Neue EU-Verbraucherrichtlinie Viele Flugportale tricksen weiter mit Gebühren

Eine neue EU-Verbraucherrichtlinie gilt auch für Flugvergleichsportale. Doch viele der Online-Anbieter verlangen laut einem "Reise und Preise"-Test noch immer nicht erlaubte Service- oder Kreditkartengebühren.


Buxtehude - Bei vielen Vergleichsportalen im Internet verteuern sich die Preise für Flugticktes weiterhin im Laufe des Bezahlvorgangs. Das ist das Ergebnis eines Tests der Zeitschrift "Reise und Preise", die 14 Portale unter die Lupe nahm. Nur ein Anbieter, Fluege.com mit Sitz in Frankfurt, erhielt in punkto Transparenz ein "sehr gut".

Laut dem Magazin müssen Kunden damit rechnen, dass der Endpreis um bis zu 30 Prozent auf Kurzstrecken und um bis zu 10 Prozent auf Langstrecken höher ausfällt als der zunächst genannte Preis.

Somit setzten nur wenige Anbieter die neue EU-Verbraucherrichtlinie um. Der am 13. Juni in Kraft getretenen Richtlinie zufolge dürfen sich die beworbenen Preise nicht nachträglich durch willkürlich festgesetzte Service- oder Kreditkartengebühren erhöhen. Der Händler darf nur Kosten verrechnen, die tatsächlich bei ihm anfallen.

Im Test von "Reise und Preise" verlangten die Anbieter Opodo und Travelgenio neben Kreditkartengebühren auch Servicegebühren. Fluege.de sowie weitere Portale des Unternehmens Unister verzichten zwar auf eine Kreditkartengebühr, verlangen dafür jedoch eine umso höhere Servicegebühr, beobachteten die Tester. Es sei denn, die Kunden nutzen für die Bezahlung die hauseigene Kreditkarte des Unternehmens oder eine Electron-Visa-Prepaid-Karte. Beide sind wenig verbreitet. Die Tester werteten das als den Versuch, die EU-Verpflichtung auszuhebeln, mindestens eine gebührenfreie Bezahlvariante anzubieten.

Insgesamt erhielten sechs Portale die Note "mangelhaft", zwei die Note "ausreichend" und eins die Note "befriedigend". Vier Portale schnitten "gut" ab, nur eins "sehr gut".

Schon im April hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bemängelt, dass auf Flugbuchungsseiten häufig der tatsächliche Ticketendpreis nicht wie vorgeschrieben angezeigt werde. 33 Angebote von 30 in- und ausländischen Online-Anbietern von Flügen und Hotelzimmern untersuchte der BVL und stellte bei fast allen rechtliche Verstöße fest. Das war sogar noch vor In-Kraft-Treten der neuen EU-Verbraucherrichtlinie.

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abl/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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DiegoMarlasca 16.07.2014
1. Dies kann ich nur bestätigen (Ryanair) ...
Wir sind vor zwei Wochen mit RyanAir geflogen. Gesamtpreis der Tickets knapp 900 Euro für 4 Personen hin und zurück. Als wir dann online einchecken wollten, mussten wir noch einmal 5 Euro pro Sitzplatz / Flug zusätzlich bezahlen. Die bisherige Alternative der freien Sitzplatzwahl war deaktiviert. Somit wurde der Flug noch einmal 40 Euro teuer. Reklamieren war gescheitert, der Flug war schon einige Tage früher bezahlt worden und ein Ausdrucken der Tickets am Flughafen wäre eum ein Vielfaches teurer geworden.
aritotel 17.07.2014
2. Es gibt noch weitere Tricks, Kunden abzukassieren
Bei fluege.de wollte ich in diesem Jahr aus dem Ausland umbuchen. Nach 20 Minuten in der Warteschleife konnte ich endlich mein Anliegen vorbringen, detailliert wurde alles abgefragt. Schließlich die Mitteilung, ich muß Sie dazu in die Abteilung für Umbuchungen verbinden. Habe dort nochmals 20 Minuten in der Warteschlange verbracht, bis ich aufgelegt habe. Habe dann bei der Airline direkt neu gebucht, der Flug war nur unwesentlich teurer als die sog. Umbuchungsgebühr. Meine Beschwerde bei fluege.de wurde nie beantwortet.
Fonso 17.07.2014
3. Selbst Schuld
Einchecken? Kostet extra. Tickets ausdrucken? Kostet extra. Gepäck? Extra! Anrufen und Fragen stellen? Zahlen!! Aufwendig angesaugte Kabinenluft atmen? Aufpreis! Wer sich auf sowas einlässt, hat es nicht besser verdient. Nie im Leben, auch nicht geschenkt, würde ich mit "Ryanair" fliegen.
muepomm 17.07.2014
4. nochmal-selber schuld
Nicht nur die Gebühren sind ein Ärgernis. Auch die angezeigten Flugverbindungen sind lückenhaft. Beispiel: der wirklich günstige Flug von Grenoble nach D'dorf (Feb 2013) durch Eurowings wurde überhaupt nicht angezeigt stattdessen gab es nur teurere Alternativen mit Umsteigen!
querulant_99 17.07.2014
5. Gepäck
Nicht nur die Buchungsgebühren sind ein Ärgernis, sondern dass immer mehr Airlines dazu übergehen, saftige Gebühren für das aufzugebende Gepäck verlangen, die oft genau so hoch sind wie der reine Flugpreis. Das macht Preisvergleiche außerordentlich intransparent. Wer fliegt denn schon ohne Gepäck in den Urlaub? Besonders negativ ist mir diesbezüglich die spanische Airline Vueling in Erinnerung. Deren Flüge sind auf dem ersten Blick immer sehr günstig, aber der Endpreis ist dann oft teurer als die Konkurrenz. Ich hatte fast schon mal den Buchungsvorgang für einen Flug nach Barcelona abgeschlossen, aber wegen der vielen Zusatzgebühren verärgert abgebrochen, und stattdessen einen Flug bei einer anderen Fluggesellschaft gebucht und dabei eine Umsteigeverbindung in Kauf genommen.
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