Erster A380 der Lufthansa Es ist ein Kranich!

Premiere für die Flüster-First-Class: Bei der Übergabe des ersten A380 stellt die Lufthansa ihre neue Premiumklasse vor. Schnickschnack wie Borddusche oder Bar darf man in den fliegenden Riesen nicht erwarten. Die echten Besonderheiten sind entweder unsichtbar - oder auf dem Klo.

Von Stephan Orth

Lufthansa

Kraniche sind stolze Vögel von prächtigem Gefieder, deren Flügelspannweite erheblich größer ist als die Länge des Rumpfes. Wunderschön sieht das aus in der Tierwelt. Bei großen Passagierflugzeugen dagegen wirken entsprechende Proportionen ein wenig gestaucht. Denn das Auge ist von den gängigen Boeings und Airbussen gewohnt, dass Spannweite und Länge ungefähr gleich sind.

Der A380, der neue Ziervogel der Lufthansa-Kranichfamilie, hat verdammt ausufernde Flügel. Fast 80 Meter ist er breit, ein ganzer Airbus A320 könnte sich wie ein verängstigtes Vogeljunges unter einem Flügel verstecken. Der Riesenflieger, der am Mittwoch feierlich übergeben wird, ist der erste echte Kranich der Lufthansa, denn sein Rumpf ist mit etwa 72 Metern vergleichsweise kurz. "Der Flügel ist eigentlich zu groß für das Modell, da ist noch Wachstumspotential für den Rumpf", sagt Heiner Krämer, der als Projektmanager für die Ausstattung der Flugzeuge zuständig ist.

Vier Lufthansa-Ausgaben des größten Passagierflugzeugs der Welt stehen derzeit im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder. Die größte Fluggesellschaft Europas ist die fünfte, die den vierstrahligen Riesenflieger in ihre Flotte aufnehmen darf. Die "Frankfurt am Main" wird an diesem Mittwoch überführt und getauft, die "München" hat gerade die zweiwöchige Lackierungsprozedur hinter sich, die beiden noch namenlosen Nachfolger warten in der Inneneinrichtungshalle und auf der Landebahn auf ihre Weiterverarbeitung.

Platz für 526 Gäste

Die Ausstattung wird bei allen vier Maschinen gleich sein: 526 Sitze, davon im Unterdeck 420 in der Economy Class, im oberen Stockwerk 98 in der Business Class und acht in der First Class. Die Lufthansa-Bestückung ist damit enger als bei Qantas (450 Plätze), Singapore Airlines (471) oder Emirates (489). Mehr Sitze haben bislang nur die Air-France-Riesenflieger mit 538 und die auf Regionalflügen eingesetzten Zweiklassen-Maschinen der Emirates mit 604 Plätzen. Der Sitzabstand in der Economy Class der Lufthansa beträgt 79 Zentimeter - so viel wie bei der bisherigen Langstreckenflotte des Unternehmens. Allerdings haben hier die Passagiere mehr Platz, weil durch anders gebaute Sitze und schmalere Rückenlehnen etwa fünf Zentimeter gewonnen wurden.

Wenn die Kranich-Fluglinie also bei der Passagierzahl nur im Mittelfeld liegt, muss sie an anderer Stelle punkten. Zum Beispiel mit ihrer neugestalteten First Class, deren Ausstattung bisher ein sorgsam gehütetes Geheimnis war. Auch hier liegt die Messlatte hoch: Emirates hatte mit einer Dusche an Bord für Aufsehen gesorgt, bei Singapore Airlines können Passagiere ihre Bloody Mary an einer echten Bar ordern.

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Airbus A380: Ein Riesenvogel, fünf Airlines
Beides gibt es bei der Lufthansa nicht. Und auch keine 23-Zoll-Riesenbildschirme und immer noch kein Internet an Bord. Wer in der neuen First Class der Lufthansa im A380 auf Superlative der Dekadenz hofft, wird enttäuscht. Denn die Alleinstellungsmerkmale der Luxuskabine vorne im Oberdeck sind entweder unsichtbar - oder befinden sich auf dem Klo.

Acht Plätze in der teuersten Klasse - zwischen 10.014 und 12.164 Euro kostet hier ein Return-Ticket - hat die "Frankfurt am Main". Bei der Ausstattung stützte sich die Kranich-Fluglinie auf Fluggastbefragungen. Ergebnis: "Die wirklich wichtigen Bedürfnisse unserer First-Class-Kunden sind sehr einfach: Sie wollen vor allem Ruhe und gesundes Reisen", sagt Christian Körfgen, Leiter des Bereichs Produktmanagement und Innovationen bei der Lufthansa.

Zu leise zum Schlafen?

Für Ruhe sorgt schon die Bauweise des A380, denn in der Kabine ist deutlich weniger vom Triebwerk zu hören als in anderen Passagierflugzeugen. Das hat aber nicht nur Vorteile: "Es gibt so wenig Geräusche im Flugzeug, dass Passagiere andere Dinge hören als sonst, etwa Ventilgeräusche", sagt Krämer. Das kann schon mal beunruhigen, da man diese neuen Sounds nicht gewohnt ist.

Dass das Flüster-Triebwerk nicht nur ein Segen ist, mussten vor Monaten einige Emirates-Piloten feststellen, die um den verdienten Pausenschlaf gebracht wurden. Denn zum stetigen Brummbrumm der Motoren schlummert der routinierte Vielflieger besser als zum an- und abschwellenden Blabla der Menschen.

Deshalb wird in der Premiumklasse der Lufthansa viel getan, um auch die in der Kabine entstehenden Geräusche einzudämmen - mit Schallschutzvorhängen, einem speziellen Trittschallschutz und aufwendiger Dämmtechnik. "Wir können die wohl leiseste First Class der Welt anbieten", ist Körfgen überzeugt.

Noch wichtiger für den Komfort soll ein weiteres unsichtbares Merkmal der in Erdtönen gehaltenen Luxusabteilung sein: Als erstes Linienflugzeug der Welt bietet die "Frankfurt am Main" ein aufwendiges Luftbefeuchtungs- und Trocknungssystem, wie es bislang nur in Privatflugzeugen verwendet wurde. "Damit können wir die Luftfeuchtigkeit auf etwa 15 Prozent erhöhen", sagt Körfgen. Normal seien fünf bis sieben Prozent.

Trockene Luft ist ein besonders großes Problem in den Luxusbereichen, wo wenige Passagiere sitzen. Denn - so unappetitlich kann Flugzeugphysik sein - in der Economy Class tragen die Ausdünstungen der Menschen zur Luftbefeuchtung bei: "Dort haben Sie viele Menschen auf begrenztem Raum, weshalb die Luftfeuchtigkeit viel näher am üblichen Wert am Boden liegt", sagt Körfgen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
cabotine, 19.05.2010
1. Achtung Sperrfrist Mittwoch elf Uhr?
Lustig deutet dieser Vermerk im RSS-Feed daraufhin dass der Artikel noch nicht erschienen sein sollte? Ihr könntet doch mal ein Behind the scenes von Spiegel Online drehen. ;)
mmueller60 19.05.2010
2. x
Zitat von cabotineLustig deutet dieser Vermerk im RSS-Feed daraufhin dass der Artikel noch nicht erschienen sein sollte? Ihr könntet doch mal ein Behind the scenes von Spiegel Online drehen. ;)
Vielleicht wird bis dahin auch diese stilistische Sünde behoben: Es fängt an mit "Brummi" und "Flieger" statt Lastwagen und Flugzeug, und endet mit der vollständigen Verkindergärtnerung der deutschen Sprache.
Alania 19.05.2010
3. Netter Vogel
Hmm... schöne Bilder von dem Ding sind es ja - aber leider nur aus First und Business Class. Wie sitzt denn der Otto-Normal-Fluggast, der keine 10.000 € für die First Class hat und sich auch nicht Business Class leisten kann?
DHempelmann, 19.05.2010
4. A380 Sitzplan
Zitat von AlaniaHmm... schöne Bilder von dem Ding sind es ja - aber leider nur aus First und Business Class. Wie sitzt denn der Otto-Normal-Fluggast, der keine 10.000 € für die First Class hat und sich auch nicht Business Class leisten kann?
So: http://www.lufthansa.com/mediapool/pdf/69/media_820269.pdf
Takamisakari, 19.05.2010
5. Titel elendiger
Zitat von AlaniaHmm... schöne Bilder von dem Ding sind es ja - aber leider nur aus First und Business Class. Wie sitzt denn der Otto-Normal-Fluggast, der keine 10.000 € für die First Class hat und sich auch nicht Business Class leisten kann?
Tja, die Normalos werden Sch...e sitzen wie immer.
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