Einigung im Sanierungsstreit Bahn will 1200 ICE-Achsen austauschen

Im Streit um die Sanierung der ICE-3-Flotte haben sich die Deutsche Bahn und die Hersteller geeinigt. 67 Züge erhalten neue Radsatzwellen - die allerdings müssen von Siemens und Bombardier erst noch entwickelt werden.

ICE 3: 67 Züge sollen neue Radsatzwellen bekommen
ddp

ICE 3: 67 Züge sollen neue Radsatzwellen bekommen


Berlin - Mehr als ein Jahr nach dem Entgleisen eines ICE in Köln plant die Bahn, die Antriebsachsen der gesamten ICE-3-Flotte auszutauschen. Insgesamt werden 1200 sogenannte Treibradsatzwellen benötigt, die die Industrie aber zunächst neu entwickeln muss. Darauf habe man sich mit den Herstellern Siemens und Bombardier geeinigt, teilte die Bahn am Montag mit. Insgesamt gehören 67 der rund 250 ICE-Züge zur dritten Baureihe, bei denen die Wellen ausgetauscht werden sollen.

Ursache des Unfalls am Kölner Hauptbahnhof am 9. Juli 2008 waren Risse in einer Radsatzwelle. Ein Gutachten der Staatsanwaltschaft ergab, dass es bei der Herstellung der Radsatzwelle zu Materialeinschlüssen gekommen sei, die zur Bildung des Risses geführt haben. Nach dem Unfall ordnete das Eisenbahn-Bundesamt die drastische Reduzierung der Prüfintervalle an, was zur Einschränkungen im Fernverkehr führte. Nach offiziellen Angaben ist der Bahn AG dadurch ein Schaden von bis zu 350 Millionen Euro entstanden.

Wann der Austausch der Achsen beginne, wurde am Montag nicht mitgeteilt. Sie müssen nach der Entwicklung aber noch erprobt und vom Eisenbahnbundesamt zugelassen werden. Bis zum Austausch kämen die ICE-3-Züge weiterhin fünf- bis zehnmal so häufig wie ursprünglich vorgesehen zur Überprüfung in die Werkstätten, hieß es. Bahnchef Rüdiger Grube sagte, für die Kunden ändere sich zunächst nichts. "Bahnfahren ist und bleibt sicher."

Zu den Kosten des Austauschprogramms vereinbarten Bahn und Hersteller Schweigen, ebenso zu der Frage, wer die Kosten trägt. Ein Bahnexperte bezifferte gegenüber der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires die Kosten für das gesamte Austauschprogramm auf einen Betrag im mittleren zweistelligen Millionen-Eurobereich. Er rechne damit, dass frühestens Mitte nächsten Jahres, möglicherweise auch erst Ende 2010 die neue Technik bereit für die EBA-Zulassung sein wird. Dann würden mehrere Monate Zulassungsdauer verstreichen. Vor 2011 würden demnach keine ICE-Züge mit den neuen Achsen fahren.

Nach Einschätzung von Bahnkreisen dürften zwei bis drei Jahre vergehen, bis alle der betroffenen ICE auf den neuen Achsen fahren. Zurzeit wird der Fahrplan zwar weitgehend eingehalten, aber manche Züge sind kürzer als geplant, und oft werden ICE-Züge durch die klassischen Intercity-Garnituren ersetzt, die langsamer fahren und teils weniger Komfort bieten.

abl/dpa/AP



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