Expo-Kritik Kosmogramme aus den Anden

Ecuador präsentiert sich auf der Expo mit einem offenen Stand, der viele Geheimnisse birgt. Wenn sich der Besucher darauf einlässt, erwarten ihn spannende Geschichten aus der Vorzeit des Andenstaates.

Von Torsten Eßer


"Der Schamane ist ausgebucht", sagt Alexander Hirtz, Chef und Ideengeber des ecuadorianischen Expo-Auftritts. "Sein Reinigungsritual ist begehrt, und zu seiner täglichen Vorführung kommen sehr viele Besucher." Und viele Besucher sind wichtig für Ecuador, denn in Deutschland ist das Land am Äquator zuletzt nur durch negative Ereignisse - andauernde Krisen in Regierung und Wirtschaft - in die Schlagzeilen geraten.

Mit einem farbenfrohen Maskentanz feiert sich Ecuador auf der Expo selbst
DPA

Mit einem farbenfrohen Maskentanz feiert sich Ecuador auf der Expo selbst

Doch der Schamane soll nicht nur Besucher anzulocken, er passt auch voll und ganz in das Konzept des Standes. Dessen Konstruktion beruht auf der Kosmologie der Valdívia-Kultur, die Ecudaor von 4000 bis 1500 vor Christus geprägt hat. In der Endphase dieser Kultur beschäftigten sich die Schamanen hauptsächlich mit Astrologie. Die Ergebnisse der Beobachtungen, in Steinplatten eingravierte Kosmogramme, sind auf der Expo zu sehen.

"Die Symbole auf den Platten haben hauptsächlich mit den Planeten und deren Bewegung zu tun", erklärt Hirtz. "Sie waren wichtig, weil es in Ecuador keine Jahreszeiten gibt und sie den Menschen eine Orientierungshilfe für die Landwirtschaft gaben. Diese Zeitkonzepte haben wir durch die Bambusstruktur des Pavillons in die dritte Dimension geholt."

Die Konstruktion des ecuadorianischen Standes ist offen. Die Besucher können von allen Seiten eintreten und in Schaukästen und offenen Kürbiskalebassen die landesspezifischen Produkte anschauen, riechen, anfassen und teilweise auch mitnehmen. Das nennt Hirtz "interaktiv".

Offenes Konzept: der Stand von Ecuador
Foto: Torsten Eßer

Offenes Konzept: der Stand von Ecuador

Zu sehen sind unter anderem Palmenherzen, Kakao, Sisal und Bohnen. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei, so Hirtz, die Elfenbeinnuss. Deutsche haben in der Vergangenheit aus dem harten Material Knöpfe hergestellt und erfolgreich exportiert. Jetzt sind die "Ökoknöpfe" (Hirtz) wieder stark im Kommen.

Die Präsentationen auf der Expo dienen natürlich vor allem der Imagepflege eines Landes, so auch bei Ecuador. An den Ecken werden die vier Hauptregionen des Landes - das Amazonasgebiet, das Andenhochland, die Küste und die Galápagosinseln - mit ihren besten Seiten vorgestellt. Die touristischen Höhepunkte sind außen am Stand in großen Fotos angebracht.

Über den Tourismus möchte Ecuador indirekt einen Teil der hohen Konstruktions- und Unterhaltskosten des Standes zurückholen. Ohnehin konnte das Geld für den Bau - immerhin 600.000 Mark - nur mit Unterstützung der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit aufgebracht werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, allerdings nur, wenn Besucher bereit sind, das Faltblatt zur Konstruktion zu studieren.

Bewertung:
Note: 2-3
Prädikat: astrologisch
Verweildauer: nur zum Anschauen 15 Minuten, mit tiefer gehender Beschäftigung 30 Minuten
Erholungswert: intellektuell hoch, aber ein Café oder Ähnliches gibt es nicht


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