Gemeinsame Flugverbindungen Emirates und Easyjet wollen miteinander fliegen

Ein Ticket, ein weltumspannendes Netz, kein Ärger: die arabische Fluggesellschaft und der britische Billigflieger wollen künftig kooperieren - und der Konkurrenz Passagiere abspenstig machen.

Emirates und Easyjet am Flughafen Zürich (Archivbild)
imago/ Arnulf Hettrich

Emirates und Easyjet am Flughafen Zürich (Archivbild)

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Die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai und der britische Billigflieger Easyjet wollen künftig gemeinsame Flugverbindungen anbieten. "Wir wollen Passagieren die Möglichkeit geben, mit einer Kombination von Emirates und Easyjet zwischen Europa und Dubai zu fliegen", sagte Thierry Antinori, der Chief Commercial Officer von Emirates, am Montag in Hamburg. Demnach soll Easyjet innereuropäische Zubringerflüge zu von Emirates angeflogenen Flughäfen übernehmen. "Ich hoffe, wir einigen uns noch im Laufe dieses Jahres", sagte Antinori.

Mit dem Kooperationsabkommen wollen Emirates und Easyjet neue Kundschaft erschließen - und Wettbewerbern wie der Lufthansa die Passagiere abspenstig machen. Emirates etwa darf in Deutschland laut Luftverkehrsabkommen nur vier Flughäfen anfliegen: zurzeit sind das Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg.

Seit Jahren kämpft die nach Passagierkilometern viertgrößte Fluglinie der Welt darum, auch Berlin und Stuttgart ansteuern zu dürfen - bislang vergebens, auch wegen des Widerstandes der Lufthansa. Dadurch ist es unattraktiv für Berliner oder Stuttgarter, überhaupt mit Emirates zu reisen. Künftig aber könnten Passagiere mit Easyjet von Berlin nach München oder Frankfurt fliegen - und dort in einen Emirates-Flieger umsteigen. Auf einem gemeinsamen Ticket.

Nicht neu, aber einfacher

Theoretisch ist diese Kombination jetzt schon möglich - allerdings mit separaten Buchungen. So müssten Passagiere heute zuerst in Tegel bei Easyjet einchecken, ihre Koffer dann in München vom Band holen, sich dort nochmals bei Emirates in die Schlange stellen und schließlich durch die Sicherheitskontrolle quälen. Landet die Easyjet-Maschine zu spät in München für den Anschlussflieger nach Dubai, haben sie Pech. Emirates übernimmt dann keine Verantwortung. Viele Flugbuchungssysteme zeigen solche Kombinationen daher gar nicht erst an.

Die beiden Airlines arbeiten daran, derlei Verbindungen künftig gemeinsam anzubieten und es den Passagieren leicht zu machen. "Das Produkt soll einfach zu buchen sein", sagte Antinori. Kein Kunde werde am Umsteigeflughafen Koffer tragen müssen. Und es werde "klare Regelungen geben, wer zuständig ist, wenn es Probleme gibt". Am Flughafen London-Gatwick testen Emirates und Easyjet bereits ihre Zusammenarbeit; bislang aber müssen die Passagiere dort noch immer ihre Koffer umpacken und abermals durch die Sicherheitskontrolle.

Für Emirates würde die Zusammenarbeit mit Easyjet de facto eine erhebliche Ausweitung ihres Einzugsgebietes bedeuten. Die Araber steuern zurzeit etwa 40 Flughäfen in Europa an, Easyjet hingegen 130. Für Easyjet ist die Zusammenarbeit ebenfalls attraktiv: die Briten könnten ihre Jets durch den Zubringerverkehr noch besser auslasten. Und ihrerseits mehr Interkontinentalverbindungen anbieten.

Ein Deal zwischen Emirates und Easyjet wäre nicht der erste seiner Art. Der irische Billigflieger Ryanair übernimmt seit einiger Zeit Zubringerflüge für die spanische Air Europa. Und der deutsche Low-Cost-Carrier Eurowings fliegt unter anderem für South African Airways und Singapore Airlines.



insgesamt 5 Beiträge
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meerwind7 29.10.2018
1. Wer will schon nach Dubai?
Sinnvoller wäre es, Easyjet würde selbst nach Dubai fliegen, und dort gäbe es Anschlüsse ins südöstliche Asien. Solche Verbindungen wird es dann offenbar nicht geben, Easyjet muss sicherlich einen Konkurrenzausschluss zusichern. Für den Klimaschutz ist zudem jede Vereinbarung für einfacherers Fliegen - und zumal mit mehreren Umsteigestops - nachteilig.
meerwind7 29.10.2018
2. Umsteigen in Frankfurt oder München nicht sinnvoll
Was soll der Unsinn, von Berlin nach Frankfurt oder München zu fliegen, um dort einen weitern Flieger nach Dubai zu betreten? Geografisch wäre ein Umsteigen in einem der vier türkischen Flughäfen, die EasyJet von Berlin aus ansteuert, oder auf Zypern viel sinnvoller. Das liegt etwa auf der halben Strecke. so dass nicht so viel Treibstoff getankt und herumtransportiert werden muss. Zum Frankfurter Flughafen kommt man andererseits auch mit der Bahn recht flott, dann wäre es ein Direktflug. Dem Unsinn, das Direktflüge manchmal teurer sind als Umsteigeflüge mit demselben Flug als Teilstrecke, sollte die Gesetzgebung allerdings einen Riegel vorschieben.
k70-ingo 29.10.2018
3.
Es würde mir sehr stinken, einen Flug mit der Premium-Airline Emirates zu buchen, mich womöglich darauf zu freuen - und dann in einen Easy Jet-Billigbomber auf diese kleinen Stühlchen gestopft zu werden.
spon-facebook-10000015195 30.10.2018
4. So ging es bei AirBerlin damals auch los...
Ich sehe da Parallelen - Emirates und AirBerlin begannen auch so unter dem Label One World. Irgendwann kam dann die Übernahme und als AirBerlin nicht mehr rentabel war, drehten die Scheichs den Geldhahn zu. Easyjet sollte aufpassen, dass sie sich nicht in die Abhängigkeit begeben und irgendwann ein ähnliches Schicksal ereilt.
querulant_99 30.10.2018
5.
Zitat von k70-ingoEs würde mir sehr stinken, einen Flug mit der Premium-Airline Emirates zu buchen, mich womöglich darauf zu freuen - und dann in einen Easy Jet-Billigbomber auf diese kleinen Stühlchen gestopft zu werden.
Es geht ja nur um die ersten oder letzten Meilen eines längeren Fluges. Für keine Airline lohnt es sich ein weltweites Steckennnetz zu bedienen und jeden Wald- und Wiesenflugplatz mit maximalem Komfort nonstop anzufliegen.
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