Entgleister ICE Bahn soll Untersuchung nach Kölner Unglück verzögert haben

Die Deutsche Bahn hat sich nach dem Entgleisen des ICE in Köln offenbar zunächst geweigert, alle baugleichen Züge auf Mängel überprüfen zu lassen. Selbst das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat die Bahn nach Informationen des SPIEGEL zunächst nicht dazu bewegen können.


Nachdem auch das Eisenbahn-Bundesamt die Bahn nicht zu dem aufwendigen Sicherheitscheck habe bewegen können, sei Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee aktiv geworden. Er habe Spitzenbeamte aus seinem Haus aufgefordert, das Bahn-Management zum Einlenken zu bewegen. Doch auch nach dem Gespräch seien die zuständigen Bahn-Vertreter nur "halb einsichtig" gewesen, berichten Bahn-Insider.

Entgleister ICE im Kölner Hauptbahnhof: Rätselhafter Achsbruch
DDP

Entgleister ICE im Kölner Hauptbahnhof: Rätselhafter Achsbruch

Erst am vorvergangenen Freitag, nach einer schriftlichen Aufforderung des EBA und mehr als 40 Stunden nach dem Unfall, sei dann die Entscheidung erfolgt, wirklich alle Züge untersuchen zu lassen.

Im Bahn-Tower wird der Sachverhalt dagegen so dargestellt: "Wir haben gemeinsam intensiv mit dem EBA debattiert und eine einvernehmliche Lösung gefunden, die dann auch umgehend umgesetzt wurde."
Ursache des Unglücks weiter unklar

Unterdessen geht die Suche nach der Ursache für den Achsbruch weiter. Experten halten einen Materialfehler für weitgehend ausgeschlossen. "Alles spricht für eine äußere Beschädigung der Radsatzwelle, etwa durch lose Metallteile des Bahnunterbodens oder Gegenstände auf dem Gleis", sagt der Dresdner Professor Günter Löffler. "Das würde auch erklären, warum Reisende schon vor dem Unfall auf der Strecke zwischen Frankfurt und Köln Geräusche gehört haben." Die Welle selbst sei erst beim Anfahren des Zuges gebrochen, weil dabei die höchste Belastung auftrete, vermutet er. Auch Ingenieure der Deutschen Bahn halten diese Erklärung für wahrscheinlich. Bei den regelmäßigen Inspektionen sei bislang "keine Rissbildung" an der Achse festgestellt worden, heißt es aus dem Unternehmen.



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