Expo-Kritik Ruanda - hoffnungsvoller Weg in die Zukunft

Ruanda will auf der Expo einen Weg weisen, der helfen soll, den Hass aus dem Bürgerkrieg zu überwinden. Die Darstellung ist teilweise schönfärberisch. Dennoch zeigt sie beispielhaft, wie Entwicklungshilfe sinnvoll für den Frieden eingesetzt werden kann.

Von Thorsten Pifan


Der ideelle Ansatz am Stand Ruandas ist viel versprechend
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Der ideelle Ansatz am Stand Ruandas ist viel versprechend

Der lang schwelende Hass zwischen den Volksgruppen Tutsi und Hutu explodierte 1994. Damals fanden in nur 100 Tagen mehr als 800.000 Menschen den Tod. Für Ruanda eine um so schlimmere Katastrophe, als es bereits damals zu den ärmsten Ländern in der Welt zählte.

Das Leid, das die Menschen ertragen mussten, werden sie wohl kaum je vergessen. Bei der Jugend sollen die Fehler nicht wiederholt werden. "Tutsi und Hutu kannten sich einfach zu wenig", erklärt der Vertreter am Expo-Stand Ruandas die Ursache des Bürgerkrieges kurz und knapp.

Diese Erklärung ist sicherlich unzulässig verkürzt. Inhaltlich mag sie aber richtig sein. Bis 1959 waren die Tutsi in Ruanda an der Macht. Dann wechselte der Einfluss, herrschende "Klasse" wurden die Hutu. Es entbrannte ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft, der 1994 seinen brutalen Höhepunkt fand.

Wer in der bunten und lauten Afrikahalle ziellos umherstreift, läuft Gefahr, die Darstellung Ruandas zu übersehen. Im Herzen von Halle 12 wirkt der Stand unscheinbar, fast verloren. Wer Spannung und Aktionen erwartet, wird hier enttäuscht sein. Wer sich aber dafür interessiert, wie Entwicklungshilfe sinnvoll eingesetzt werden kann, sollte unbedingt einen Blick wagen. Denn die Stellwände erzählen eindrucksvolle Geschichten.

Heute wird die Jugend gemeinsam in den Schulen unterrichtet. Bevor sich der Hass entlud, war das nicht der Fall. Von dem Ideal des neuen Miteinanders auf der Schulbank berichtet die erste Schautafel. Damit künftig die persönlichen Fähigkeiten über den Werdegang entscheiden und nicht länger die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe, rief die Regierung mit Hilfe von ausländischen Geldmitteln dieses Projekt ins Leben.

Die ambitionierte Unternehmung ist eine Investition in die Zukunft. Dort wird entschieden, ob sich die Idee, die dahinter steckt, durchsetzt. Die neue Generation soll auch auf ihre ganz persönliche Zukunft besser vorbereitet werden. Eine andere Schautafel berichtet dementsprechend von Jugendlichen aller Volksgruppen, die auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet werden; ob als Mechaniker, Gärtner oder Friseur. Zuvor genossen vor allem die Hutu eine Berufsausbildung.

Die Spuren des Bürgerkriegs sind noch lange nicht verschwunden. Viele leben in winzigen Hütten oder verwahrlosten Zelten, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Das Projekt "Häuser der Hoffnung" soll auf diesem Gebiet helfen. Davon erzählt die dritte Schautafel. Finanziert werden alle drei Projekte durch Entwicklungshilfemittel - auch aus Deutschland.

Eine Reihe informativer Bilder zeigt die Anstrengungen in Sachen Naturschutz. Denn was nützt schon alle Vorbereitung auf die Zukunft, wenn in der Gegenwart der wertvolle Boden durch Erdbeben und starke Regenfälle abgetragen wird? Die Bildergalerie, die sich einmal um den Stand zieht, zeigt etwa Projekte zur Begrünung von Terrassen, die vor Erosion schützen sollen. Zudem erhält der Besucher ein eindrucksvolles Bild von der üppigen Natur und der reichen Tierwelt, über die Ruanda verfügt.

Kommerz ist am Stand Ruandas verpönt. Die heimischen Handwerkserzeugnisse dienen hier nur der Dekoration
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Kommerz ist am Stand Ruandas verpönt. Die heimischen Handwerkserzeugnisse dienen hier nur der Dekoration

Auch Handwerkserzeugnisse werden vorgestellt. Die dienen am Stand aber nur als Dekoration. Denn Kommerz passt nicht zu der ernsten Darstellung. Wer eines der Produkte käuflich erwerben will, muss auf den benachbarten Bazar stöbern gehen und dort den gesonderten Stand Ruandas suchen.

Was hat das alles mit der Expo zu tun? Mehr als die meisten anderen aufgesetzten Darstellungen mit zum Teil abgehobener Kunst und fragwürdigen Prestigeprojekten. Am Stand Ruandas wird das Expo-Thema auf den Punkt gebracht: Die Auseinandersetzung mit Ruandas Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschieht informativ mit den Expo-Schwerpunkten: "Mensch - Natur - Technik". Wenn die Präsentation Ruandas auch bei weitem nicht so spektakulär ist wie die Vorstellung anderer Nationen, etwas Zeit sollte der Expo-Besucher dem Auftritt des Landes schon gönnen.

Bewertung:
Note: 2-
Prädikat: informativ
Verweildauer: Besucher sollten Zeit zum Nachdenken mitbringen
Erholungswert: Gering, aber wer erwartet das schon bei solch einem Hintergrund?


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Auf einen Blick: Von A bis Z - Die Expo-Teilnehmer



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