Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

El Capitan in Kalifornien: Kletterer bezwingen legendäre Felswand

AP

Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson haben geschafft, was vor ihnen noch keinem gelungen ist: Sie erklommen ohne Hilfsmittel eine knapp tausend Meter hohe Felswand im Yosemite-Tal - eine wochenlange Qual.

San Francisco - 19 Tage hat die Tortur gedauert, nun ist es geschafft: Zwei Freeclimber haben im kalifornischen Yosemite-Tal eine knapp tausend Meter hohe Felssteilwand erstmals auf einer äußerst schwierigen Route bezwungen - eine Leistung, die viele für unmöglich gehalten haben. Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson erreichten am Mittwochnachmittag (Ortszeit) den Gipfel des riesigen Fels-Monolithen El Capitan.

Die beiden waren die Ersten, die die besonders schwierige "Dawn Wall"-Route auf der fast senkrechten Steilwand ohne Hilfsmittel hinaufkletterten. Die Route war 1970 von Warren Harding und Dean Caldwell erstbegangen worden - in 27 Tagen. Dabei hatten sie unzählige Haken in den Fels geschlagen und Seile befestigt.

In Bergsteigerkreisen zählt die Route zu den schwierigsten Kletteraufstiegen der Welt - wegen ihrer Länge und des kontinuierlich hohen Schwierigkeitsgrads. Der 36-jährige Caldwell und der 30-jährige Jorgeson kletterten frei im Fels, nur mit ihren Händen und Füßen, also ohne andere Hilfsgeräte. Ein Seil diente lediglich zur Absicherung bei Stürzen. Sie durften sich daran nicht hinaufziehen, auch nicht an Kletterhaken in der Wand.

"Ich werde Erfolg haben"

Auf dem Gipfel wurden Caldwell und Jorgeson von ihren Familien und Freunden jubelnd in Empfang genommen - die Spitze ist auf der Rückseite auch über einen Wanderweg zu erreichen. Die Extremtour des Duos hatte am 27. Dezember begonnen. Während des Aufstiegs berichteten die beiden via Twitter und Facebook über ihre Erlebnisse.

Fotostrecke

7  Bilder
El Capitan: Rekordkletterer erreichen den Gipfel
Die Nächte verbrachten Caldwell und Jorgeson in sogenannten Portaledges, in den Fels gehängten Pritschen. Ihre Finger schützten sie mit Tapes gegen den rauen Felsen, an scharfkantigen Stellen zogen sich die beiden häufiger blutige Wunden zu.

Zudem hatten sie mit Rückschlägen zu kämpfen: Jorgeson war in einem unteren Abschnitt stecken geblieben, kam erst nach elf Anläufen in sieben Tagen weiter. "So enttäuschend das auch ist, ich lerne ein neues Maß an Geduld, Ausdauer und Sehnsucht", schrieb er in dieser Zeit. "Ich gebe nicht auf. Ich werde es noch einmal versuchen. Ich werde Erfolg haben."

Es war nicht der erste Anlauf der beiden: 2010 mussten sie wegen zu heftiger Stürme aufgeben. 2011 brach sich Jorgeson bei einem Sturz in der Wand den Knöchel. In den folgenden Jahren verbrachten die zwei viel Zeit in der "Dawn Wall", um zu trainieren.

wit/dpa/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Fixseile
Gottloser 15.01.2015
Ist die Route mit Fixseilen gesichert? Auf Bild 7 hat man so das Gefühl, denn es zieht sich ein Seil durchs ganze Bild.
2. Sächsische Kletterschule
petz64 15.01.2015
Das, was hier so pointiert beschrieben wird, das Klettern ohne Hilfsmittel (Seile dienen nur der Sicherung gegen Stürze), ist für sächsische Felskletterer (und viele andere in D. und darüber hinaus) selbstverständlich, das ist in der Sächsischen Schweiz "erfunden" worden. Die meisten Aufstiege im Hochgebirge erfolgen nicht nach diesen strengen Regeln (Fixseile, Leitern etc.). Auf einer solchen Route verdient es höchsten Respekt !
3.
Oberleerer 15.01.2015
Wie erledigen die ihre kleinen und großen Geschäfte, wenn die einen Monat an der Wand hängen?
4.
l.augenstein 15.01.2015
Der El Capitan ist schon tausende Mal bestiegen worden, auf schweren und schwierigsten Routen. Warum diese Besteigung nun Klettergeschichte schreiben soll, erschließt sich mir nicht.
5. Ich finde
eisbaerchen 15.01.2015
es sehr bedauerlich, diesen majestätischen und prominenten Felsen bei der Einfahrt ins Valley permanent mit Kletterern "verschmutzt" zu sehen. Warum lässt man den "Capitan" nicht in Ruhe? Sein Ego befriedigen können die Bergsteiger auch woanders, in weniger prominenten Bergen. Nicht alles was möglich ist muss man auch machen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH