Test von 21.000 Badestellen So sauber sind Europas Badegewässer

Die Deutschen können beruhigt in ihre Seen und in ihr Meer hüpfen: Fast alle ihrer knapp 2300 getesteten Badestellen sind laut einem Bericht der EU sauber. Spitzenreiter in puncto Hygiene in Europa sind Luxemburg, Zypern und Griechenland.

DPA

Der Sommer kommt und mit ihm die Badesaison - egal ob am Meer, in Flüssen oder Seen. Der in Kopenhagen vorgestellte EU-Bericht zur Qualität der Badegewässer gibt Hinweise, wo es sich 2017 gut baden lässt - auch wenn die Daten aus dem vergangenen Sommer stammen.

Die Europäische Umweltagentur EEA hat für ihren Bericht mehr als 21.000 Badestellen in den EU-Staaten sowie in der Schweiz und in Albanien untersucht. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie ist es um die Gewässer in der EU bestellt?

Im vergangenen Jahr hatten laut dem neuen Bericht 97,2 Prozent aller Küstenbadegewässer und 94,3 Prozent aller Binnenbadegewässer in der EU eine mindestens "ausreichende" Qualität und entsprachen damit dem in der Badegewässerrichtlinie festgelegten Mindestqualitätsstandard. Im Vergleich zur Saison davor verbesserte sich die Qualität.

Und wie in Deutschland?

Hierzulande erfüllten 97,8 Prozent der knapp 2300 untersuchten deutschen Badestellen die EU-Mindeststandards. An den meisten Badestellen (fast 91 Prozent) bescheinigte der Bericht dem Wasser sogar eine ausgezeichnete Qualität (excellent quality). Nur fünf Stellen erhielten das Rating "poor" (mangelhaft): eine an der Ostsee in der Nähe der Insel Rügen (in Tremt (Gemeinde Sundhagen), eine am Fluss Kocher in Baden-Württemberg (Kocherbadebucht in Künzelsau), eine am Finsterroter See in Wüstenrot (ebenfalls Baden-Württemberg) sowie zwei Badeplätze am See Dümmer (im niedersächsischen Lembruch).

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EU-Bericht zu Wasserqualität: Die Badesaison kann beginnen

Warum haben es Länder mit Meereszugang grundsätzlich leichter?

Allgemein kann gesagt werden, dass die Wasserqualität an der Küste besser ist als die der Binnenbadegewässer. Laut Umweltagentur liegt das an der höheren Selbstreinigungsfähigkeit des Meeres. Außerdem liegen viele Badestellen an den Binnengewässern an kleineren Seen und langsam fließenden Flüssen, die insbesondere im Sommer nach starkem Regen anfälliger sind für kurzzeitige Verschmutzungen.

Welche EU-Länder sind in Sachen Badestellen die besten?

In fünf Ländern waren mindestens 95 Prozent der Badegewässer von "ausgezeichneter Qualität": Luxemburg (alle elf Badegewässer), Zypern und Malta (99 Prozent der Badegewässer) sowie Griechenland (97 Prozent) und Österreich (95 Prozent).

Wie viele "mangelhafte" Badegewässer gibt es in der EU?

Von der Badesaison 2015 zur Saison 2016 ging die absolute Zahl der mangelhaften Badegewässer zurück: und zwar von 383 auf 316. Bei 93 Badegewässern wurde der Zustand von "mangelhaft" auf "ausreichend" heraufgestuft. 72 Badegewässer rutschten dagegen in die Qualitätsstufe "mangelhaft" ab.

Wo sind die meisten mangelhaften Gewässer in der EU?

Die drei EU-Länder mit der höchsten Anzahl sind Italien (100 Badegewässer von 5518 untersuchten; entspricht 1,8 Prozent), das die deutlichste Verschlechterung verzeichnete. Danach kommen Frankreich (82 Badegewässer von 3359; 2,4 Prozent) und Spanien (39 Badegewässer von 2191; 1,8 Prozent).

Den höchsten Anteil an Badegewässern mit mangelhafter Qualität verzeichneten jedoch Irland (4,3 Prozent/6 Badegewässer), Großbritannien (3,2 Prozent/20 Badegewässer) und die Slowakei (3 Prozent/ein Gewässer).

Was passiert jetzt an den mangelhaften Gewässern?

Laut EEA gibt es zunächst nur Empfehlungen: So sollte also für alle Badegewässer, die in der Saison 2016 eine mangelhafte Wasserqualität aufwiesen, in der Saison 2017 ein Badeverbot verhängt oder zumindest vom Baden abgeraten werden. Außerdem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Verschmutzungen zu verringern oder zu verhindern.

"Wird ein Badegewässer in fünf aufeinanderfolgenden Jahren als 'mangelhaft' klassifiziert, ist es mit einem dauerhaften Badeverbot zu belegen beziehungsweise mit einem dauerhaften Warnhinweis zu versehen, mit dem vom Baden abgeraten wird." Ein fünftes "mangelhaft" hintereinander droht in Deutschland übrigens dem Finsterroter See bei den anstehenden Messungen 2017.

Was ist der Hintergrund des Berichts zu den Badegewässern?

Die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen erklärt, Europa sei "das beliebteste Urlaubsziel weltweit" und die Tourismusbranche ein "Schlüsselsektor" der Wirtschaft. Er generiere mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der EU und beschäftige etwa zwölf Millionen Bürger. Die Wettbewerbsfähigkeit hänge von der Qualität der Reiseziele und eben auch der Badegewässer ab.

Noch vor 40 Jahren sei in viele Badegewässer in Europa unkontrolliertes oder nur teilweise behandeltes Abwasser eingeleitet worden. Die zunehmende Zahl der Strandbesucher bei gleichzeitig verschmutzten Stränden, die Sorge um die Gesundheit der Badenden und das wachsende Umweltbewusstsein ebneten demnach den Weg zur ersten Badegewässerrichtlinie 1976 (Richtlinie 76/160 EWG). Seitdem wurde sie öfter überarbeitet.

Was wurde getestet?

Die Behörden in den EU-Staaten müssen die Gewässer wenigstens auf zwei Bakteriensorten prüfen: Darmenterokokken und Escherichia Coli, die beide auf Verunreinigungen durch Fäkalien hindeuten. Die Keime können aus der Kanalisation, der Landwirtschaft oder auch von Wildtieren wie Wasservögeln kommen. Müll oder andere Formen der Umweltverschmutzung werden dafür nicht ausgewertet. Wo die sauberen oder weniger sauberen Badestellen liegen, ist auf einer Karte im Internet zu sehen, auf der sich auch gezielt nach einzelnen Orten suchen lässt.

Gregor Tholl, dpa/abl

insgesamt 5 Beiträge
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metastabil 23.05.2017
1. Sehr vertrauenswürdig
Ein mir bekannter See wird jedes Jahr im Sommer aufgrund einer wiederkehrenden Blaualgenpest gesperrt. Der EEA-Bericht bescheinigt diesem Gewässer eine "exzellente Badequalität".
ancoats 23.05.2017
2.
Zitat von metastabilEin mir bekannter See wird jedes Jahr im Sommer aufgrund einer wiederkehrenden Blaualgenpest gesperrt. Der EEA-Bericht bescheinigt diesem Gewässer eine "exzellente Badequalität".
Wie im Artikel ausgeführt, wird ausschließlich auf zwei Bakterienarten getest, die beide zuverlässige Indikatoren für eine gesundheitsschädliche Wasserverunreinigung aufgrund von Fäkalieneintrag gelten. NICHT gemessen wird z.B. der - für den Menschen allein nicht bedenkliche - Phosphatgehalt des Wasser, der aber wiederum Dünger für Algen ist, darunter eben auch für die zumindest für (allergie-)empfindlichen Personen durchaus gefährliche Blaualge. Mit übermässigem Algenwachstum muss man in nährstoffreichen Gewässern (ob künstlich durch zuviel Phosphat oder "natürlich") saisonal immer rechnen; diese können ansonsten aber eben trotzdem "exzellente Badequalität" aufweisen. Alles in Ordnung mit dem EEA-Verfahren also.
Sommersprosse 23.05.2017
3. Griechenland
hat die schönsten und saubersten Strände. Unsere zweite Heimat. Dieses Land mit seinen gastfreundlichen Menschen ist magisch schön!
aquarius99 23.05.2017
4. Badewasserqualität≠Wasserqualität
Ich möchte mich da den letzten Forumsteilnehmern anschließen: Obwohl die Oberfächengewässer und das Grundwasser in Deutschland wegen der hiesigen Landwirtschaft lt EU in einem ungenügenden bis schlechten/mangelhaften Zustand sind, und Deutschland deshalb auch ein Verfahren von der EU am Hals hat (was man wie alle anderen Verfahren aussitzt ...), werden hier jeden Sommer diese Badewasser-Jubelmeldungen verbreitet. Und Länder, die vielleicht mehr für den Gewässerschutz tun als wir (weil die Bauern da noch nicht alles Maß verloren haben) kommen wegen 3 mangelhafter Strände schlechter weg als D. Ich möchte jedenfalls im Sommer nicht unbedingt in der Lübecker Bucht baden, und auch die Nordsee ist mittlerweile im Bereich der Eider- und Elbmündung ziemlich dreckig. Und Blaualgen als Resultat der Überdüngung sind ja auch nicht wirklich gesundheitsfördern. In dieser Form scheint mit die Bewertung der EU-Badestellen ohne hohe Relevanz zu sein. Schade, das in er Presse da kaum differenziert wird.
fatherted98 23.05.2017
5. Besonders Lesbos...
Zitat von Sommersprossehat die schönsten und saubersten Strände. Unsere zweite Heimat. Dieses Land mit seinen gastfreundlichen Menschen ist magisch schön!
....ist die wahre Schönheit...und man trifft so viele nette Menschen aus allen Herren Ländern dort.
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