Emissionshandel im Luftverkehr: "Fliegen muss teurer werden"

Die EU-Kommission will den Emissionshandel auf den Luftverkehr ausweiten - und ist sich der vollen Unterstützung der Bundesregierung sicher. Die Fluggesellschaften sind wenig begeistert, doch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung begrüßt die Pläne.

Berlin/Frankfurt - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert höhere Flugpreise im Interesse des Klimaschutzes. "Fliegen muss teurer werden, Bahnfahren damit finanziell attraktiver", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert in Berlin. Damit unterstützt das Institut die Pläne von Bundesregierung und EU-Kommission, den Flugverkehr in den Emissionshandel - den Handel mit CO2-Zertifikaten - einzubeziehen.

Flugzeug in der Frankfurter Abendsonne: Überbordene CO2-Emissionen sollen bald extra kosten.
DPA

Flugzeug in der Frankfurter Abendsonne: Überbordene CO2-Emissionen sollen bald extra kosten.

"Da es bereits den Europäischen Emissionshandel (für Kraftwerke und energieintensive Industrie) gibt, ist es richtig, diesen auszuweiten", statt eine Kerosinsteuer einzuführen. Kemfert widersprach damit einer zentralen Forderung der Grünen, die die Flugbenzinsteuer am Wochenende in ihrem CO2- Abbauprogramm beschlossen hatten.

Die Fluggesellschaften reagierten unterschiedlich auf die geplanten Maßnahmen der EU-Kommission. Die British Airways unterstützt das Vorhaben, die Deutsche Lufthansa lehnt den Emissionshandel zwar nicht kategorisch ab, bezweifelt aber dessen effektiven Nutzen. "Es gibt aus unserer Sicht sehr viel wirksamere Möglichkeiten für mehr Klimaschutz, an erster Stelle einen einheitlichen europäischen Luftraum", sagte Sprecher Stefan Schaffrath.

Dieser hätte kürzere Flugzeiten, weniger Verspätungen und weniger Warteschleifen zur Folge und ein Einsparpotential von bis zu zwölf Prozent der Kohlendioxid-Emissionen. Entscheidend sei auch, dass alle Fluggesellschaften in sparsame Maschinen investierten. Lufthansa gibt den Durchschnittsverbrauch ihrer Flotte derzeit pro Passagier mit 4,4 Liter auf 100 Kilometern an, ein gutes Drittel weniger als 1970.

Air Berlin, nach Lufthansa die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, hält Maßnahmen zum Klimaschutz zwar für richtig, fordert aber aus Wettbewerbsgründen eine weltweite Regelung des CO2-Ausstoßes. "Es darf hier nicht um eine weitere Möglichkeit der Finanzminister zum Abkassieren gehen. Wir brauchen eine weltweite Regelung, ansonsten gäbe es Nachteile für die Europäer", sagte Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel.

Luftfahrtverband: "Maßnahmen zu unausgegoren"

Der Luftfahrtverband Barig in Frankfurt monierte, die Pläne von EU und Bund seien zu unausgegoren. Welche zusätzlichen Kosten auf Fluggäste zukommen könnten, sei noch völlig unklar. Die Schätzungen reichten von unter 10 bis zu 40 Euro zusätzlich für einen Langstreckenflug - abhängig davon, welche Kohlendioxidmenge als Ausgangsbasis festgelegt wird. Auch aus Sicht der Fluggesellschaften gebe es "noch viele Fragezeichen". Eine rein europäische Lösung hätte für das Klima zudem nur einen kleinen Effekt", so Barig-Generalsekretär Martin Gaebges. Sein Verband vertritt den Großteil der Deutschland anfliegenden Airlines.

Die Bundesregierung will nach den Worten von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee die Fluggesellschaften in den sogenannten Emissionshandel für das Klima schädigende Treibhausgas Kohlendioxid einbeziehen. Fluggesellschaften müssen dann bei einem höheren Ausstoß als vorgegeben entsprechende Zertifikate zukaufen. Auch Fluggesellschaften aus Staaten außerhalb der EU sollen Tiefensee zufolge die Klimaschutzvorgaben erfüllen müssen, wenn sie Ziele in der EU anfliegen. Deutschland wolle während seiner EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 eine Grundsatzeinigung für den Luftverkehr erzielen, sagte Tiefensee dem "Handelsblatt".

Nach Aussage der DIW-Expertin Kemfert "bestehen gute Chancen, dass Deutschland in der Zeit der EU-Präsidentschaft diesen Vorschlag auch in die Tat umsetzen kann. Zwar machen die Flugzeug-Emissionen weltweit nur drei Prozent des CO2-Ausstoßes aus, Prognosen zufolge wird sich dieser Beitrag bis 2020 jedoch verdoppeln." Richtiger wäre, den Emissionshandel gleich weltweit einzuführen, da es sich um einen globalen Markt handele und Europäische Airlines sonst Wettbewerbsnachteile hätten, sagte Kemfert. Das Emissionshandelssystem müsse umfassend für Interkontinentalflüge, innereuropäische und inländische Flüge gelten.

Nach Berechnungen der Vereinten Nationen sind Fluggesellschaften weltweit mit 3,5 Prozent am sogenannten Treibhauseffekt beteiligt, der von Wissenschaftlern für die Erwärmung der Erdatmosphäre und den Klimawandel verantwortlich gemacht wird. Rund ein Viertel davon fällt im europäischen Luftverkehr an.

ssu/rtr/dpa

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