Schlechte Ergebnisse E-Bike-Hersteller erheben massive Vorwürfe gegen Stiftung Warentest

Ein E-Bike-Test der Stiftung Warentest hat in der Branche für Empörung gesorgt. Drei Pedelecs wurden als "mangelhaft" beurteilt, jetzt wehren sich die Hersteller. Sie halten die Prüfverfahren für "katastrophal" und "fehlerhaft".


Köln - Mehrere führende Hersteller von Elektrofahrrädern wehren sich gegen negative Testberichte. Die drei Branchenführer Biketec, Bosch eBike Systems und Derby Cycle haben in einer gemeinsamen Erklärung in Köln massive Vorwürfe gegen die Stiftung Warentest und den ADAC wegen eines im Mai veröffentlichten Pedelec-Tests erhoben.

Der Test habe zu einer "Verunsicherung bei Verbrauchern" geführt und zugleich "existenzbedrohende Schäden in Millionenhöhe bei Fahrradherstellern und Händlern" verursacht. Nach Verbandsangaben sind in Deutschland bereits rund 1,4 Millionen E-Bikes und Pedelecs unterwegs.

Bei dem Test von Stiftung Warentest und ADAC hatten neun von 16 untersuchten Pedelecs nur die Note "mangelhaft" bekommen. Bei einigen Rädern kam es demnach zum Rahmen- oder Lenkerbruch. Zudem bemängelten die Tester damals, dass vier der Modelle den Funkverkehr von Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen stören können.

Die Hersteller sprachen von einem "katastrophalen" Testaufbau und einer "fehlerhaften" Interpretation der Testergebnisse. Die Ergebnisse konnten nach Aussage der Branchenführer in Tests mit Hilfe zertifizierter Prüfinstitute widerlegt werden. Auch habe die Stiftung Warentest in zwei Fällen ihre Aussagen über eine vermeintliche Störung von Funkdiensten inzwischen korrigiert.

Die Aussagen zu einem Rahmenbruch an einem der Modelle widersprächen zudem den jahrelangen Erfahrungen. "Wir hatten in den letzten zehn Jahren, in denen mehrere zehntausend Exemplare der C-Serie produziert wurden, noch nie Kenntnis von einem Rahmenbruch am Ausfallende", sagte Kurt Schär, Geschäftsführer des betroffenen Schweizer E-Bike-Spezialisten Biketec. Das Unternehmen hatte nach Veröffentlichung des Tests die Garantie auf die Rahmen auf zehn Jahre verlängert.

Stiftung Warentest weist Vorwürfe zurück

Auch der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) erhebt schwere Vorwürfe: "Jeder Test muss reproduzierbar und transparent sein", sagt der Geschäftsführer Siegfried Neuberger. Beide Kriterien seien nicht erfüllt worden, die Stiftung teste mit Prüfverfahren, die nicht europäischen Normen entsprächen. Die Hersteller bemängelten zudem, dass sie mit den Testern der Stiftung nicht zusammenarbeiten konnten, um deren Ergebnisse nachvollziehen zu können - das hätte die Überprüfung der Urteile unnötig erschwert.

Die Stiftung Warentest hat auf die Erklärung der drei Hersteller reagiert auf ihrer Webseite eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin weist sie die Vorwürfe im Detail zurück.

Biketec prüft nach eigenen Angaben Ansprüche auf Schadensersatz. Die Testergebnisse hätten einen Schaden in Millionenhöhe verursacht, "welcher unser Unternehmen existentiell gefährdet hat", erklärte Geschäftsführer Schär.

abl/AFP

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insgesamt 92 Beiträge
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marthaimschnee 28.10.2013
1.
Vielleicht hilft der Industrie ein anderes Bewertungssystem. Vielleicht eines, bei dem das Beste Modell grundsätzlich die Note "Top" bekommt und alle anderen relativ dazu beurteilt werden? So könnten Sie problemlos Schund produzieren, da der ja immer nur relativ zu anderem Schund sein wird. Wegwerfgesellschaft bedeutet, daß man die Gesellschaft irgendwann wegwerfen kann!
Ausfriedenau 28.10.2013
2. Dank an die Stiftung
Der Bericht zeigt, dass die Stiftung Warentest ihre tatsächlichen Ergebnisse veröffentlicht und nicht firmengeschönte , abgestimmte und frisierte Berichte erstellt wie viele andere, mit der Industrie verwobene Institute oder industrienahe Experten. Die Produktbewertungen der Stiftung Warentest sind für Käufer und Verbraucher eine der wichtigsten Hilfen für Kaufentscheidungen auf dem deutschen Markt.
smartphone 28.10.2013
3. lausig und überteuert
Die (Marken)industrie sollte sich vielleicht auch mal überlegen , ob das Preis-Leistungs Verhältnis stimmt . Es wird im Grunde völlig überteuertes Material angeboten . So ein eBike für >> 2000 Euro ist eigentlich nicht vermittelbar ......wie eigentlich etliche preisentwicklungen ums Fahrrad. Die wesentlichen Teile kommen eh aus China - sind also extrem billig udn werden bestenfalls hier zusammengebaut ... Dieser Preisvorteil MUSS auch an die Kunden weitergegeben werden.......... Eine Preisreduzierung um den Faktor 2...2,5 ist merh als angemessen .....
guteronkel 28.10.2013
4. optional
So ganz glaube ich der Stiftung Warentest schon lange nicht mehr. Allein das Beispiel Waschmaschinen, wo die Maschinen gewinnen, die möglichst wenig Wasser und Strom verbrauchen. Der Kunde wundert sich dann über nicht sauber gewordene Wäsche und unangenehmen Geruch. Stiftung Warentest hat schwer nachgelassen. Leider.
jautaealis 28.10.2013
5. Die Erfahrung aus einer dienstlichen Verwendung von eBikes ...
... bestätigt die Testergebnisse der Stiftung Warentest in voller Gänze! Diese Technologie und die sie einsetzenden Fahrgeräte sind gegenwärtig einfach noch weit davon entfernt, wirklich ausgereift zu sein – ihre Zulassung für den Straßenverkehr erscheint in so manchem Fall durchaus höchst fragwürdig...
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