Bloggerin über Europas schönste Cafés "Guter Kaffee ist nicht schnell gemacht"

Die Reisebloggerin Theresa Schlage interessiert sich für Kaffee - nicht für Kaffeeketten. Auf ihrer Webseite stellt die Fotografin die besten Cafés und Baristas in Europa vor.

Ein Interview von

Theresa Schlage

Zur Person
  • Theresa Schlage, aus Fürstenwalde bei Berlin, betreibt seit August 2015 den Kaffeeblog "The Way to Coffee". Ihre Liebe zum Kaffee hat die 32-Jährige in Rom als Austauschstudentin entdeckt, danach "forschte" sie auf vielen Reisen weiter nach der lokalen Kaffeekultur. Heute lebt sie in Brüssel und studiert Fotografie an der Kunstakademie Anderlecht. Schlage reist gerne; derzeit ist sie in Asien dem besten Kaffee auf der Spur.
  • Zum Blog: The Way to Coffee

SPIEGEL ONLINE: Frau Schlage, haben Sie einen Lieblingskaffee?

Schlage: Auf einer Farm in Boquete in Panama habe ich mal Geisha-Kaffee probiert - ein absolutes Highlight. Er schmeckt anders als alle anderen Kaffees in Südamerika, und zwar ganz exotisch nach Blaubeeren, Zitrusfrüchten und Honig.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Blog stellen Sie Cafés in aller Welt vor. Was ist an ihnen so besonders - im Vergleich zu Ketten wie Starbucks?

Schlage: Jedes Café hat eine eigene Persönlichkeit. Manche sind schlicht-nordisch mit hellen Holzmöbeln eingerichtet, andere mögen es quirlig-kreativ. In fast allen erfährt der Besucher etwas über Herkunft, Produktionsbedingungen und Geschmacksmerkmale des Kaffees. Es macht Spaß auszuprobieren, ob man die Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten herausschmecken kann. Bei Starbucks hingegen spielt es keine Rolle, ob man in Berlin, New York oder Bangkok ist. Der Kaffee schmeckt immer gleich.

SPIEGEL ONLINE: Mancher Kaffeetrinker steht verzweifelt im Hipster-Café und fragt sich, ob er hier einfach einen "ganz normalen Kaffee" bestellen darf. Wie geht es Ihnen damit?

Schlage: Was ist schon ein normaler Kaffee? Unterscheiden können sollte man zumindest zwischen Filterkaffee und Espresso-Getränken. Die meisten Cafés bieten Altbekanntes an: Espresso, Café Latte, Cappuccino und ein oder mehrere Methoden für handgebrühten Kaffee. Falls mir etwas neu ist, frage ich nach. Ich lasse mich von den Baristas eher inspirieren als abschrecken. Sie klären meist gerne über die Brühmethoden auf. Einige haben einen gut bezahlten Job aufgegeben, um ihrer Leidenschaft zu folgen. Das finde ich bewundernswert.

Theresa Schlage

SPIEGEL ONLINE: Gab es eine Begegnung, die Sie besonders beeindruckt hat?

Schlage: Ein Interview mit dem Düsseldorfer Latte-Artist Dritan Alsela im Café Bazzar II endete in einer stundenlangen Unterhaltung über Spezialitätenkaffee und darüber, wie sich die Branche entwickelt. Seine Leidenschaft für Kaffee ist ansteckend! Trotz seines Bekanntheitsgrades interessiert ihn besonders seine Stadt Düsseldorf - und wie er dort einen positiven Einfluss nehmen kann; er engagiert sich etwa für benachteiligte Jugendliche.

SPIEGEL ONLINE: Wohin sollten reiselustige Kaffee-Enthusiasten fahren?

Schlage: Großstädte wie Berlin, London und Paris bieten abwechslungsreiche, ausgefallene Cafés und Mikroröstereien, die viel experimentieren. Und natürlich sollten sie die Cafés besuchen, die ich in meinem Blog porträtiere: Besonders in Erinnerung geblieben sind mir das HanSo Café in Madrid und das Broer Bretel in Antwerpen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch gute Cafés außerhalb von Europa?

Schlage: Auf jeden Fall! Momentan reise ich durch Asien, um die besten Cafés ausfindig zu machen und lokal angebauten Kaffee zu probieren. Bangkok, Kuala Lumpur und Tokio stehen auf meiner Liste.

SPIEGEL ONLINE: Welche Trends sehen Sie in den Cafés?

Schlage: Zeit spielt gerade eine Rolle: Der Begriff "slow coffee" taucht immer wieder auf und suggeriert, dass ein guter handgebrühter Kaffee nicht im Schnellverfahren gemacht werden kann. Von Hand aufgegossener Kaffee, die "Pour over"-Methode, ist in deutschen Großstädten schon seit Längerem wieder angesagt. Relativ neu ist der Kult um verschiedenes Zubehör - etwa die Chemex-Karaffe, den Kalita-Wave-Handfilter aus Glas oder den klassischen V60-Handfilter aus Porzellan. Zuletzt habe ich in Madrid zum ersten Mal Kaffee probiert, der im Siphon zubereitet wurde - mittels Unterdruck im Glaskolben. Jedes Land entwickelt sich da sehr unterschiedlich. Die Franzosen zum Beispiel brechen seltener mit ihren Kaffeegewohnheiten. Viele stehen Filterkaffee eher skeptisch gegenüber.

SPIEGEL ONLINE: Wie bereiten Sie Ihren Kaffee zu Hause zu?

Schlage: Ich habe eine kleine Kaffeemühle, um die Bohnen frisch zu mahlen und benutze je nach Laune meine Chemex-Karaffe oder den kleinen Bialetti-Espressokocher.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
prest 17.02.2016
1. Das ganze Geld mit Quatsch verdient
Sehr erstaunt und nicht ohne unterschwelligen Neid, gepaart mit Anerkennung, nehme ich zur Kenntnis womit man sich seine ausufernden Weltreisen bezahlen lassen kann. Steht ja eigentlich in jedem guten Reiseführer wo der Cosmopolit seinen Kaffee schlürfen kann.
alex.peters 17.02.2016
2. Aha
Wieso hält sich eigentlich jeder Blogger für das Zentrum des Universums?
Stäffelesrutscher 17.02.2016
3.
Und was kostet der trendy coffee in einem asiatischen Shop, umgerechnet in nationale Mindestlöhne?
dertieftaucher 17.02.2016
4. Faszinierend mit welchem Quatsch man alles Geld verdienen kann.
Ich gebe mich geschlagen. Sätze wie "Auf einer Farm in Boquete in Panama habe ich mal Geisha-Kaffee probiert - ein absolutes Highlight" und "Ein Interview mit dem Düsseldorfer Latte-Artist Dritan Alsela im Café Bazzar II..." kann man satirisch nicht mehr überhöhen. Realsatire vom feinsten.
Hartsoe 17.02.2016
5. Sehr schön...
die Einträge 1, 2 und 3 in diesem Thread. Jeder gute Reiseführer hat offensichtlich auch "sein ganzes Geld mit Quatsch verdient", denn irgendwoher müssen die Informationen ja kommen. Nur weil das Medium sich geändert hat sind die Informationen weder besser oder schlechter, noch einfacher zu gewinnen (wo wurde außerdem von Geld gesprochen in diesem Interview?). Auch weiß ich nicht wo sich die Bloggerin als "Zentrum des Universums" hält. Sie macht das was ihr Spaß macht. Allein diese Tatsache scheint mir schon genug, sich den Unmut anderer Zeitgenossen zu zu ziehen. Und ich hoffe der Stäffelesrutscher trinkt nur reines Wasser, denn ansonsten könnte er gleich die Tränen der Kaffee- oder Teeanbauer weltweit trinken. Nur mal so zur Doppelmoral.
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