Genuss über den Wolken Das Problembier

Es schäumt zu stark und schmeckt herber als am Boden. Von einem Bierchen im Flugzeug ist manch ein Passagier enttäuscht. Die Airlines reagieren darauf - und brauen Sorten mit exotischen Früchten.

Cathay Pacific

Der Craft-Beer-Hype hat den Himmel erreicht. Die Fluggesellschaft Cathay Pacific hat einen Gerstensaft entwickelt, der den Passagieren auch in über 10.000 Metern Höhe schmecken soll. Wie bitte? Sie finden, das war gar nicht nötig? Sie mögen Heineken aus der Dose auch im Flug? Dann kann mit Ihren Geschmacksnerven etwas nicht stimmen.

Schließlich ist gründlich erforscht, dass Bier beim Fliegen mal so gar nicht geht. Und zwar unter anderem von Mikkel Borg Bjergsø. Der dänische Bierbrauer ("Mikkeller") - und nicht nur er - hat laut der "New York Times" immer wieder festgestellt, dass dominante Geschmäcker wie Bitterkeit auf Flügen besonders stark hervortreten. Für ein wohlschmeckendes Bierchen auf Flugreisen brauche man "also weniger Hopfen zu Beginn des Brauprozesses", sagt Bjergsø, der seit 2014 für SAS arbeitet und bereits zehn flugfähige Sorten für die skandinavische Airline erfunden hat.

Nun legt Cathay Pacific nach. Die asiatische Airline mit Sitz in Hongkong will sich für ihr neues Getränk ebenfalls "wissenschaftlicher Erkenntnisse und traditioneller Braumethoden" bedient habe, heißt es in einer Pressemitteilung. "Es ist kein Geheimnis, dass Flughöhe und Luftdruck die Geschmackssinn der Passagiere beeinflussen", schreibt die Airline.

So lässt es sich auch erklären, dass viele Menschen zu Tomatensaft-Junkies werden, sobald sie an Bord eines Flugzeugs gehen. In großen Höhen wird nämlich der sogenannte fünfte Geschmackssinn Umami verstärkt angesprochen - und das Empfinden für Süße und Salziges sinkt um bis zu 30 Prozent, wie das Fraunhofer Institut 2010 in einer Studie herausfand.

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Craftbeer im Flugzeug: Longanfrucht, Honig und Fuggles-Hopfen

Mit einer Kombination aus speziellen Zutaten, Aromen und der perfekten Menge an Kohlensäure könne man ein Ergebnis erreichen, das sowohl am Boden als auch in der Luft schmeckt. Ein Problem ist nämlich, dass Bier aufgrund des Luftdrucks stark schäumt, wenn man es in der Kabine trinkt.

Longanfrucht und Fuggles-Hopfen

Betsy Beer heißt das Getränk, das die Airline ihren Premiumgästen seit Anfang März anbietet - serviert wird es zunächst in der First und Business Class auf Flügen von Hongkong nach Großbritannien. Aber was ist drin? Nicht nur das Übliche: Gerste und Malz.

Laut der Airline kommen Zutaten aus Hongkong und aus Großbritannien in den Kessel: die an den Geschmack der Litschi erinnernde Longanfrucht, Honig aus den New Territories im Norden von Hongkong sowie Fuggles-Hopfen, der vielen englischen Ales einen charakteristischen Geschmack gibt.

Bei allem Verständnis für die Bier liebenden Mitreisenden: Man könnte sich auch wichtigere Innovationen für den Genuss an Bord vorstellen. Nudeln, die auch über den Wolken al dente sind zum Beispiel. Und Butter, die im Flieger nicht als Eisklotz serviert wird. Oder haben Sie es etwa schon mal geschafft, das steinharte Streichfett auf Ihr pappiges Brötchen zu bekommen, ohne dass dies danach wie massakriert aussah?

jus



insgesamt 16 Beiträge
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ich2010 06.03.2017
1.
die haben aber auch vor nix respekt. also bevor ich litschi-bier trinke, bleibe ich doch lieber bei der klasischen variante auch wenns mehr schäumt. außerdem ist mir eine geschmackliche verschlechterung im flieger noch nicht aufgefallen.... schmeckt allenfalls etwas herber. man kann die butter übrigens neben den vollen (!) kaffeebecher legen und ein paar minuten warten ;-)
volkerriegel@aol.com 06.03.2017
2. Ganz ehrlich..? Mir schmeckt...
das Warsteiner bei der Lufthansa in 10.000 Meter einiges besser, als wenn ich es am Boden trinke.
Thomas Schnitzer 06.03.2017
3.
"Von einem Bierchen im Flugzeug ist manch ein Passagier enttäuscht." Och, nö, für mich ist das genau so wie am Boden: Das erste und das einundfünfzigste Bier haben mir noch nie geschmeckt.
lord.speedy 06.03.2017
4. Bier im Flieger
Hmmm, ich liebe herbes Bier. Mir hat Bier an Board immer geschmeckt. Aber man muß ja jeden Trend mitmachen - warum auch immer! Witzigerweise trinken viele Asiaten kaum Bier, und die Skandinavier - eher Wein :-)
murksdoc 06.03.2017
5. Frequent Flyer Erfahrung
Das "Flying Tomato Juice Syndrom" liegt an der Tatsache, daß man es vor allem in den Flügen vorfindet, die um 06.50 plusminus 5 Minuten "abheben" (Abheben" in Anführungszeichen, weil es der Terminus Technicus ist für: "50m auf dem Taxiway rollen, dann stehenbleiben und ab 90 Minuten aufwärts auf "andere verspätete Flüge", das "Tragflächenenteisen", die Beendigung des französischen Fluglotsenstreiks", "besseres Wetter" zu warten). Wenn sich dann das von zwei Pratt&Whitney Schraubenverdichtern geschobene Aluminiumflügelgerät in die Lüfte erhebt, enthält es 100% Adrenalinjunkies on High Steroids kurz: 224 fliegende Magengeschwüre auf dem Weg zum Totaldurchbruch. Die Getränkeauswahl besteht aus: 1. Mineralwasser ohne Kohlensäure (der Fachmann kennt genau den Grund, warum das Toilettenwasser in den Flugzeugen blau gefärbt ist und weil es auf den Flughäfen am Boden dieser Welt nicht blau gefärbt ist, trinkt er kein Mineralwasser ohne Kohlensäure), 2. sogenannter "Kaffe", chemisch "Röst- und Reizstoffkonzentrat", medizinisch: Magengeschwür-Fertilizer mit Instant-Turbo-Effekt 3. Orangensaft: 224 Adrenalinjunkies on High Steroids sehen sich vor ihrem geistigen Auge 12 Stunden lang an Tischen sitzend blöde Fragen beantworten und zu gehässigen Kommentaren lächelnd, Tische, auf denen staubtrockene Knabberplätzchen von der vorvorletzten Rot-Kreuz-Glückshafen-Retoure stehen, die man nur aspirieren kann, weil jeder Tropfen Speichel darin versickert wie Spiritus in der Sahara, auf das man sie nicht schlucken kann, dazu Orangensaft, so dünn, dass sich die Niere beschwert, sie könnte den Urin damit nicht gelb färben und Kaffee, von dem man coram publico auf der grossen Vortrags-Bühne allenfalls Schweissausbrüche, Händezittern und Sympathiekundgebungen des Publikums bekommt, weil man nach dem zwanzigsten Toilettenbesuch vergessen hat, den Hosenfall zuzumachen. Dann gibt es auf allen Fluglinien das gleiche Bier, das kommt aus Holland, von dem kriegt man eine Fahne aber keinen Rausch, das hat einen roten Stern auf der Dose, deswegen wird es sogar bei KrassAir auf der Strecke Moskau-Krasnojarsk serviert (die würden aber auch so heissen, wenn sie Köln-Frankfurt fliegen würden), aber wer holländisches Bier trinkt kann dazu ja gleich noch amerikanischen Käseaufschnitt bestellen, und zur Vollständigkeit halber: es gibt auch "Cognac-Hennessy-ist-leider-gerade-aus" und "Moet-und-Chandon-ist leider-gerade-aus" zu trinken. Bleibt nur noch eine Alternative: Tomatensaft. So einfach ist das. Das mit den Gummisemmeln hat übrigens einen ganz anderen Grund: Haie bekommen Sardinen in der Dose ohne Semmeln nicht runter und dazu müssen die Semmeln schwimmen können und die Sardinen können es nicht (ausser sie haben so nette gelbe Westchen an, die auch noch blinken, damit die Haie sie besser finden) und die Margarine (wenn Sie es nicht weiter erzählen) schmeissen die Stewardessen hinten in so eine kleine Klappe: daraus werden dann die Chemtrails gemacht. Die Margarine ist deswegen so hart. Damit da keiner reinbeisst. Aber das ist geheim. So wie das Rezept.
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