Verbraucherschutz: EU stärkt Rechte von Schiffsreisenden

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Wer bei einer Flug- oder Bahnreise Verzögerungen in Kauf nehmen muss, hat Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung. Die Grundlage dafür sind europaweit geltende Fahrgastrechte. Nun tritt auch für Schiffsreisen eine EU-Verordnung in Kraft. Verbraucherschützer sind dennoch skeptisch.

Jubel an Bord: Doch nicht immer läuft bei Schiffsreisen alles reibungslos Zur Großansicht
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Jubel an Bord: Doch nicht immer läuft bei Schiffsreisen alles reibungslos

Hamburg - Die Europäische Union (EU) stärkt die Rechte von Schiffsreisenden. Im Luft- und Bahnverkehr gibt es bereits europaweit gültige Fahrgastrechte für den Fall, dass eine Reise nicht nach Plan läuft. Für den Urlaub auf dem Wasser fehlten jedoch bisher entsprechende Richtlinien in Europa. Das ändert sich nun. Am 18. Dezember 2012 tritt die "EU-Verordnung über die Fahrgastrechte im See- und Binnenschiffsverkehr" in Kraft. Sie gibt vor, welche Ansprüche Passagiere haben, wenn das Schiff zu spät ablegt oder die Fahrt annulliert wird.

Bei einer sechsstündigen Abfahrtsverzögerung können Kreuzfahrtgäste und Fährpassagiere eine Entschädigung von mindestens 25 Prozent des Fahrpreises verlangen, sofern die planmäßige Fahrtzeit mehr als 24 Stunden beträgt. Dieselbe Entschädigungsleistung kann bei folgenden Voraussetzungen geltend gemacht werden:

  • Die planmäßige Fahrtzeit beträgt acht bis 24 Stunden, das Schiff legt aber drei Stunden zu spät ab.
  • Die planmäßige Fahrtzeit beträgt vier bis acht Stunden, das Schiff legt aber zwei Stunden zu spät ab.
  • Die planmäßige Fahrtzeit beträgt bis zu vier Stunden, das Schiff legt aber mindestens eine Stunde zu spät ab.

Verzögert sich die Abfahrt um das jeweils Doppelte, können Passagiere einen Ausgleich von 50 Prozent des Fahrpreises verlangen.

Darüber hinaus ist der Kreuzfahrtanbieter bei einer Verspätung von mehr als 90 Minuten zur Verpflegung mit kleineren Mahlzeiten und Getränken verpflichtet. Sollte aufgrund einer längeren Verzögerung auch eine Übernachtung an Land notwendig werden, muss der Veranstalter diese zahlen. Er kann die Kostenübernahme allerdings auf 80 Euro pro Person und Nacht und eine Dauer von drei Nächten beschränken.

Ist das Schiff jedoch nachweislich aufgrund sicherheitsgefährdender Wetterverhältnisse oder anderer außergewöhnlicher Umstände (wie bewaffnete Konflikte oder Naturkatastrophen) verspätet, muss der Schifffahrtanbieter nicht zahlen.

"Doppelt abkassieren kann man nicht"

"Mit den neuen Regelungen werden nun Schiffspassagiere für ihre Frustration entschädigt, wenn ihr Urlaub nicht so beginnt oder endet wie geplant", sagt Sabine Fischer-Volk, Reiseexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg. Neu für Kreuzfahrer: "Im Falle von Verspätung und Ausfall können sie Entschädigungsansprüche nun auch direkt bei der Reederei geltend machen, und nicht mehr nur Mängelansprüche beim Reiseveranstalter."

Bislang waren reiserechtliche Ansprüche über nationale Gesetze und die Pauschalreiserichtlinien der EU geregelt. Letztere wird auch weiter für Kreuzfahrer Bestand haben. Verbraucherschützerin Fischer-Volk rät Betroffenen allerdings dazu, ihre Ansprüche sowohl gemäß der neuen EU-Verordnung beim Beförderer (Reederei) als auch nach dem Pauschalreiserecht im Bürgerlichen Gesetzbuch beim Veranstalter anzumelden. "Doppelt abkassieren kann man natürlich nicht", sagte die Expertin SPIEGEL ONLINE. Denn Reederei und Reiseveranstalter verrechnen beide Ansprüche miteinander.

Noch könne man nicht sagen, wie praxistauglich die neue Verordnung ist. "Wir müssen jetzt abwarten, wie sich die Branche verhält", sagt Fischer-Volk. "Wir hoffen, dass es nicht die gleichen Probleme gibt wie bei der Umsetzung der Fluggastrechte." Die Airlines seien nur schwer dazu zu bewegen, Entschädigungen an ihre Kunden zu zahlen. "Sie sitzen die Beschwerden der Fluggäste oft aus."

Kreuzfahrtpassagiere, die in Zukunft Entschädigungen aufgrund von annullierten oder verzögerten Schiffsreisen erhalten wollen, sollten unbedingt Hotelrechnungen und Quittungen für Mahlzeiten und Getränke aufbewahren, wenn sie im Ernstfall nicht vor Ort betreut werden. "Wer als Passagier Entschädigungsansprüche wegen Verspätung oder Ausfall des Schiffes geltend machen möchte, muss diese spätestens zwei Monate nach dem planmäßigen Auslaufen des Schiffes bei der Reederei einreichen", so Fischer-Volk. Die Reedereien seien gesetzlich verpflichtet, innerhalb eines Monats auf die Beschwerde zu reagieren.

Die neuen Richtlinien gelten sowohl im Hochseegebiet als auch auf Flüssen; und zwar für Reisen, die in einem Hafen innerhalb der Europäischen Union starten oder enden. Außerdem erfasst die Neuregelung der Fahrgastrechte im See- und Binnenschiffsverkehr einige weitere Zielgebiete außerhalb der europäischen Mitgliedstaaten. Hierzu gehören beispielsweise französische Übersee-Departements wie Martinique, Guadeloupe und einige weitere Karibik-Ziele.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Diese Regulierungen sind teilweise kontraprduktiv, gegen die Sicherheit
criticalsitizen 14.12.2012
un fördern Vehalten wie z.B. bei der Schiffskatastrophe in Italien. Pünktlichkeit vor Sicherheit.
2.
eigene_meinung 14.12.2012
Zitat von criticalsitizenun fördern Vehalten wie z.B. bei der Schiffskatastrophe in Italien. Pünktlichkeit vor Sicherheit.
Was hat denn der Untergang der Costa Catastrophica mit dem Thema Pünktlichkeit zu tun? Der Capitano wollte nicht pünktlich sein, sondern nur angeben!
3. yoooh
geotie 14.12.2012
Zitat von criticalsitizenun fördern Vehalten wie z.B. bei der Schiffskatastrophe in Italien. Pünktlichkeit vor Sicherheit.
Mal abgesehen dass das nichts mit dem Thema zu tun hat, muss man seine Zeiten so legen, das man diese auch mit Sicherheit schafft.
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