Neue E-Bikes Akku versteckt, GPS getrackt

Mountainbike, stylisches Retrorad oder smartes Gefährt: E-Bike-Hersteller überzeugen mit Design und Zusatzfunktionen. Ein Modell aus Holland bietet sogar GPS-Tracking an, um Diebe zu überführen.

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SPIEGEL ONLINE

Das boomende Geschäft lockt immer mehr Neuanbieter auf den Markt für E-Bikes. Smart verkauft sein Modell inzwischen über Tchibo, Ikea startet gerade den Verkauf seines Elektrorades in Österreich.

Für Kunden ist die Dynamik zwar verwirrend, sie hat aber auch Vorzüge. Denn ein neuer Anbieter kann mit einem schnell zusammengeschraubten Bike im Reha-Look kaum noch überzeugen. Wer sich auf dem Markt etablieren will, braucht etwas Besonderes - etwa gutes Design oder ein pfiffiges technisches Konzept.

Ein Beispiel dafür ist das Modell Electrified, das erste Pedelec des holländischen Herstellers Vanmoof. Das Unternehmen baute bisher Räder mit einer ungewöhnlichen Rahmengeometrie. Im Oberrohr, das über Sitz- und Steuerrohr hinausragt, stecken das Vorder- und das Rücklicht. Beim Modell Vanmoof 5 lässt sich sogar ein schweres Kettenschloss im Rahmen verstauen.

An seinem klaren Designkonzept hält der Hersteller auch beim Electrified fest. Auf den ersten Blick ist es nicht als E-Bike zu erkennen. Der Rahmen sieht genauso aus wie bei einem Vanmoof-Rad ohne elektrischen Antrieb. Nur wer genau hinschaut, erkennt in der etwas wuchtigeren Nabe im Vorderrad den Motor.

Der Akku steckt im Oberrohr. Ein Konzept, das man leider nur bei wenigen Herstellern sieht. Zuletzt hatte die kleine Heidelberger Fahrradschmiede Coboc einen sportlichen Stadtflitzer vorgestellt, bei dem der Akku im etwas dickeren Unterrohr untergebracht ist. Für diesen Entwurf bekam die Firma 2013 den begehrten Eurobike-Award in Gold.

Entspannt ans Ziel kommen

Bei einer Testfahrt entpuppt sich das Vanmoof als zurückhaltendes E-Bike. Während mancher Hersteller Kunden vor allem mit einer rasanten Beschleunigung beeindrucken will, schiebt der Motor beim Elecrified auch in der hohen von zwei Unterstützungsstufen nur dezent mit. Es geht nicht darum, der Schnellste an der Kreuzung zu sein, sondern entspannter ans Ziel zu kommen - etwa wenn einem heftiger Gegenwind ins Gesicht bläst.

Bemängeln muss man die Zweigangschaltung Automatix von Sram, die bei Erreichen einer Geschwindigkeit von etwa 20 km/h von allein hochschaltet. Das ist mitunter ärgerlich - zum Beispiel wenn man am Beginn eines Anstiegs kräftiger in die Pedale tritt und prompt den schweren Gang eingelegt bekommt.

Ein Highlight ist das integrierte GPS-Tracking. Das Electrified funkt im Abstand weniger Minuten immer wieder seine aktuelle Position über ein integriertes GSM-Modul. Auf einer Website kann man die aktuelle Position beziehungsweise die Position, wo das Rad zuletzt GPS-Empfang hatte, abrufen. Eine clevere Maßnahme gegen Diebe. Und das Tracking funktioniert tatsächlich sehr gut - übrigens auch dann, wenn der Motor wegen geringem Akku-Ladezustand längst abgeschaltet hat.

Vanmoof feiert sein Elektrorad für 2250 Euro als "das erste intelligente Bike für Pendler" - aber das Konzept eines smarten Fahrrads ist natürlich nicht neu.

Den ersten überzeugenden Ansatz lieferte das Copenhagen Wheel, ein vom MIT konzipierter E-Bike-Nachrüstsatz, bei dem Motor und Akku in der Hinterradnabe stecken. Die Schweizer Firma MTB Cycletech versuchte die Idee unter dem Namen Greenwheel zu vermarkten, kam jedoch über ein paar Prototypen nicht hinaus.

Das Rad sollte unter anderem über ein elektronisches Schloss verfügen, das via Smartphone-App aktiviert wird und das Hinterrad quasi magnetisch blockiert. Kaufen kann man den E-Bike-Nachrüstsatz bei der US-Firma Superpedestrian, allerdings ohne die Funktion eines elektronischen Schlosses.

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Per App entriegelbare Schlösser

Die naheliegende Idee, Smartphone und Fahrrad miteinander zu verkoppeln, verfolgen immer mehr Anbieter. Superpedestrian steuert sämtliche Motorfunktion über eine App. Vanmoof arbeitet an einer App für sein Modell Electrified, die neben dem Tracking womöglich auch ein fernbedienbares Schloss enthalten soll. Der Besitzer kann sein angeschlossenes Rad dann via App einem Freund aufschließen, ohne in der Nähe des Rades zu sein.

Auch diese Idee ist nicht neu. Ein Londoner Start-up hat im Dezember damit auf Kickstarter 60.000 Pfund eingesammelt. Mitte 2014 soll Lock8 auf den Markt kommen. Das Schloss, das an ein beliebiges Rad montiert werden kann, ist per App entriegelbar und bietet wie das Vanmoof-E-Bike ein GPS-Tracking, um es im Fall eines Diebstahls wiederfinden zu können.

Ein smartes Fahrrad muss übrigens nicht zwingend ein E-Bike sein. Auch ein normales Rad lässt sich mit einem kleinen Akku und einem Mini-Computer aufrüsten, um beispielsweise permanent Fahrdaten oder seine Position zu erfassen. Um das nervige Aufladen braucht sich der Besitzer dabei in der Regel nicht mal zu kümmern - das übernimmt der Nabendynamo.

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insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
susiwolf 30.05.2014
1. Schweissen, schwitzen und ... die Dolchspitze !
Wie schrecklich: Im Bild 5 'gut erkennbar' ... Aluminium-Schweissnähte 'at best quality' ... ? D-a-s üben wir aber noch ein bisschen ! Und: Ein 'bike' im Schlankheitsgewichtsmodus von geschriebenen 19 (neunzehn) Kilogramm als relativ 'light' darzustellen ... m u t i g das. Brutale (Leicht-)Gewichtsenthusiasten unter den 'mountain-bikern' rechnen sich -was die Teile angeht- dumm und dämlich mit der Küchenwaage in Grammbereichen. Aber Letzteres war ja nicht das Thema ... Abschliessend: Ich nehme mein 8,999 kg 'mountain bike' überall mit hin, und wehe jemand anderes wirft nur einen Blick drauf ... er/sie wird durch meine 'feed-back-eyes' wie auf einer Dolchspitze tanzen.
ctwalt 30.05.2014
2. Dumm
ready to ship in 10. August ......... Das bedeutet, dass das Rad frühestens am 20. August bei mir wäre. Seehr schlau, ein Fahrrad am Sommerende zu launchen :-(
spon-facebook-10000294691 30.05.2014
3. Üben, üben...
Die Schweißnaht sieht aus, als hätte da jemand seine ersten Versuche gemacht - gruselig. Den Akku nicht mal eben wechseln zu können ist für ein E-Bike in der Praxis ein riesiger Nachteil - warum das "leider" andere nicht machen: weil ich lieber nur den Akku zur Steckdose schleppe, als gleich das ganze Rad. Und bei der Beleuchtung hat offensichtlich niemand den Anspruch, dass man mit dem Lämpchen auch etwas sieht oder das gar ne STVO Zulassung dran ist. Über die Nachteile des Motors im Vorderrad muss man eh keine Worte mehr verlieren. Die Schaltung ist Murks und der Motor schiebt kaum - aber sonst... netter Witz!
schnuffschnuff 30.05.2014
4.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEMountainbike, stylisches Retrorad oder smartes Gefährt: E-Bike-Hersteller überzeugen mit Design und Zusatzfunktionen. Ein Modell aus Holland bietet sogar GPS-Tracking an, um Diebe zu überführen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/electrified-von-vanmoof-e-bike-mit-gps-tracking-a-972234.html
Was ist das denn für ein grottenhässliches Teil? Wenn ich schon die Schweißnähte sehe, kann ich mich nur mit Grausen abwenden. Dürfen da schon die Lehrlinge schweißen? Und dann noch 2250€ für diese Augenkrebs verursachende Zumutung verlangen. Da ist das sog. Bike wohl tatsächlich intelligenter als der Käufer.
bumminrum 30.05.2014
5. Design
ist sicher wichtig, noch wichtiger ist jedoch Funktion. Wer den Aku im Rahmen intrgriert hat da ein mehrfaches Problem. Bei niedrigen Temperaturen kann der Aku nicht entfernt werden. Das bedeutet im Winter einen massiven Reichweitenverlust. Hinzu kommt bei längerer Nichtbenutzung das Abweichen von der optimalen Lagertemperatur von ca. 17 Grad, das erhöhte Diebstahlrisiko sowie die erforderliche Verfügbarkeit eines Stromanschlusses am Fahrradständer zum Aku-Laden. Ich bin bisher knapp 3.500 km E-Bike gefahren - diese hier vorgestellte Lösung ist Murks!!!
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