenkrankheiten sowie überdurchschnittlich viele vorzeitige Todesfälle sollten doch niemanden kalt lassen. Die Belastung durch den feinen Giftstaub, der aus den Schornsteinen der mit Schweröl betriebenen Kreuzfahrtschiffen (und nicht nur bei denen) austritt, machen nicht nur den Menschen, sondern auch Umwelt zunehmend zu schaffen. Einer Untersuchung zufolge stoßen allein die 15 größten Schiffe der Welt jährlich 78.000 Tonnen mehr Schwefeldioxid aus als weltweit alle 760 Millionen Autos zusammen. Ich glaube, die Liebhaber von Seereisen sind "auf dem falschen Dampfer".
Gluehweintrinker 04.10.2014
3. Der falsche Dampfer heißt Cruise-Bashing
Es wird Ihnen niemand darin widersprechen, das schwerölgetriebene Schiffe dringend sauberer werden müssen. Scrubber genannte Abgasreinigung ist ein erster Schritt und die deutsche Flotte schwimmt hier voran. Was sagen Sie denn zum großen Rest der ca. 85.000 hochseetauglichen Schiffe weltweit, die durch die Bank mit schwarzen Abgasfahnen unterwegs sind und was soll der Fokus auf die gut 300 hochseetauglichen Kreuzfahrtschiffe? Ja, es fällt immer superleicht, mit spitzem Finger auf Reiseformen zu zeigen, für die man sich gerade zufällig nicht interessiert. Wer gerechterweise auch bor der eigenen Tür zu kehren beabsichtigt, der nimmt zur Kenntnis, das jedes importierte Billigstteil aus China oder Bangladesh mit dafür verantwortlich ist, das rußende Megafrachter mit zigtausenden Containern auf den Meeren herumfahren und die Hafenstädte einnebeln. Hier die Kreuzfahrtbranche zu verdammen, greift leider viel zu kurz. Im Gegenteil. Die entschleunigte Schiffspassage ist im Vergleich zur fliegenden Sardinendose die Reisezukunft, bei neu erdachten nachhaltigen Antriebsformen wie Flüssiggas und Wind. Ahoi!
Hamberliner 05.10.2014
4. Re: Der falsche Dampfer heißt Cruise-Bashing
Zitat von GluehweintrinkerEs wird Ihnen niemand darin widersprechen, das schwerölgetriebene Schiffe dringend sauberer werden müssen. Scrubber genannte Abgasreinigung ist ein erster Schritt und die deutsche Flotte schwimmt hier voran. Was sagen Sie denn zum großen Rest der ca. 85.000 hochseetauglichen Schiffe weltweit, die durch die Bank mit schwarzen Abgasfahnen unterwegs sind und was soll der Fokus auf die gut 300 hochseetauglichen Kreuzfahrtschiffe? Ja, es fällt immer superleicht, mit spitzem Finger auf Reiseformen zu zeigen, für die man sich gerade zufällig nicht interessiert. Wer gerechterweise auch bor der eigenen Tür zu kehren beabsichtigt, der nimmt zur Kenntnis, das jedes importierte Billigstteil aus China oder Bangladesh mit dafür verantwortlich ist, das rußende Megafrachter mit zigtausenden Containern auf den Meeren herumfahren und die Hafenstädte einnebeln. Hier die Kreuzfahrtbranche zu verdammen, greift leider viel zu kurz. Im Gegenteil. Die entschleunigte Schiffspassage ist im Vergleich zur fliegenden Sardinendose die Reisezukunft, bei neu erdachten nachhaltigen Antriebsformen wie Flüssiggas und Wind. Ahoi!
Für mich ist das nicht der Cruise Liner, sondern das RoPax. Man hat sein eigenes Töff dabei, man hat ein Ziel. Dennoch habe ich keine Einwände gegen den Kreuzfahrtmarkt, weil er mich mit ernährt.
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