Erster Tourist seit Jahren Somalische Grenzer wollten Kanadier nicht ins Land lassen

Nur zum Vergnügen in ein Bürgerkriegsland reisen? Das konnten somalische Grenzbeamte nicht glauben. Erst schickten sie den ersten Touristen des Landes seit den frühen Neunzigern beinahe wieder nach Hause, dann wollten sie ihn den Friedenstruppen übergeben.

Kanadier Bown in Mogadischu: Der erste Tourist Somalias seit Beginn des Bürgerkriegs
AFP

Kanadier Bown in Mogadischu: Der erste Tourist Somalias seit Beginn des Bürgerkriegs


Mogadischu - Der erste Tourist in Somalia seit vielen Jahren hat die Einwanderungsbehörden des ostafrikanischen Landes ins Schwitzen gebracht. Die Beamten am Flughafen der Hauptstadt wollten Mike Spencer Bown nicht glauben, dass er wie auf seinem Einreiseantrag angegeben als reiner Tourist gekommen sei: "Sie haben viermal versucht, mich ins Flugzeug zurückzuverfrachten, aber ich habe geschrien und getrickst, bis das Flugzeug wieder weg war", berichtete der Kanadier.

Anschließend versuchten die Beamten, den 41-Jährigen der Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) zu übergeben. Sie glaubten ihm einfach nicht, dass er nur zum Vergnügen nach Mogadischu gekommen war. "Wir haben niemals jemanden wie diesen Mann gehabt", sagte Omar Mohamed von der Einwanderungsbehörde. "Er hat gesagt, er ist ein Tourist. Das haben wir nicht glauben können."

Später hätten die Beamten aber herausgefunden, dass Bown die Wahrheit sage. "Damit ist er der erste Mensch, der nur zum Vergnügen nach Somalia kommt", sagte Omar Mohamed und fügte mit Blick auf den brutalen Bürgerkrieg im Land hinzu: "Er hat sich leider die falsche Zeit ausgesucht." Somalia gilt seit Jahren als "Failed State" - als ein im Zerfall begriffener Staat, unfähig, die grundlegendsten Funktionen eines Gemeinwesens zu erfüllen.

Bown selbst hat eine einfache Erklärung für sein ungewöhnliches Reiseziel: Er habe vor einigen Jahren seine Geschäfte in Indonesien aufgegeben und reise seitdem um die Welt. Bisher habe er 160 Länder besucht - Somalia habe ihm noch auf seiner Liste gefehlt.

fdi/AFP

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insgesamt 8 Beiträge
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sorata 10.12.2010
1. Keine Seltenheit.
Immer diese Rucksacktouristen.Kenne und war bereits in vielen Bürgerkriegsländern und weiss daher, dass grade diese backpacker jenseits von Angst sein können.
vhf 10.12.2010
2. Und wenn's schiefgeht?
Ich hoff nur, er hat 'ne Kidnapping-Versicherung. Ist immer doof, wenn man erst einen auf unabhaengig und mutig macht und sich dann mit Millionenkosten von seiner Regierung raushauen laesst.
keyoz 11.12.2010
3. ...
Zitat von sorataImmer diese Rucksacktouristen.Kenne und war bereits in vielen Bürgerkriegsländern und weiss daher, dass grade diese backpacker jenseits von Angst sein können.
immer diese anderen menschen. ausser mir hat noch keiner in alle ecken der welt gepisst und glaubt mir: ich weiss was ich sage, weil ihr wart noch nicht dort. immer wieder köstlich, diese germanisch-weltmännischen übertouristen. eine frage noch: für welche ngo waren sie denn in den vielen bürgerkriegsländern, denn sie waren ja bestimmt beruflich in den gefährlichen gebieten? oder vertreiben sie waffen? ;) du erst noch. lass´ den mann sein leben leben. kanada wird ihn nicht einfach mal so raushauen, wenn was passiert. diese zeiten sind längst vorbei. aber vielleicht ist es ja nur neid? schön der blosse gedanke, wie ihm euer geseiere so richtig wurscht sein dürfte.
grüne ente 11.12.2010
4. Leben und leben lassen!
Zitat von sorataImmer diese Rucksacktouristen.Kenne und war bereits in vielen Bürgerkriegsländern und weiss daher, dass grade diese backpacker jenseits von Angst sein können.
Was haben Sie denn gegen Rucksacktouristen? Mich ebenfalls interessiert mal echt, für welche Truppe Sie denn in den supergefährlichen Kriegsgebieten gewesen sein wollen! Ich selbst bin hin und wieder für eine kleine NGO im südlichen Afrika tätig und mich stören die backpackers rein gar nicht. Außerdem habe ich selbst verschiedenste Erfahrungen im Umgang mit dem Rucksack. Im Laufe der Jahre habe ich auch gelernt mir selber zu helfen. Viele, die sich an anderen stören, können nicht mal ihre Schuhe selber zubinden! Nicht backpackers machen alles kaputt! Es sind doch mehr die Pauschaltouristen, die wie Elefantenhorden in bestimmte Reiseländer einherfallen, umhertrampeln und alles niederwalzen, zumeist per Bus.
Kassian 11.12.2010
5. .
Zitat von vhfIch hoff nur, er hat 'ne Kidnapping-Versicherung. Ist immer doof, wenn man erst einen auf unabhaengig und mutig macht und sich dann mit Millionenkosten von seiner Regierung raushauen laesst.
Kidnapping Versicherung? Ich vermute eher wenn der wirklich von den Rebellen (kann man das bei einem Land wie Somalia überhaupt noch so klar sagen?) gefasst wird dann wird der Steuerzahler, in dem Fall der kanadische Steuerzahler, das Lösegeld das diskret und natürlich inoffiziell fliesen wird schon zahlen müssen. Er könnte aber auch Pech haben wie die zwei Briten die eine sehr lange Zeit gefangen waren bis das Geld zusammen war. ;)
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