Engpass durch Inspektion ICE-Züge bis Ende nächster Woche überfüllt

Die Bahn im Inspektionsstress: Auf Anweisung des Eisenbahnbundesamts werden täglich sechs ICE-Züge aus dem Verkehr gezogen. Passagiere müssen mit Einschränkungen rechnen. Besonders betroffen sind die Strecken von Köln gen Süden und zwischen Hamburg, Berlin und München.


Berlin/Frankfurt/Main - Bundesweit müssen Reisende im ICE-Verkehr der Deutschen Bahn noch bis Ende nächster Woche mit überfüllten Zügen rechnen. Bis dahin sollen in einer konzentrierten Aktion die Radsatzwellen der ICE-Flotte überprüft werden, wie der Konzern am Donnerstag in Berlin mitteilte. Dies werde in Spitzenzeiten zur Verknappung von Zügen und damit zu Einbußen im Komfort für die Fahrgäste führen. "Wir können nicht mehr in allen Fällen einen Sitzplatz garantieren", sagte der für den Personenverkehr zuständige Vorstand Karl-Friedrich Rausch in Frankfurt am Main.

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Betroffen sind vor allem die Strecken Köln-Frankfurt-Basel/München und Hamburg-Berlin-Leipzig-München, wie die Bahn mitteilte. Auf ihnen verkehren etwa bis Ende nächster Woche statt der üblichen Doppeltraktion mit zwei Zugeinheiten nur noch einfache Garnituren.

Auf der Berlin-München-Strecke starteten und endeten zurzeit die meisten Hochgeschwindigkeitszüge in Leipzig, sagte ein Sprecher. Zwischen Dresden und Leipzig würden Intercitys als Ersatzzüge eingesetzt. Die Fahrgäste müssten dann umsteigen. Fahrgäste, die in einem Zug den von ihnen reservierten Sitzplatz nicht vorfinden, erhalten die Reservierungsgebühr zurück, wie Rausch versicherte.

Anriss im ICE-T-Zug entdeckt

Hintergrund ist eine Auflage des Eisenbahnbundesamts, wonach die Wartungsintervalle, innerhalb derer die Radsätze per Ultraschall untersucht werden, von 60.000 auf 30.000 Kilometer verringert wurden. Sie steht im Zusammenhang mit dem Unfall am 9. Juli in Köln, als ein ICE 3 wegen einer defekten Radsatzwelle aus den Schienen gesprungen war. Personen waren nicht zu Schaden gekommen. Daraufhin rief die Bahn fast alle Züge der Baureihe zur Überprüfung in die Werkstätten. Es kam zu zahlreichen Zugausfällen, von denen Zehntausende Bahnkunden betroffen waren.

Eine eindeutige Ursache konnte nach Angaben der Bahn bislang von externen unabhängigen Sachverständigen nicht gefunden werden. Bei ICE-3-Zügen seien bislang keine Risse oder Schäden an den Wellen gefunden worden. Allerdings könnte nach einem Zwischenbericht der Bundesanstalt für Materialforschung ein Herstellungsfehler für den Achsbruch verantwortlich sein. "Wir erwarten, dass wir irgendwann eine genaue Ursache haben", sagte Rausch.

Neben den 67 ICE-3-Zügen würden auch 67 sogenannte ICE-T-Züge untersucht, da hier während einer Routineuntersuchung an einer Welle ein "Anriss von zwei Millimetern Tiefe" festgestellt worden sei. Dies sei der erste Befund an einem der ICE-Züge mit Neigetechnik.

Wegen der verstärkten Kontrollen, die rund um die Uhr im Dreischichtsystem durchgeführt werden, würden die Prüfkapazitäten erweitert und 50 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Täglich würden sechs Züge für die Prüfungen aus dem Betrieb genommen. Die verkürzten Intervalle bedeuten, dass jeder Zug alle 20 Tage untersucht werden muss und für 16 Stunden ausfällt. Der Aufwand lässt sich laut Rausch noch nicht beziffern. Der "eingeschwungene" Zustand werde erst Ende des Jahres hergestellt sein, sagte Rausch.

abl/ddp/dpa/AP



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