Drama im Atlantik Segler in Seenot ruft Kneipe statt SOS

Mayday, Mayday, und stell' schon mal ein Bier kalt: Ein britischer Segler hat mitten auf dem Atlantik nach einem Unfall an Bord den Wirt seiner Stammkneipe angerufen - und wurde gerettet.


Die Segel schnarren im Wind, orientierungslos schwimmt die "Padolu" im Atlantik, 600 Seemeilen (rund 1100 Kilometer) nordöstlich der Bermuda-Inseln. Skipper Alan Thompson liegt an Deck, krümmt sich vor Schmerzen. Nach seinem Sturz hat er sich an der Hüfte verletzt und braucht dringend Hilfe.

Ausgerechnet der Wirt seiner Stammkneipe rettet dem in Seenot geratenen Segler das Leben: Der 62-jährige Thompson griff zum Satellitentelefon und rief im "Bull's Head" in Chichester an. "Er klang sehr ernst, er schien unheimlich starke Schmerzen zu haben und konnte sich nicht bewegen. Er war auch ein bisschen konfus - ich habe ihn dreimal gebeten, die Position zu wiederholen", sagte Wirt Roger Pocock zu SPIEGEL ONLINE.

Thompson sei ein guter Freund Pococks und Stammkunde, sagt der Wirt. "Er hat sich gerade erst das Boot in den USA gekauft und wollte es nach Haus bringen." Während des gesamten Törns sei Pocock immer wieder mit Thompson in Kontakt getreten. Am Neujahrstag hätten die beiden zuletzt miteinaner telefoniert, als Thompson die Bermudas verließ.

Nach dem Notruf am Samstagabend tat Pocock genau das Richtige: Er gab die Position Thompsons an die Küstenwache in Falmouth weiter, die sich sofort mit ihren Kollegen in den USA kurzschloss. "Dank der Positionsbestimmung konnten wir genau wissen, wo sich das Boot befindet", erklärte Rosie Tapping von der Küstenwache in Falmouth.

Die Kollegen aus Norfolk Virginia hätten zunächst eine Luftrettung in Erwägung gezogen – doch für einen Hubschraubereinsatz war die Entfernung zu weit. Stattdessen habe ein Frachtschiff, das in der Nähe war, das Boot angesteuert und den verletzten Segler aufgenommen. "Er war wohl bestürzt darüber, dass er sein Schiff verlassen musste", sagte Tapping. Das Schiff, eine Elf-Meter-Yacht, drifte nun unbemannt im Atlantik. Immer häufiger würden in Seenotfällen Satellitentelefone statt klassischer Funkanlagen eingesetzt, sagt Tapping.

Auch Wirt Roger Pocock ist überglücklich, dass sein Freund ihn in seiner Not anrief. "Ich hoffe es geht ihm jetzt gut. Ich freue mich schon darauf, ihn wiederzusehen - und mit ihm ein Bier zu trinken".

reh



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