Verwirrung am Mount Everest Ein Hillary Step vor, einer zurück

"Es ist offiziell - den Hillary Step gibt es nicht mehr", das hat ein Bergsteiger behauptet, der die legendäre Felsstufe am Everest nicht mehr fand. Stimmt nicht, sagt nun ein Sherpa, der es wissen muss.

AP Photo/Alpenglow Expeditions

Es war nur ein Stück Felsen - und doch bewegt sein angebliches Verschwinden Bergsteiger weltweit. Den berühmten Hillary Step, mehr als 8760 Meter über dem Meeresspiegel, soll es nicht mehr geben. Das behaupteten zumindest mehrere Bergsteiger, die in der vergangenen Woche die rund zwölf Meter große, schwierig zu kletternde Felsformation kurz vor dem Gipfel des Mount Everest nicht mehr entdecken konnten.

"Es ist offiziell - den Hillary Step gibt es nicht mehr", schrieb zum Beispiel der britische Bergsteiger Tim Mosedale zu einem Facebook-Bild. Er sei letztes Jahr ebenfalls dort geklettert, aber aufgrund des Schnees habe man nicht sicher sagen können, ob das berühmte Hindernis zerstört worden sei. Entsprechende Berichte habe es damals bereits gegeben. "Dieses Jahr allerdings kann ich sagen, dass das Stück Fels, das Hillary Step heißt, sicher nicht mehr da ist", schreibt Mosedale.

Doch so sicher scheint es nicht zu sein. Am Dienstag widersprachen mehrere Nepalesen, darunter auch ein Mann, der es eigentlich wissen müsste: Pasang Tenzing Sherpa war der Koordinator der Bergsteiger, die die Route 2016, ein Jahr nach dem heftigen Erdbeben, für die zahlenden Expeditionen anlegte.

"Zwei Jahre lang war niemand auf dem Gipfel, daher erschien er wie ein neuer Berg mit sehr viel Schnee", sagte Pasang der Nachrichtenagentur AP zu den Verhältnissen am Everest im vergangenen Jahr. "Ich konnte keine Markierungen der alten Route entdecken. Aus Sicherheitsgründen habe ich die Route etwas nach rechts verlegt" - also fünf bis acht Meter rechts vom Hillary Step. Sein Team hätte entschieden, dem Grat zu folgen, statt den Abschnitt zu queren. Die Leute seien daher verwirrt, denn der Felsen sei nun unter sehr viel Schnee begraben

Der Hillary Step "ist intakt"

Pasang Tenzing Sherpa, der bereits elfmal auf dem Everest-Gipfel stand, habe den Hillary Step bei seinem Aufstieg in der vergangenen Woche gesehen. Der Präsident der nepalesischen Bergsteigervereinigung, Ang Tsering, bestätigt dies: Die legendäre Formation sei intakt, sagt er. "Nur gibt es sehr viel mehr Schnee dort, sodass der Felsabschnitt nicht leicht zu erkennen ist."

Allerdings sei ein großer Stein oberhalb davon herabgestürzt, erklärte ein anderer Nepalese, Pemba Dorje Sherpa, der am Samstag zum 16. Mal den Gipfel bezwang. "Deswegen war es einfacher, den Gipfel zu erreichen, aber vielleicht hat das die Leute verwirrt und sie dachten, die Stufe sei weg." Auch offiziell gibt es bisher keine Bestätigung, dass der Hillary Step zerstört sei, sagt der Chef der nepalesischen Tourismusbehörde, Dinesh Bhattarai.

Fotostrecke

9  Bilder
Mount Everest: Ist der Hillary Step weg?

Der Brite Mosedale jedoch bleibt bei seiner Darstellung: Der Felsen sei "einfach nicht mehr da", sagt er zu AP. Dadurch sei der Aufstieg sehr viel gefährlicher. "In diesem und im vergangenen Jahr gab es einen Schneegrat, den wir relativ einfach hochklettern konnten. Doch sollte sich dieser in den nächsten Jahren nicht bilden, könnte dieser Geländeabschnitt besonders schwierig zu überwinden sein."

Fotostrecke

13  Bilder
Mount Everest: Historische Bilder der Erstbesteigung

Bekannt ist die Felsformation seit 1953, als der Neuseeländer Edmund Hillary als erster Mensch den Gipfel erklomm. Hillary bezwang damals die später nach ihm benannte Formation nur zusammen mit seinem nepalesischen Begleiter Tenzing Norgay. Später wurde der Hillary Step jedes Jahr erneut mit Seilen gesichert, um den Aufstieg zu erleichtern. Im Mai 2016 hatte bereits die American Himalayan Foundation auf Facebook gefragt, ob der entsprechende Teil des Bergs vom Hillary Step zum "Hillary Slope", also zu einem Abhang geworden sei.

Bisher war eine ereignisreiche Woche auf dem 8848 Meter hohen Mount Everest, der auch den Spitznamen "Dach der Welt" trägt. Noch nie versuchten so viele Touristen, den Berg zu besteigen, wie in diesem Jahr. An insgesamt 375 Ausländer vergaben die nepalesischen Behörden eine entsprechende Lizenz. Einige von ihnen trugen sich bereits jetzt mit Bestleistungen in die Geschichtsbücher ein.

Zwei Rekorde und zehn Tote

Trotz der geänderten Bedingungen gelangen in diesem Jahr bereits zwei Spitzenleistungen bei der Besteigung des Everest. Am Sonntag meldete das Team des österreichischen Extremsportlers Andy Holzer, dass es um 7.10 Uhr bei minus 26 Grad den Gipfel erreicht habe. Holzer ist damit erst der zweite Blinde, der den Everest-Gipfel erreichen konnte. Ebenfalls am Sonntag gelang der Inderin Anshu Jamsenpa ein Rekord. In nur fünf Tagen stand sie zum zweiten Mal auf dem Gipfel und ist damit die einzige Frau, der ein solcher doppelter Aufstieg so schnell gelang.

Doch auch in dieser Saison trüben teils schwere Unfälle die Stimmung am Everest. Bereits vor drei Wochen war der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck bei dem Versuch abgestürzt, den Everest über eine selten benutzte Route zu besteigen. Kurz darauf starb ein 85-jähriger Nepalese im Basislager. Er war für den Rekordversuch angereist, als ältester Mensch der Welt auf dem Gipfel zu stehen.

Am Wochenende kamen Kletterer aus den USA, der Slowakei, Indien und Australien am Berg ums Leben. Und am Dienstag hat ein Rettungsteam die Leichen von vier Bergsteigern in einer Höhe von 7950 Metern entdeckt. Damit starben in dieser Saison bereits zehn Bergsteiger am Mount Everest. Die kurze Bergsteigersaison im Himalaya dauert nur von April bis Ende Mai, wenn günstiges Wetter herrscht. Ab Juni sorgt der Monsunregen für erschwerte Bedingungen.

abl/AP/dpa



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Indigo76 24.05.2017
1.
Das "Dach der Welt" ist keine Bezeichnung für den Mount Everest. So nennt man das ganze Gebirge! Bitte im Text ändern.
geotie 24.05.2017
2.
Ich finde, man muss noch mehr Artikel darber schreiben. Viele werden dort sonst umsonst nach den Step suchen und vielleicht nicht finden.
uzsjgb 24.05.2017
3. Bilder 3 und 4
Ich frage mich, warum der Spiegel immer Bilder vom Everest zeigt, auf dem er kaum zu sehen ist. Nur für Experten ist der Everest auf den Bildern 3 und 4 zu erkennen, denn prominent zu sehen sind eigentlich nur Nuptse und Lhotse. Es gibt viel bessere Bilder vom Everest, weswegen ich mich wundere, warum immer wieder solche Bilder ausgewählt werden.
kloppskalli 24.05.2017
4. Rekord
… ich wuerde mich auch gerne in Rekordbuecher eintragen lassen alls der erste Mensch der auf dem Everest ne Wurst kackt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.