Neues Online-Portal Easynest Die Mitschlafzentrale

Für Alleinreisende sind Hotelnächte oft teuer. Zu zweit dagegen lässt sich im Doppelzimmer viel Geld sparen, deshalb bringt das Online-Portal Easynest Menschen zusammen, die im gleichen Ort eine Unterkunft suchen. Für die Sicherheit der Nutzer wird dabei wenig getan.

Geld gespart: Wer zu zweit im Hotel übernachtet, zahlt weniger als allein
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Geld gespart: Wer zu zweit im Hotel übernachtet, zahlt weniger als allein

Von Stephan Orth


Teilen liegt im Trend: Auf Airbnb oder 9flats bieten Menschen einen Platz in ihrer Privatwohnung an, immer mehr Menschen nutzen Carsharing- oder Citybike-Angebote, Freiberufler mieten Büroarbeitsplätze zum Stundentarif.

Als "Share Economy" bezeichnete Harvard-Ökonom Martin Weitzman solche Geschäftsideen, und nun haben die Macher des US-Online-Portals Easynest eine Marktlücke entdeckt: Auf ihrer Plattform können Alleinreisende ihr Hotelzimmer zum Mitschlafen anbieten, um Geld zu sparen. Denn häufig zahlt man für ein Doppelzimmer einen festgelegten Preis, egal ob man es allein oder zu zweit nutzt.

Die Idee dazu kam Nicolas Reille, einem der Gründer von Easynest, auf eigenen Reisen. "Ich war oft in Situationen, in denen ich mich gefragt habe, warum ich so viel Geld für die Unterkunft ausgeben muss", sagt der 40-jährige Internetunternehmer. Auf Geschäftsreisen habe er es mehrfach erlebt, dass Hotels komplett ausgebucht waren - auch weil fast jeder Konferenzteilnehmer allein ein Doppelzimmer belegte.

Fünf-Sterne-Nacht mit Gast

Zusammen mit Partnern aus San Francisco stellte der Franzose Reille im Mai 2013 easynest.com online. Das Prinzip ist simpel: Mit einem Facebook-Account registriert man sich, dann kann man eine Suche nach Städten starten oder eine eigene Hotel-Übernachtung veröffentlichen. "Alleinreisende können sich so eine höherklassige Unterkunft leisten als sonst - und in einem Fünf-Sterne-Hotel ist dann auch der Service, der Pool und die Lage besser", sagt Reilly.

Außerdem gehe es ihm darum, Reisende zusammenzubringen. Denn wer allein unterwegs ist, fühlt sich gerade in Hotels oft einsam, weil die Möglichkeiten sozialer Interaktion begrenzt sind.

Der Gedanke, mit einem wildfremden Menschen ein Hotelzimmer zu teilen, ist jedoch trotzdem nicht jedermanns Sache - auch wenn es zum Easynest-Prinzip gehört, dass getrennte Betten vorhanden sein müssen. Unerwünschte Flirtversuche, Dauerredner und Schnarcher können die Freude über das gesparte Geld erheblich trüben.

Noch sind die Sicherheitsvorkehrungen auf der Seite rudimentär, auch kann man beispielsweise nicht einstellen, dass man nur nach Gastgebern des eigenen Geschlechts sucht. "Wir werden ein Rating-System einführen, bei dem sich Gastgeber und Gäste bewerten können", sagt Reilly. Er empfiehlt den Nutzern, sich sehr genau das Profil des anderen anzusehen und niemanden zu treffen, der keine Information von sich preisgibt. "Über Facebook, Twitter und Blogs ist es möglich, viel über jemanden zu erfahren, bevor man ihn trifft", sagt er. Wer vorher Nachrichten austauscht oder sich zum Skypen verabredet, hat später nicht das Gefühl, einen völlig Fremden zu treffen.

Noch ist das Angebot allerdings sehr begrenzt, da die Seite neu auf dem Markt ist und sich erst 2000 Mitglieder registriert haben. Für keine deutsche Großstadt ist bislang ein Hotelangebot zu finden, auch nicht für Paris, London oder Rom. "Wir sind noch ganz am Anfang", sagt Reille.

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
westfalen7 24.07.2013
1. Oh,ein neues System
get a Date to go
LH526 24.07.2013
2.
"Für die Sicherheit der Nutzer wird dabei wenig getan." Ist DAS die Aufgabe des Portals? Nein! Jeder Nutzer sollte selbst wissen, in welche Gefahr er sich begibt, mit wem er ein Zimmer teilt und wie die beiden vorher kommunizieren ...
testthewest 24.07.2013
3.
Zitat von LH526"Für die Sicherheit der Nutzer wird dabei wenig getan." Ist DAS die Aufgabe des Portals? Nein! Jeder Nutzer sollte selbst wissen, in welche Gefahr er sich begibt, mit wem er ein Zimmer teilt und wie die beiden vorher kommunizieren ...
Das dachte ich mir auch: Wie soll den ein Internetportal die "Sicherheit" garantieren können? Nen Wachmann dazwischenlegen? Die NSA nach einem Hintergrundscheck befragen? Wer echt meint die paar Euros sparen zu müssen (übrigens: Man kann auch einfach eine Jugendherberge besuchen, wenn man die Hotels sich nicht leisten kann - oder einfach zu Hause bleiben), der bekommt eben Risiko. Dann kann eben das Vielfache des gesparten Geldes mit dem Mitschläfer den Raum verlassen, oder man bekommt als Frau mal "indische Verhältnisse" gezeigt.
Gluehweintrinker 24.07.2013
4. Brauchen wir sowas?
Wer meint, sich mit einem wildfremden Menschen das Hotelzimmer teilen zu müssen, ist selbst schuld. Dann lieber einfacher und wenn ich will, mache ich die Tür zu und ich habe meine Ruhe. Wenn ich das schon höre: "Es fehlt an Interaktion". Toll. Da ist ja die "Interaktion" mit einer Nase, die einem vielleicht völlig unsympathisch ist, die beste Lösung. Ich stelle mir das gerade bildlich vor: die eine ist Messe-Hostess und arbeitet von 9 bis 18 Uhr, der andere ist Monteur und muss um 6 Uhr auf der Baustelle sein. Fröhliches Morgen-Idyll.
at@at 24.07.2013
5.
Das gibt es doch schon lange bei der Bahn - entweder Schlafwagen teuer einzeln nutzen oder ggf. erlauben, dass jemand gleichen Geschlechts(!) dazugelegt wird und deutlich weniger zahlen. Ist mir allerdings bei x Schlafwagenfahrten nur einmal passiert, dass ich das Abteil wirklich teilen musste, da es offensichtlich nicht viele andere alleinreisende Damen gibt, die einen halben Schlafwagen buchen wollen.
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