Drohender Militärputsch: Was Touristen in Ägypten erwartet

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Tausende Demonstranten, brennende Häuser: Die aktuellen Bilder aus Kairo könnten Urlauber, die eine Ägypten-Reise planen, verunsichern. Dabei steuern Touristen meist die Ferienresorts am Roten Meer an - und dort ist von den Unruhen zurzeit nichts zu spüren.

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Verwaiste Pyramiden von Gizeh: Das Geschäft mit den Touristen läuft mau

Hisham Zaazou wollte Kameras in seinem Land aufstellen: in Hurghada, Scharm el-Scheich und Luxor. Die Webcams sollten Live-Bilder von den friedlichen Orten Ägyptens auf Großbildschirme auf dem Ku'damm in Berlin übertragen. So wollte der Tourismusminister den Deutschen einen Urlaub an den Stränden des Roten Meeres schmackhaft machen.

Statt Aufnahmen aus Badeorten aber werden zurzeit solche von Tausenden wütenden Demonstranten und einer brennenden Parteizentrale auf deutschen TV-Bildschirmen gezeigt. Und der gemäßigte Politiker Zaazou, der erst ein Jahr im Amt war, ist wie vier andere ägyptische Minister von der Regierung von Mohammed Mursi zurückgetreten. Und wieder stellt sich die Frage, wie sehr die politische Instabilität potentielle Ägypten-Urlauber verunsichert - und wann sich der Tourismus des Landes nachhaltig erholen wird.

Nur wenige der deutschen Reisenden sind durch die zurzeit stattfindenden Proteste in ihren Plänen beeinträchtigt: Der Reisehinweis des Auswärtige Amtes (AA), den die Behörde am Dienstag erneut verschärft hat, zielt vor allem auf Kairo-Besucher. Darin rät das Amt von nicht dringenden Reisen in die Hauptstadt und nach Alexandria ab, Menschenansammlungen auch in anderen Großstädten sollten weiträumig umgangen werden.

Einige Reiseveranstalter haben daher ihre Ausflüge nach Kairo storniert. Die TUI hat die Hauptstadt bis einschließlich Freitag aus den Programmen genommen, sagt die Unternehmenssprecherin Kathrin Spichala. Und wer bei TUI einen reinen Hauptstadturlaub oder eine Nilkreuzfahrt gebucht hat, kann bis kommenden Montag kostenlos stornieren.

Zu heiß für einen Kairo-Urlaub

Über 95 Prozent der Ägypten-Urlauber jedoch, so sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV), verbringen die Ferien am Roten Meer. Dort - in den Resorts in Scharm el-Scheich oder Hurghada - gebe es zurzeit keine Proteste oder Einschränkungen wegen Benzinmangel. Das AA hat gegen Reisen in die Urlaubsgebiete am Roten Meer und die Touristenzentren in Oberägypten keine Bedenken, auch nicht im Transit über den Flughafen Kairo.

Das österreichische Außenministerium weist auf seiner Webseite darauf hin, dass die Touristenorte von Ausschreitungen zwar nicht betroffen seien. Einschränkungen der Infrastruktur könnten aber auch hier die Versorgungslage betreffen. Im ganzen Land gebe es Engpässe bei Diesel und Benzin. Aufgrund der derzeitigen Situation könne es zu Streiks kommen, die insbesondere den Reise- und Flugverkehr betreffen könnten.

In den ägyptischen Urlaubsorten ist zurzeit aber ohnehin keine Hochsaison - Deutsche fahren im Sommer eher ans Mittelmeer, sagt TUI-Sprecherin Spichala. Rund 5000 ihrer Gäste halten sich im Moment am Roten Meer auf. Bei dem größten deutschen Reiseveranstalter hatten die Buchungszahlen für die Sommersaison um sieben Prozent zugenommen. "Der Badetourismus in Ägypten erholt sich", sagt auch DRV-Sprecher Schäfer, "aber die Lage muss stabil bleiben."

Und die ist zurzeit noch schwer einzuschätzen. Die Bilder in den Medien könnten kurzzeitig eine Wirkung auf das Buchungsverhalten der Kunden haben, sagt Schäfer. Bei TUI gab es erste Nachfragen verunsicherter Ägypten-Urlauber. Doch die Wintersaison laufe laut Schäfer erst langsam an, die Kunden buchten meist erst nach ihrer Rückkehr aus dem Sommerurlaub. Und bis dahin kann sich die Lage wieder beruhigt haben, so die Hoffnung der Branche.

Leere Pyramiden, verwaiste Museen

Die Tendenz im ägyptischen Tourismus sah bisher relativ gut aus: Die Zahl der Besucher war 2012 wieder um knapp ein Fünftel auf 11,5 Millionen gestiegen, die der deutschen Urlauber im vergleichbaren Maße auf 1,2 Millionen. Würde es so weitergehen, sagen Experten, werden die Zahlen des Rekordjahrs 2010 im kommenden Jahr wieder erreicht. Allerdings auch dadurch, dass die Reisepreise gesenkt werden wie etwa zurzeit bei Alltours. Und auch nur, wenn der Machtkampf in Kairo nicht zu Gewaltausbrüchen im ganzen Land führt.

Vor Ort ist die Lage ohnehin noch mau - und nach wie vor bedrohlich für die rund vier Millionen Ägypter, die in der Branche arbeiten: Sehenswürdigkeiten wie die Pyramiden von Gizeh oder das Ägyptische Museum in Kairo sind nicht nur in diesen Tagen wenig besucht. Die Preise für die Hotels fallen in den Keller, die Häuser in Kairo sind zeitweise nur zu 15 Prozent gebucht. In den Ferienresorts liege die durchschnittliche Belegung bei 74 Prozent, sagte der zurückgetretene Tourismusminister Zaazou Anfang des Jahres der "taz", und in Luxor nur bei 17 Prozent.

Sind Sie in Ägypten unterwegs?
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1.
Werner655 02.07.2013
Als wenn es heute nicht um wichtigere Dinge gehen würde, lässt die Reisebranche Durchhalteparolen ab. Es soll ja Leute geben, die sich nicht im Geringsten darum scheren, wenn sich andere Leute (hier: die "Eingeborenen") ein paar Kilometer weiter weg gegenseitig die Schädel einschlagen. NTV/N24 würde noch nachfragen: Und wie reagiert die Börse?
2. Keine Einmischung mit Badelatschen
Frickel-Pit 02.07.2013
Zitat von sysopTausende Demonstranten, brennende Häuser: Die aktuellen Bilder könnten Urlauber, die eine Ägyptenreise planen, verunsichern. Dabei steuern Touristen meist die Ferienresorts am Roten Meer an - und dort ist von den Unruhen zurzeit nichts zu spüren. Drohender Militärputsch: Was Touristen in Ägypten erwartet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/drohender-militaerputsch-was-touristen-in-aegypten-erwartet-a-908924.html)
Klar wollen die Touristen ans Rote Meer. Eigentlich. Dazu landen sie üblicherweise in Hurghada, nicht in Kairo. Eigentlich. Das Geschrei wird groß sein, wenn die ersten toten und verletzten Touristen beklagt werden müssen. Und nein - die interessieren sich nicht für innerpolitische Konflikte. Was übrigens auch Politikern mit wohlfeilen Ratschlägen gut zu Gesicht stehen würde! Touristen wollen entspannen, bringen Geld ins Land und geben Einheimischen Arbeitsplätze. Sie müssen nicht noch am Wegesrand stehen und sich in Dinge einmischen, die sie nichts angehen.
3. Sehr bedenklich...
mabo08 02.07.2013
Es gibt keine Bedenken ein Land zu besuchen das von Bürgerkrieg und Militärputsch bedroht ist. Wie geht das denn?
4. So, so!
kalleschwansen 02.07.2013
[QUOTE] Dort - in den Resorts in Scharm el-Scheich oder Hurghada - gebe es zurzeit keine Proteste oder Einschränkungen wegen Benzinmangel. [UNQUOTE] Geht mal weiter südlich. Wollte heute an einer weiteren Quad-Bike Tour durch die Wüste teilnehmen und was ist: Kein Benzin! :-) Ansonsten: Alles Tutti hier am Roten Meer. Schöne Grüße aus dem Mövenpick Resort in El Quseir.
5.
XRay23 02.07.2013
Ich war seit 2009 oft er mal in Ägypten. Spritmangel gab es schon immer. Politische Unruhen gibt es nur in den Großstädten, selbst dort nur an den bekannten Plätzen. Die Kriminalität ist zwar landesweit gestiegen, aber wahrscheinlich noch weit unter dem Niveau von Deutschland, in welchem wir uns ja auch sicher fühlen.
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Was bedeuten die Hinweise des Auswärtigen Amtes?
Reisehinweise
Sie enthalten zum Beispiel Informationen über die Einreisebestimmungen, die medizinische Situation und straf- oder zollrechtliche Besonderheiten eines Landes. Solche Hinweise gibt das Auswärtige Amt für jedes Land.
Sicherheitshinweise
Solche Vermerke machen auf besondere Risiken für Reisende in einem Land und dort lebende Deutsche aufmerksam. Das betrifft zum Beispiel Gefahren durch Kriminalität oder Terrorismus. Das Auswärtige Amt kann wegen solcher Einschränkungen in einem abgestuften System von nicht unbedingt erforderlichen Reisen oder auch grundsätzlich von allen Reisen in ein bestimmtes Land abraten.

Reisewarnungen
Sie enthalten den "dringenden Appell", Reisen in ein Land oder in eine Region innerhalb des Landes zu unterlassen. Gewarnt wird dann, wenn "eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht", heißt es beim Auswärtigen Amt. Deutsche, die in dem betroffenen Land leben, werden dann zur Ausreise aufgefordert.

Haben die Hinweise rechtliche Bedeutung?
Die Hinweise des Auswärtigen Amtes seien teilweise undurchsichtig und nicht bindend, sagte Reiserechtler Ronald Schmid von den Technischen Universitäten Dresden und Darmstadt. Grundsätzlich müssten Veranstalter und Reisende auf der Grundlage seriöser Berichterstattung in den Medien im konkreten Einzelfall auch selbstständig prüfen, ob in der Urlaubsregion eine vorher nicht zu erwartende höhere Gewalt vorliegt.

Wird die Reise dadurch "erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt", können Urlauber den Vertrag laut Paragraf 651j des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kündigen.

Es könne sich im Einzelfall schon um höhere Gewalt handeln, wenn noch keine "echte" Reisewarnung vorliegt, sondern nur von Reisen abgeraten wird, so Schmid. "Denn der Hinweis, nicht notwendige Reisen zu unterlassen, ist wohl eher als eine abgeschwächte Reisewarnung zu bewerten", sagte der Experte.


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