Wegen beschädigtem Flugzeugreifen Airline muss Passagier für Verspätung entschädigen

Wenn sich ein Flug deutlich verspätet, weil der Reifen der Maschine beschädigt ist, kann sich die Fluggesellschaft nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen.

Warten auf den Flieger (Symbolbild)
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Warten auf den Flieger (Symbolbild)


Weil ein Flugzeugreifen beschädigt war, ist ein Passagier aus Hannover erst mit 18-stündiger Verspätung auf Teneriffa gelandet. Mit der Frage, ob ihm eine Entschädigung zusteht, musste sich das Amtsgericht Hannover beschäftigen - und gab dem Kläger recht. Die Fluggesellschaft kann sich nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen, so das Urteil (Az.: 462 C 2065/17).

Die Airline argumentierte, auf der Startbahn liegende Objekte seien nicht beherrschbar und die Beseitigung der Fremdkörper sei Aufgabe des Flughafenbetreibers. Diese Auffassung teilte das Gericht nicht. Es lasse sich nicht feststellen, ob der Fremdkörper auf der Start- und Landebahn oder während der Standzeit des Flugzeugs in den Reifen eingedrungen war. Das reiche nicht für einen außergewöhnlichen Umstand - für einen Sabotageakt oder gar einen Anschlag gab es keine Anzeichen.

Der Kläger hatte eine Entschädigung von 400 Euro nach EU-Recht gefordert. Über den Fall berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in der Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".

ele/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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meister_proper 13.11.2018
1. Ich bin ja sehr für weitgehende Fluggastrechte,
aber wenn technische Probleme einen Flug verzögern, dann sollte das für die Fluggesellschaft nur dann mit Entschädigungen verbunden sein, wenn man ihr mangelnde Wartung nachweisen kann. Denn was mit Sicherheit niemand will, ist, dass Sicherheitsbedenken hinten angestellt werden. Lieber später ankommen als gar nicht!
n61 13.11.2018
2. Reifenwechsel / Radwechsel
Das dauert keine 18 Stunden. Ersatz kann man von anderen Airlines gegen Bezahlung vor Ort bekommen. Die wahren Gründe für 18 Stunden Verspätung kennt nur die Airline. Vielleicht ging es auch um dadurch verpassten Anschlussflug zum Endflughafen...? Richtige Entscheidung für den Fluggast.
t82 13.11.2018
3. Allgemeines Betriebsrisiko
Das solche Dinge passieren können ist jedem klar und wird allgemeines Betriebsrisiko genannt. Die Kosten und die daraus entstehenden Entschädigungsansprüche gehören in die Preiskalkulation des Ticketpreises, somit richtig ein Anspruch auf Entschädigung.
spon_3501918 13.11.2018
4. Richtige Entscheidung!
Die Airlines drücken um die Entschädigungen wie der Teufel um das Weihwasser. Meine Erfahrung: - Erster Brief wird den Airlines prinzipiell ignoriert! Man erhält darauf einfach keine Antwort - Auf den zweiten Brief hin wird der Anspruch geleugnet Ich habe nachdem ich das 2x durchgemacht habe meine weiteren Ansprüche an die Airlines jeweils verkauft. Kriegt man zwar nur einen Teil des Geldes aber dadurch kriegt man es sofort und ohne weitere Arbeit und ohne weiteres Risiko.
matbhmx 13.11.2018
5. Nun, in Fluggastrechtefällen wird ...
... ja auf amts- und landgerichtlicher Ebene eine Menge Unfug entschieden. Nach der Rechtsprechung des BGH kommt es bei technischen Mängeln als außergewöhnlichem Umstand darauf an, ob dieser durch ein von außen wirkendes Ereignis verursacht ist (klassischer Fall der Vogelschlag mit der Folge von Beschädigungen am Flieger). Für den Reifenplatzer käme es daher in der Tat darauf an, ob von außen ein Ereignis auf den Reifen eingewirkt hat. Diese Erkenntnis dürfte dann aber dazu führen, dass das Urteil des AG Hannover falsch sein dürfte, denn: Das Amtsgericht hat ja offensichtlich sich mit der Frage der Einwirkung von außen auseinandergesetzt und diese offensichtlich (immer vorbehaltlich, dass der Artikel den Sachverhalt und die Entscheidungsgründe zutreffend wiedergibt) verneint, weil der Gegenstand, der den Reifen zerstört hat, auch im Stand der Maschine den Reifen beschädigt haben könnte. Nur: Welcher Gegenstand (gut, das müsste man dann auch noch wissen) soll das gewesen sein, der im Stand eines Flugzeuges in dessen Reifen eingedrungen ist? Es bliebe allenfalls noch eine mutwillige Zerstörung des Reifens. Im Übrigen dürfte auch in diesem Fall die Einwirkung von außen gekommen sein, wenn man nicht einem Bediensteten des Luftfahrtunternehmens solche Handlungen unterstellen wollte. Die Entscheidung das AG Hannover ist jedenfalls in der Fassung der Darstellung im vorliegenden Artikel nicht plausibel.
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