Internet-Sammelhobby Die schlimmsten Souvenirs der Welt

Darf's eine Schneekugel mit Wüstenmotiv sein? Echter Nebel aus San Francisco? Ein goldenes Stück Exkremente vielleicht? Souvenirhändler lassen sich die unglaublichsten Dinge einfallen, um Touristen um ihr Erspartes zu bringen. Im Internet veröffentlichen Sammler ihre fiesesten Fundstücke.

Thore Thoresen / crapsouvenirs.com

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Ein gelangweilter Rundgang im Flughafen-Souvenirladen, ein bisschen zu viel Zeit bis zum Heimflug und ein paar Scheinchen Restgeld in der Landeswährung: Oft ist es diese fatale Kombination, die Reisende zu Investitionen verführt, die sie wenige Stunden später bereuen.

Zu Hause im Wohnzimmer ist plötzlich kein Zentimeter Platz für eine Holzgiraffe aus Namibia. Die Nachbildung des Eiffelturms aus Messing-Imitat wird erst beim Auspacken als größte anzunehmende Unschönheit identifiziert. Und bemalte Wandteller, die eine pittoreske Altstadt in den Niederlanden zeigen, passen leider optisch zu keinem Wohnstil, der in den vergangenen 40 Jahren modern war.

Doch es geht noch viel schlimmer. Mehrere Internetseiten sammeln Fotos der furchtbarsten Souvenirs weltweit und zeigen einen unfassbaren Reichtum an Geschmacksverirrungen und Peinlichkeiten. Auf crapsouvenirs.com etwa sind folgende Artefakte zu bestaunen:

  • Eine Schneekugel, die das australische Outback samt Kängurus zeigt - dort hat es seit Jahrtausenden nicht geschneit.
  • Eine goldfarbene Kothaufen-Skulptur auf rotem Samtkissen aus Japan.
  • Ein knapper Damenschlüpfer, der mit dem Plan der Londoner U-Bahn bedruckt ist.

"Mein derzeitiges Lieblingsobjekt ist eine Fliege für Männer, die aus einer echten Agakröte samt Kopf besteht", verrät Doug Lansky, der die Seite betreibt. Er ist Reisejournalist und arbeitet derzeit an einem Buch über seine Fundstücke. Auch Papst-Memorabilia haben es ihm offenbar angetan: Neben einem Pontifex-Flaschenöffner zählt das "Benedictaphone" zu seinen Favoriten - dabei handelt es sich um eine Papstpuppe als Schlüsselanhänger, die auf Knopfdruck gesprochene Sätze aufnehmen und wiedergeben kann. "Da kann man den Papst dann Dinge sagen lassen wie 'Ich mag Kondome'", witzelt Lansky.

Inzwischen schickten ihm Reisende aus aller Welt Fotos ihrer peinlichsten Souvenirkäufe, er selbst geht hauptsächlich in Flughafen-Shops mit seiner Kamera auf Motivjagd. "Ich habe schon genug Müll zu Hause, ich versuche eher, mal was wegzuschmeißen, als neue Sachen zu kaufen."

Auch Hilly Beavan sammelt hässliche Erinnerungsstücke. Auf der Seite shelfofshame.com präsentiert sie zum Beispiel eine Torerofigur aus Plastik mit Fenster im Bauch, durch das ein Stierkopf zu sehen ist, und ein Spielzeugtaxi, auf dessen Dach sich eine Schneekugel mit der Sagrada Família befindet. "Ich frage mich immer wieder, wie solche Dinge entstehen", sagt Beavan, die in einer Werbeagentur arbeitet. "Wer denkt sich das aus, wer entscheidet über die Produktion, welche anderen Ideen wurden aufgegeben, weil sie als weniger gut eingeschätzt wurden?"

Um es auf ihr Shelf of Shame, ihr Regal der Schande zu schaffen, sollte ein Produkt ein paar Kriterien erfüllen. "Der perfekte Touristenramsch muss unverkennbar einer Stadt oder einem Land zuzuordnen sein - es muss nicht zwangsweise der Ortsname darauf stehen, auch wenn das besonders hübsch ist, aber irgendeinen Hinweis sollte es geben, wo das Ding herkommt."

Manchmal gehen die Geschmacksverirrungen so weit, dass Tourismusstrategen um den Ruf eines Reiseziels fürchten. In Pisa setzte der Stadtrat ein Verbot von Spaß-Souvenirs durch, die den schiefen Turm als Penis darstellen - zum Beispiel, indem sein Abbild mittig auf eine Boxershorts gedruckt wurde. Das seien schon fast pornografische Darstellungen, schimpfte der Bürgermeister, der um das Image seiner Stadt besorgt war.

Doch gewöhnlich flucht der Souvenirkäufer beim Auspacken zu Hause wohl nicht über das Reiseziel, sondern vielmehr über sich selbst: Wie konnte man auf die Idee kommen, dass sich dieses Ding ganz gut in der Diele machen würde? Der Ägypten-Urlaub war doch super - und nun ist dieses hässliche Stoffkamel alles, was als Erinnerungsstütze davon bleibt? In einer Umfrage des Buchungsportals hotel.de unter 3500 Urlaubern gaben drei Viertel an, schon mal ein unpraktisches oder unliebsames Souvenir mit nach Hause gebracht zu haben. Als Beispiele dafür wurden Wandteller und Keramikfiguren genannt, außerdem Mini-Eiffeltürme, Vasen und natürlich: Schneekugeln.

Warum bringen Reisende überhaupt Souvenirs mit aus dem Urlaubsland? "Das ist mir absolut schleierhaft", sagt Sammlerin Hilly Beavan.


Was ist Ihr peinlichstes Urlaubsmitbringsel? Schicken Sie ein Foto mit dem Betreff "Souvenir" an spon_reise@spiegel.de. Die besten Bilder werden bei SPIEGEL ONLINE veröffentlicht. Mit der Einsendung von Fotos erklärt der Absender, dass er die Rechte an dem Material besitzt und mit der honorarfreien Veröffentlichung einverstanden ist.

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