EuGH-Urteil Airline muss auch bei Anschlussflügen außerhalb der EU entschädigen

Wer bei einer Zwischenlandung außerhalb der EU den Flug verpasst, kann dennoch Anspruch auf Entschädigung haben. So urteilten die Richter des Europäischen Gerichtshofs.

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Flugreisenden steht auch bei der Verspätung von Anschlussflügen außerhalb Europas unter bestimmten Bedingungen eine Entschädigung zu. Zu dieser Einschätzung kommt der Europäische Gerichtshof in einem Grundsatzurteil vom Donnerstag.

Wenn der Abflugsort innerhalb der EU liege und die Flüge Teil einer Buchung waren, änderten auch Zwischenlandungen außerhalb Europas nichts an bestehenden Ansprüchen, urteilten die Luxemburger Richter. Das höchste EU-Gericht stärkte damit einmal mehr die Rechte von Fluggästen.

Hintergrund des Urteils war ein Fall aus Deutschland. Die Klägerin hatte einen Flug mit einer marokkanischen Airline von Berlin nach Casablanca und von dort weiter nach Agadir gebucht. In Casablanca durfte sie ihren Anschlussflug aber nicht antreten, weil ihr Platz schon vergeben worden war.

Sie erreichte Agadir mit einer Verspätung von vier Stunden. Nach EU-Recht hätte sie daher Anspruch auf Ausgleichszahlungen. Die marokkanische Airline argumentierte, dass es sich um einen innermarokkanischen Flug handelte und deshalb die Ansprüche nicht gälten.

Die EuGH-Richter legten allerdings dar, dass die beiden Flüge von Berlin nach Casablanca und von Casablanca nach Agadir Teil einer Buchung waren und damit als ein einziger Flug zu sehen seien - auch wenn bei einer planmäßigen Zwischenlandung außerhalb der EU das Flugzeug gewechselt wurde.

Sofort schriftliche Bestätigung verlangen

Nach EU-Recht steht Passagieren eine Entschädigung zu, wenn ein Flug annulliert wird oder sich um mehr als drei Stunden verspätet. Die Höhe hängt von der Flugdistanz ab. Die EU-Fluggastrechte-Verordnung sieht bei einer Flugstrecke von bis zu 1500 Kilometern 250 Euro pro Person vor. Bei Strecken von 1500 bis 3500 Kilometern sind es 400 Euro, bei über 3500 Kilometern 600 Euro.

Am besten verlangen Fluggäste am Schalter der Airline eine schriftliche Bestätigung, dass der Flug verspätet war oder gestrichen wurde. Manche Fluggesellschaften bieten Formulare für die Entschädigungsforderung an. An einigen Airports ist die Airline allerdings womöglich nicht sofort erreichbar.

Dann rät der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover dazu, sich die genaue Ankunftszeit und die Kontaktdaten von Mitreisenden zu notieren - als mögliche Zeugen. Entscheidend ist, wann die Türen des Flugzeugs geöffnet wurden, nicht das Aufsetzen auf der Landebahn. Statt Gutscheine zu akzeptieren, sollten Passagiere auf die korrekte Entschädigungssumme bestehen.

abl/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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darthmax 31.05.2018
1. Höhere Gewalt
bei einem Rechtsstreit mit 9 stündiger Verspätung wurde die Anullierung mit höherer Gewalt ( schlechtes Wetter im Winter ) begründet. Der Flugbetrieb des Flughafen war eingeschränkt . Das Gericht hat sich nicht wirklich entschieden aber darauf hingewiesen, dass, sollte die Airline nun Zeugen aus dem Ausland einfliegen, die Kosten explodieren und nicht mehr zu der möglichen Entschädigung in Relation stehen. Die Definition von höherer Gewalt ist eben nicht eindeutig.
Sterbenswörtchen 31.05.2018
2. Aktenzeichen
Das Aktenzeichen hätte man auch veröffentlichen können... (Urt.v.31.05.2018, Az. C-537/17).
undutchable 31.05.2018
3. Einwilligung der Zeugen für die Datenspeicherung einholen
am besten schriftlich, sonst kann es Boese enden seit Neuestem.... Bei Fotoaufnahmen der Ankunfts- bzw Abflugsboards auch darauf achten, dass niemand zu sehen ist...
iekosch 31.05.2018
4. Sehr Kundenfreundlich
Es wäre schön wenn die EU sich neben der EU-Fluggastrechte-Verordnung auch um Kundenrechte bei anderen Verkehrsmitteln kümmern würde. Die Fahrgastrechte bei Bahnfahrten sind beispielsweise mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden und für die Verkehrsunternehmen offenbar lange nicht schmerzhaft genug um einen nachhaltigen Druck in Richtung Verbesserung der Pünktlichkeit zu bewirken.
ohminus 31.05.2018
5.
Zitat von undutchableam besten schriftlich, sonst kann es Boese enden seit Neuestem.... Bei Fotoaufnahmen der Ankunfts- bzw Abflugsboards auch darauf achten, dass niemand zu sehen ist...
Absurde Panikmache jenseits jedweder Realität.
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