Eingeschneit in Hohentauern "Der Hund hat am meisten Spaß"

Hunderte Urlauber sitzen seit Tagen in der österreichischen Gemeinde Hohentauern fest. Darunter sind auch der Wiener Yaroslav Mochalin, seine Freunde und Border Collie Lino. Ein Anruf.

Yaroslav Mochalin

Ein Interview von


    Yaroslav Mochalin, 22, ist Student der Lebensmittel- und Biotechnologie und kommt aus Wien. Mit fünf Freunden sitzt er zurzeit in der österreichischen Gemeinde Hohentauern in der Steiermark fest.

SPIEGEL ONLINE: Herr Mochalin, wie ist das Wetter bei Ihnen?

Yaroslav Mochalin: Meistens stürmisch, gerade ist es etwas klarer draußen. Manchmal scheint sogar kurz die Sonne.

SPIEGEL ONLINE: Und die Stimmung? Immerhin sitzen Sie seit fünf Tagen in Hohentauern in der Steiermark fest.

Mochalin: Wir nehmen es mit Humor. Panik machen bringt ja nichts. Wir sind am vergangenen Donnerstag angereist und wollten Samstagabend wieder nach Hause, bevor nach den Feiertagen die Uni und die Arbeit wieder losgehen. Daraus wurde dann nichts.

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Anruf bei Urlaubern: Eingeschneit in Hohentauern

SPIEGEL ONLINE: Wo genau sind Sie gerade?

Mochalin: In einem Ferienhaus, etwa 2,5 Kilometer vom Ortskern entfernt. Mit dem Auto und Schneeketten schafft man es ins Dorf, aber weiter nicht. Alles ist dicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie vertreiben Sie sich die Zeit?

Mochalin: Wir schauen ziemlich viel Fernsehen, zum Beispiel gestern Abend "DSDS". Sonst lesen wir, spielen "Monopoly", "Mühle" oder "Mensch ärgere Dich nicht". Wir wollten uns sowieso entspannte Tage machen - ohne Skifahren. Wenn das Wetter ok ist, gehen wir mit dem Hund raus, der hat am meisten Spaß hier. Und wir schaufeln natürlich ganz viel Schnee.

SPIEGEL ONLINE: Was unternehmen Sie heute noch?

Mochalin: Heute wollten wir rodeln gehen. Die Pisten hier bei uns sind ziemlich sicher, wir sind in keinem Lawinengefahrgebiet. Und unsere eingeschneiten Nachbarn gehen auch ständig Skifahren.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie mit allem Wichtigen versorgt?

Mochalin: Ja. Wir haben Strom und warmes Wasser. Und es gibt ein Lebensmittelgeschäft im Dorf, wo wir uns Vorräte gekauft haben. Vor allem Reis und Nudeln, aber auch Tiefkühlgemüse und Fischstäbchen haben wir noch gekriegt. Und Knabberzeug und Schokolade. Der Laden wird momentan noch von den Bauern im Umfeld beliefert, hieß es. Aber es wird langsam knapp.

SPIEGEL ONLINE: Und was passiert dann?

Mochalin: In den nächsten Tagen soll wohl ein Versorgungsflug mit Lebensmitteln und Medikamenten von einem Militärstützpunkt in Aigen kommen. Von dort sollten mit Helikoptern vor ein paar Tagen auch Erkundungsflüge gemacht werden, aber die wurden abgebrochen, weil der Wind zu stark war.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist die Stimmung bei den Einheimischen?

Mochalin: Ziemlich gut, die Leute sehen die Situation gelassen, sind sehr nett und lustig drauf. Einige haben uns ihre Hilfe angeboten, als wir unten im Dorf waren, falls uns zum Beispiel die Lebensmittel ausgehen. Am Dienstag war die Freiwillige Feuerwehr mit etwa 20 Leuten da und hat den Schnee von den Dächern abgeräumt.

SPIEGEL ONLINE: Was verpassen Sie gerade zuhause?

Mochalin: Tatsächlich konnte einer von uns seine Informatikprüfung an der Uni nicht mitschreiben. Diejenigen von uns, die schon arbeiten, müssen sich Sonderurlaub nehmen. Ärger wird es für sie nicht geben, weil wir eine Bestätigung vom Gemeindeamt bekommen, dass wir eingeschneit waren. Ich kann bei meinen Laborübungen an der Uni nicht teilnehmen. Daher werde ich das Seminar wohl in einem Jahr nachholen müssen, weil ich zu viel verpasst habe, bis wir hier wieder raus sind.



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