EU-Urteil: Online-Reiseanbieter dürfen keine Versicherung aufdrängen

Der Europäische Gerichtshof hat die Rechte der Kunden von Online-Reisevermittlern gestärkt. Laut einem Urteil darf künftig keine Versicherung in einem Angebot enthalten sein, die der Nutzer per Mausklick abwählen muss.

Reisebuchung im Internet: Richter stärkten die Rechte der Kunden Zur Großansicht
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Reisebuchung im Internet: Richter stärkten die Rechte der Kunden

Luxemburg - Ein Reiseanbieter darf beim Online-Verkauf von Flugtickets nicht automatisch eine Reiserücktrittsversicherung dazubuchen. Das hat der Europäische Gerichtshof am Donnerstag in Luxemburg entschieden. Die Richter stärkten damit die Rechte der Kunden.

Es sei unzulässig, dass bei der Buchung eine fakultative Zusatzleistung wie eine kostenpflichtige Versicherung voreingestellt sei und der Verbraucher sie bewusst abwählen muss ("opt-out"), lautet das Urteil. Die Richter verlangen, dass der Kunde solche Angebote ausdrücklich annehmen muss ("opt-in").

Im konkreten Fall ging es um eine Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen gegen den Reiseanbieter ebookers.com Deutschland. Das Oberlandesgericht Köln hatte den Fall nach Luxemburg weitergeleitet.

Im vergangenen Herbst wurde in der EU eine Richtlinie verabschiedet, die den Fluglinien das "Opt-out"-Verfahren untersagt. Durch das EuGH-Urteil gilt dies nun auch für die Vermittler von Flugreisen. Durch den Richterspruch sind neben ebookers auch alle anderen Reisevermittler verpflichtet, ihre Praxis zu ändern.

"Das hat viele Kunden eine Menge Geld gekostet"

Nach Angaben von Verbraucherschützern haben in der Vergangenheit viele Reiseanbieter eine unerwünschte und kostenpflichtige Versicherung verkauft, ohne dass der Kunde diese anklicken muss oder musste - so etwa Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet. Auch Mietwagenfirmen buchten bei Online-Angeboten oft eine Kasko-Versicherung dazu. In den vergangenen Monaten hätten viele Anbieter ihr Buchungssystem aber umgestellt, teilte der Europäische Verbraucherschutzverband Beuc in Brüssel mit. Es gelte eine Übergangsfrist bis Herbst 2013. "Das Urteil räumt auf mit einer unfairen Praxis beim Flugticket-Verkauf in Europa", sagte Beuc-Chefin Monique Goyens. "Das hat viele Kunden eine Menge Geld gekostet."

ebookers.com Deutschland hatte laut Gericht auf seinem Onlineportal zu den Reisekosten neben Steuern und Gebühren automatisch auch eine "Versicherung Rücktrittskostenschutz" dazugerechnet. Die Summe dieser Kosten ergab den Gesamtpreis. Den Betrag für die Versicherung führte ebookers.com an die Versicherungsgesellschaft ab.

Die EU-Gesetzgebung schreibt ausdrücklich vor, dass Fluglinien und Reiseunternehmen einen Gesamtpreis für Flüge inklusive Steuern und Gebühren angeben müssen - während der Kunde Extras wie Hotels, Mietwagen, Versicherungen ausdrücklich auswählen muss. Die Richter schrieben, dass das EU-Recht Verbraucher davor schützen müsse, "gedrängt zu werden, Zusatzleistungen zu kaufen, die nicht notwendig für den Zweck des Fluges sind".

sto/dpa/dapd

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1. unister
xcountzerox 19.07.2012
die abzocker haben sicherlich schon genug neue ideen, um den menschen das geld aus der tasche zu ziehen. was sich diese "unternehmensgruppe" erlaubt, sollte strafbar werden.
2. opt out, schön wär's
woooooh 19.07.2012
Bei ryanair ist es am Schlimmsten. Da sind Versicherungen und sogar Koffer, die man käuflich erwerben kann, bei der Ticketbuchung bereits ausgewählt. Vor der Zahlung muss man auf unmöglich gestalteten und sehr unübersichtlichen Seiten diverse Kästchen abwählen, damit man auf den eigentlichen Ticketpreis kommt. Sogar beim späteren Online-Checkin müssen wieder ähnliche Produkte abgewählt werden. Ich hab noch nie einen mühsameren Online-Checkin gesehen. Ich will gar nicht wissen, wieviele Leute bereits versehentlich eine Versicherung über diese Seite abgeschlossen haben. Das o. a. Urteil ist mehr als begrüßenswert. Hoffentlich nehmen sich das die opt-out-Anbieter und -Vermittler zu Herzen und gestalten ihre Online-Angebote entsprechend um. Und hoffentlich gibt es noch weitere Kläger, die gegen diese Art von "Marketing" vorgehen.
3. Da vergeht einem der Spaß
hajo58 19.07.2012
Zitat von sysopDer Europäische Gerichtshof hat die Rechte der Kunden von Online-Reisevermittlern gestärkt. Laut einem Urteil darf künftig keine Versicherung in einem Angebot enthalten sein, die der Nutzer per Mausklick abwählen muss. EU-Gericht stärkt Rechte von Kunden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,845264,00.html)
Mein Sohn hatte an Ostern eine Reise nach Fuerteventura gebucht. Dabei hatte er auch neben der Reiserücktrittversicherung, eine Reisekrankenversicherung angeschlossen. Einige Tage später kam ein Anruf – bei der Reisekrankenversicherung wäre im Falle eines Rücktransports 3000 Euro Selbstbehalt fällig. Ich habe dann zurückgerufen und es stellte sich heraus, dass der Versicherungsschutz komplett war. ( Man kann es ja einmal versuchen). 3 Wochen nach Rückkehr aus dem Urlaub bekam mein Sohn eine Mail, dass er einen Teil des Reisepreise zurück bekomme, er solle seine Kontonummer und die Bankleitzahl bekannt geben(!). Weitere drei Wochen später rief der Reiseveranstalter an und wollte ihm eine Unfallversicherung andrehen. Frage: Kann man heutzutage nicht einmal mehr einen Urlaub buchen ohne das man belästigt und beschissen wird?
4. gut so
linlaluna 19.07.2012
Es handelt sich wohl um fluege.de oder? Ich habe dort die Buchung abgebrochen, da ich die opt-out Funktion nicht gefunden habe und habe dann direkt beim Veranstalter gebucht und sogar noch Geld gespart...
5.
Fischkopp-Cop 19.07.2012
Zitat von hajo58Mein Sohn hatte an Ostern eine Reise nach Fuerteventura gebucht. Dabei hatte er auch neben der Reiserücktrittversicherung, eine Reisekrankenversicherung angeschlossen. Einige Tage später kam ein Anruf – bei der Reisekrankenversicherung wäre im Falle eines Rücktransports 3000 Euro Selbstbehalt fällig. Ich habe dann zurückgerufen und es stellte sich heraus, dass der Versicherungsschutz komplett war. ( Man kann es ja einmal versuchen). 3 Wochen nach Rückkehr aus dem Urlaub bekam mein Sohn eine Mail, dass er einen Teil des Reisepreise zurück bekomme, er solle seine Kontonummer und die Bankleitzahl bekannt geben(!). Weitere drei Wochen später rief der Reiseveranstalter an und wollte ihm eine Unfallversicherung andrehen. Frage: Kann man heutzutage nicht einmal mehr einen Urlaub buchen ohne das man belästigt und beschissen wird?
Komisch, bei mir klappt's. Auch zu Opt-out-Zeiten habe ich keine ungewollte Versicherung abgeschlossen, "Belästigungen" per E-Mail habe ich erfolgreich durch Nichtsetzen / Abwahl des Häkchens beim Newsletter vermieden. Telefonisch belästigt wurde ich noch nie... Woran liegt es?
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