DFB-Koch Holger Stromberg Mit Chili gegen die Hitze

Die deutsche Elf hat bei der WM 2014 nur gegessen, was Holger Stromberg gekocht hat. Der DFB-Koch erzählt im Interview, was die Spieler im heißen Brasilien so stark gemacht hat - und wie auch Strandurlauber cool bleiben.

Erwin Lanzensberger

Zur Person
  • Erwin Lanzensberger
    Holger Stromberg, 42, war der Koch des Goldschmieding in Castrop-Rauxel, als das Restaurant einen Michelin-Stern erhielt. Seine Firma F.E.B. bietet Ernährungsberatung, Kochkurse und Catering-Konzepte. Seit sieben Jahren ist er der Koch der deutschen Nationalmannschaft. Im Herbst will er den legendären New Yorker Jazzclub Cotton Club aufleben lassen - als Dinnershow-Programm.
  • www.cottonclub-dinnershow.de
SPIEGEL ONLINE: Man sagt: Du bist, was du isst. Demnach muss ja Ihr Essen die deutsche Fußballnationalmannschaft zu Weltmeistern gemacht haben. Was hatten die Spieler denn vor dem Finale auf dem Teller?

Stromberg: Ich habe ihnen jeden Tag ein großes Büfett angeboten. Am Tag des Finales konnten die Spieler wählen zwischen gegrillter Hähnchenbrust, Pasta mit Tomatensauce, Kartoffelpüree, Couscous-Salat, griechischem Salat und ganz viel Gemüse.

SPIEGEL ONLINE: Und was haben Sie sonst so gekocht?

Stromberg: Nach Brasilien darf man keine Lebensmittel einführen, deswegen musste ich mit den Produkten arbeiten, die es im Land gibt: Kürbis, Karotten, Avocado, Rote Bete, Rind. Auf Milchprodukte habe ich wegen des heißen Klimas verzichtet.

SPIEGEL ONLINE: Seit der WM 2006 wollen die Fußballer doch vor jedem Spiel Ihren Glücksbringer-Milchreis. Und dann keine Milch. War das ein Drama?

Stromberg: Den Milchreis gab es trotzdem, vor jedem Spiel! Die Spieler glauben daran, dass er ihnen Glück bringt. Das wird sich, glaube ich, auch nie ändern. Ich bin einfach auf Reismilch ausgewichen. Das war eh gut. Denn tierische Fette belasten besonders in der Hitze den Körper, weil er viel Energie aufwenden muss, um diese zu verdauen. Die Spieler haben sich ohne Milchprodukte viel besser gefühlt.

SPIEGEL ONLINE: Dafür gab es mehr Kohlenhydrate. Belastet so ein Essen den Körper in warmen Ländern wie Brasilien nicht zu stark?

Stromberg: Eigentlich schon. Aber die Spieler haben nach dem Essen immer zwei bis drei Stunden Pause für Physiotherapie oder ein Nickerchen. 3,5 Stunden vor dem Spiel nahmen sie die letzte Mahlzeit zu sich. Deswegen macht ihnen das nichts. Ich selber habe aber nicht so viele Kohlenhydrate gegessen, ich hab mich ja den ganzen Tag nicht großartig bewegt.

WM-Quartier in Rio
Holger Stromberg

WM-Quartier in Rio

SPIEGEL ONLINE: Hier in Deutschland ist es gerade auch sehr warm. Sie sind ja jetzt Fachmann und wissen, wie man bei heißen Temperaturen cool und fit bleibt. Ihre Tipps?

Stromberg: Man sollte auf jeden Fall Lebensmittel essen, die viel Flüssigkeit enthalten: Ananas, Wassermelone, Tomaten, Gurken. Und natürliche kühlende Lebensmittel wie Chicorée, Bananen oder Pfefferminze. Die Moleküle von Menthol docken an unseren Kälterezeptoren an. Die melden daraufhin dem Gehirn Kälte, was ja eigentlich nicht stimmt. Aber wir fühlen uns davon erfrischt. Wer keine Minze mag, isst was mit Chili.

SPIEGEL ONLINE: Chili? Da wird einem doch noch heißer!

Stromberg: Ja und nein. Chili wärmt und kühlt zugleich. Das Gewürz regt den Stoffwechsel an, und man muss schwitzen. Der Schweiß verdunstet auf der Haut und kühlt sie dadurch ab.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit dem morgendlichen Kaffee?

Stromberg: Der erhitzt auch. Aber wir Deutschen können nicht ohne, das ist auch okay. Man sollte einfach einen Kaffee oder Espresso mit guter Qualität trinken. Damit man keine Magenreizungen bekommt und der Körper nicht übersäuert.

SPIEGEL ONLINE: Was war das letzte WM-Essen, das Sie für die Jungs gekocht haben?

Stromberg: Nudeln mit Tomatensauce nach dem Finale. Die gab es noch in der Kabine.

SPIEGEL ONLINE: War da überhaupt an Essen zu denken?

Stromberg: Erst mal natürlich nicht. Erst wurden Reden gehalten von der Kanzlerin und vom Bundespräsidenten. Die Spieler haben miteinander unzählige Selfies mit dem Pokal gemacht, waren einfach voller Adrenalin und Freude. Nach 45 Minuten kamen aber die Ersten und hatten Hunger. Es ist auch wichtig für die körperliche Regeneration, dass Profifußballer nach dem Sport ihre Energiespeicher auffüllen. Vielen steht aber nach so einem Spiel nicht der Sinn nach Essen. Mesut Özil zum Beispiel isst wenig. Dem habe ich einen Teller in die Hand gedrückt und gesagt: "Wenigstens ein paar Happen, das tut dir gut."

SPIEGEL ONLINE: Ihr WM-Menü klingt ziemlich gesund. Vorbildlich. Haben Müller, Neuer oder Özil nie mal mit Fast Food gesündigt?

Stromberg: Die Spieler wollten keine Pizza oder Schnitzel, haben auch nicht danach gefragt. Die waren ja nicht auf einer Kaffeefahrt, sondern wollten unbedingt den Titel und waren darauf zu 100 Prozent fokussiert.

SPIEGEL ONLINE: Wie sah für Sie ein typischer Tag in Brasilien aus?

Stromberg: 5 Uhr aufstehen, Frühstück aufbauen, danach abbauen und schon wieder Mittagessen vorbereiten, danach schon wieder Abendessen kochen. Und die Nudeln nach dem Spiel. Zwischendrin habe ich die Spieler mit Wasser und gesunden Limonaden versorgt. Um 1 Uhr ging's für mich dann ins Bett. Ich hatte also 20-Stunden-Tage.

Stromberg kocht mit Müller
DPA

Stromberg kocht mit Müller

SPIEGEL ONLINE: Klingt hart - und Sie sind auch zweieinhalb Wochen nach dem Finale immer noch müde. Haben Sie sich mal überlegt aufzuhören?

Stromberg: Nein. Koch der deutschen Nationalmannschaft bin ich jetzt seit sieben Jahren, richtig stressig ist es nur alle zwei Jahre zur WM oder EM für ein paar Wochen. Es macht ja auch wahnsinnig Spaß, ich verstehe mich toll mit allen, vor allem mit Manuel Neuer. Den treffe ich auch zweimal im Jahr privat in München. Aber klar ist es anstrengend. Ich bin ja keine 22 mehr, so wie Mario Götze. Jetzt fahre ich erst mal in den Urlaub nach Ibiza und erhole mich.

SPIEGEL ONLINE: Essen Sie dort auch kühlende Lebensmittel bei der Hitze, oder ist Ihnen das egal und der Genuss wichtiger?

Stromberg: Ob Urlaub oder nicht, ich esse ausschließlich gute Lebensmittel. Denn nur wo Qualität drin ist, kommen auch Genuss und Qualität raus. Alles andere ist Irrglaube. Wenn ich mal daneben greife, bezahle ich das mit Unwohlsein. Klar passiert mir das mal. Aber immer seltener.

Strombergs Rezept für heiße Tage: Bahia-Maracuja-Lachs

Reiner Schmitz / Edel Books / Das Kochbuch der Nationalmannschaftt

Lachs: 600g Lachsfilet, entgrätet. Marcuja-Sauce: 4 Stück Maracuja, 0,2 Liter Weißwein, 1 EL Honig mild, 1 EL Sojasauce, 1 TL Speisestärke, 1 Limette, 150 g Lauch (halbiert, gewaschen und fein geschnitten), Prise Meersalz, Pfeffer aus der Mühle, etwas Butter oder Rapsöl. Erbsen-Spinat: 500 g Erbsen (tiefgefroren), 200 g Spinatsalat (gewaschen), 1 TL Zucker, Prise Meersalz, Muskat, 1 EL Butter. Couscous: 200 g Couscous, 2 TL Kardamom (gemahlen oder alternativ Curry), etwas Meersalz, 1 Chilischote, gehackt.

Zubereitung: Lachsfilet in vier gleich große Portionen schneiden. Die Maracuja halbieren, das Fruchtfleisch samt Kernen mit einem Esslöffel ausschaben und dies mit Weißwein, Honig, Sojasauce und Speisestärke verrühren und in einem Topf zum kochen bringen. Anschließend auf mittlerer Hitze etwa auf die Hälfte einkochen. Die Lauchstreifen mit Salz und Pfeffer würzen und in etwas Fett farblos anschwitzen. Anschließend mit der Maracuja-Reduktion ablöschen und beiseite stellen. Mit Limettensaft, Meersalz und Pfeffer abschmecken.

Den Couscous nach Packungsempfehlung zubereiten. Anschließend Gewürze zugeben und mit einer Gabel auflockern. In einer Pfanne den Zucker auf großer Hitze karamellisieren, die Erbsen zugeben und mit Salz würzen. Abgedeckt circa fünf Minuten dünsten und anschließend den Spinat zugeben. Mit Salz, Muskat und Butter abschmecken. Eine beschichtete Pfanne erhitzen, Lachs einlegen und mit Salz und Pfeffer würzen. Auf beiden Seiten saftig braten.

Den Erbsen-Spinat und den Couscous auf vorgewärmten Teller anrichten. Lachs anlegen und mit Maracuja-Sauce benetzen.

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
hausundhof 01.08.2014
1. ich wusste gar nicht
dass es "auferleben" lassen gibt! eine schönes wort, sehr bildhaft!
Alderamin 01.08.2014
2. Hmm...
Menthol kühlt, weil es dem Körper vorgaukelt, es sei kühler. Aha. Und Chili kühlt, weil des dem Körper vorgaukelt, es sei heißer. Irgendwas verstehe ich da nicht. Ich esse auch gern scharf beim Inder und Thailänder, aber abgekühlt hat mich das bisher noch nicht...
BoDo44141 01.08.2014
3. Nicht ganz gesund
Komisch dass der Koch der soo viel von gesunder Ernährung erzählt, der einzige des DFB Stab der als fett und ungesund aussehend aufgefallen ist. Sein Rezept mit Butter und fett sowie einem instant Industrie couscous hat nix mit dem original zu tun. Viel was er erzählt ist nur heisse chilli Luft und selbstvermarktung.
cs01 01.08.2014
4.
Zitat von BoDo44141Komisch dass der Koch der soo viel von gesunder Ernährung erzählt, der einzige des DFB Stab der als fett und ungesund aussehend aufgefallen ist. Sein Rezept mit Butter und fett sowie einem instant Industrie couscous hat nix mit dem original zu tun. Viel was er erzählt ist nur heisse chilli Luft und selbstvermarktung.
1. Wo ist der Mann fett??? Natürlich ist er nicht so austrainiert wie ein Profisportler aber normalgewichtig ist er schon. 2. Wer nur "Original"rezepte kocht, ist kein guter Koch. Abwandelungen und Phantasie ist da gefragt, zumindest wenn man mehr will, als Burger in der Imbissbude wenden.
kaeptn99 01.08.2014
5. @Aldermarin Beim Inder oder Thai essen ...
... macht den Ernährungs-Experten aus. Da braucht man gar nicht mehr lesen was im Artikel steht, da regt eine vermeintlich widersprüchliche Überschrift nicht mal mehr die Neugierde an, da hat man nur ein Kopfschütteln für übrig. Ein Ernährungstipp von mir: Auch mal über den Tellerrand schauen.
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