Ökostrom an Bord Easyjet plant Brennstoffzelle für Flugzeuge

Mit Ökostrom über die Landebahn: Der britische Billigflieger Easyjet hat ein Konzept für einen umweltschonenden Antrieb seiner Flugzeuge am Boden vorgestellt. Zum Einsatz soll eine Wasserstoff-Brennstoffzelle kommen.

Der Hydrogen Cell Container enthält Brennstoffzelle und Batterien
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Der Hydrogen Cell Container enthält Brennstoffzelle und Batterien


Über sechs Millionen Kilometer im Jahr legen die Flugzeuge von Easyjet am Boden zurück. Beim Rollen über die Landebahnen fallen rund vier Prozent des gesamten Kerosinverbrauchs der Flotte an. Wie könnte das umweltfreundlicher - und billiger - gehen?

Die Ingenieure des britischen Billigfliegers wollen ein Konzept dazu schon in diesem Jahr als Prototyp testen: ein Zero Emission Hydrogen Fuel System, das um eine Wasserstoff-Brennstoffzelle herum aufgebaut sein würde. Die Brennstoffzelle an Bord produziert aus Wasserstoff und Sauerstoff Energie, die zunächst in Batterien gespeichert wird.

Außerdem soll über ein Energierückgewinnungssystem beim Bremsen auf der Landebahn kinetische in elektrische Energie umgewandelt und ebenfalls gespeichert werden - ähnlich wie bei dem unter dem Namen KERS bekannten System der Formel 1. Brennstoffzelle wie Batterie sollen als sogenannter Hydrogen Cell Container im Frachtraum untergebracht werden. Genug Platz hätte der Billigflieger dort ja - seine Kunden fliegen vorzugsweise mit Handgepäck.

Mit der gewonnenen Energie könnten unter anderem Elektromotoren in den Rädern angetrieben werden, was die Maschinen außerdem manövrierfähiger machen würde. Als Abfall aus der Brennstoffzelle würde lediglich klares Wasser anfallen, wie das Unternehmen mitteilt. Dieses aber könnte in das bordeigene Wassersystem geleitet und etwa für die Toilettenspülung und zum Händewaschen genutzt werden.

Energierückgewinnung: Bremsenergie lädt Batterien auf
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Energierückgewinnung: Bremsenergie lädt Batterien auf

Ein ähnliches Konzept haben Airbus und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits 2012 getestet. Das Forschungsflugzeug "A320 Atra" wurde mit Elektromotoren an den Bugrädern und einer Brennstoffzelle im hinteren Frachtraum ausgerüstet und rollte so angetrieben versuchsweise über den Hamburger Flughafen. Laut DLR könnten damit zum Beispiel am Frankfurter Flughafen bis zu 19 Prozent der Emissionen und fast 100 Prozent des Lärms beim Rollvorgang vermieden werden - würden alle Flugzeug dafür eine Brennstoffzelle nutzen.

Außerdem entwickelt das DLR auch Flugzeuge, die mit Brennstoffzellen-Energie in der Luft unterwegs sein können: 2009 hob der umgebaute Segelflieger "Antares DLR H2" in Hamburg zum Erstflug ab. In Stuttgart stellte das DLR im vergangenen November das viersitzige Flugzeug "HY4" mit zwei Rümpfen und Wasserstoff-Brennstoffzelle-Batterie-System vor. Im Sommer 2016 soll der Jungfernflug stattfinden.

Easyjet-Chefingenieur: "Ein langer Weg"

Easyjet setzt statt auf neu entwickelte Flugzeuge auf ein Brennstoffzellen-Batterie-Hybridsystem für den Boden und will anscheinend seine vorhandene Flotte umrüsten: 50.000 Tonnen an Treibstoff im Jahr und die damit verbundene CO2-Emission will die britische Airline mit den Hybrid-Flugzeugen einsparen. "Das Konzept ist sowohl eine Zukunftsvision als auch eine Herausforderung an unsere Partner und Zulieferer, neue Möglichkeiten der CO2-Reduzierung zu finden", sagt Easyjets Chefingenieur Ian Davies.

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Bis die gesamte Flotte mit Brennstoffzellen umgerüstet ist, sei es aber noch ein langer Weg, sagte Davies laut CNN. "Wir werden das Konzept drei bis fünf Jahre entwickeln und hoffen, dass wir dann die großen Flugzeugbauer überreden können, es in den folgenden 5 bis 15 Jahren umzusetzen." Ein erster Prototyp sei aber schon für dieses Jahr geplant.

Die Easyjet-Techniker haben sich von Studenten der Cranfield University in Bedfordshire inspirieren lassen. Diese hatten für einen Wettbewerb des Unternehmens Visionen entwickelt, wie die "Zukunft des Fliegens" im Jahr 2035 aussehen kann. Heraus kamen außerdem dynamische Flugzeugflügel, Karbonfasersitze mit eingebauten Smartphone-Ladegeräten und Außenbeschichtungen, die einer Haifischhaut nachempfunden sind.

abl

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
walter_e._kurtz 04.02.2016
1. ööhhmmm
Also mE müßten die zusätzlichen Komponenten (Brennstoffzelle, H-Tank, E-Motoren, Verkabelung, Steuerelektronik) leichter sein, als die am Boden "verblasenen" 4% Kraftstoff, damit sich die Nummer überhaupt erst rechnet. Weiterhin nehme ich auch mal an, daß die Hersteller schon längst etwas vergleichbares angeschubst hätten, denn letztendlich geht es beim Kampf Boeing vs. Airbus nur noch um die Treibstoff- und damit Kosteneffizienz. Mag es sein, daß dies der nette greenwashing-Versuch eines Billigfluganbieters ist?
walter_e._kurtz 04.02.2016
2. ööhhmmm
Also mE müßten die zusätzlichen Komponenten (Brennstoffzelle, H-Tank, E-Motoren, Akkus, Verkabelung, Steuerelektronik) leichter sein, als die am Boden "verblasenen" 4% Kraftstoff, damit sich die Nummer überhaupt erst rechnet. Die Tanks eines typischen easy-jet Jets (zB A320) fassen rd. 30.000l, da kommt nicht viel mehr "Luft" als eine Tonne für die zusätzlichen Systemkomponenten zusammen. Ambitioniert... Weiterhin nehme ich auch mal an, daß die Hersteller schon längst etwas Vergleichbares angeschubst hätten, denn letztendlich geht es beim Kampf Boeing vs. Airbus nur noch um die Treibstoff- und damit Kosteneffizienz. Mag es sein, daß dies der nette greenwashing-Versuch eines Billigfluganbieters ist?
cum infamia 04.02.2016
3. Verstehe, wer will !
Bei U-Booten und jetzt in Flugzeugen funktionieren die Brennstoffzellen. Bei Autos (außer Toyota) aber - warum- nicht ? Ist das etwa die Angst vor dem Verlust hoher Gewinne in den Konzernen bei Umrüstung ? Am Preis kann es ja nicht liegen, bei ca. 30.000 € für einen Akkusatz...
noalk 04.02.2016
4. Fragen über Fragen
Was ist denn alles in den 4% drin? Nur Rollsprit? Spritverbrauch zum Beschleunigen bis zum Abheben? Spritverbrauch während des Stehens am Terminal? Letzterer ließe sich durch stationäre Stromversorgung reduzieren.
teloudis 04.02.2016
5. Guter Werbe gack
Ich fliege viel Deutschland Griechenland. Ihre Flugzeuge, meistens A 319, haben nicht mal Module in Ihrem Frachtraum, wo man Tiere transportieren kann. Es wird gespart, und sogar bei der Bestellung der Flugzeuge. Und nun kommt sowas, und es passt, in diesem gesamten Kontext Sparen. Vorteil für die Passagiere null, das grässliche teuere Essen und Kaffee im Bord spricht Bände
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