64 Kilometer nonstop Extremschwimmer will Bodensee ohne Neopren durchqueren

Das Wasser des Bodensees ist 14 Grad kalt - doch Schwimmer Bruno Dobelmann ist ohne Schutzanzug zu einer Durchquerung gestartet. Der 53-jährige Sportler will einen Rekord aufstellen. Neben der Kälte könnte ihm auch ein angekündigtes Gewitter Probleme bereiten.

Bruno Dobelmann im Bodensee: Ohne Schutzanzug im 14 Grad kaltem Wasser
dapd

Bruno Dobelmann im Bodensee: Ohne Schutzanzug im 14 Grad kaltem Wasser


Bodman/Bregenz - Auf seinem Weg zum Weltrekord kommen bei Bruno "Orca" Dobelmann im letzten Moment doch Zweifel auf. "Ich habe Angst, wieso tue ich mir das nur an?", fragt er sich laut, als er kurz nach 14 Uhr im Strandbad Bodman ins etwa 14 Grad Celsius kalte Wasser des Bodensees steigt. "Mein Testament habe ich hinterlegt", scherzt er.

Doch als sein massiger Körper untertaucht, scheinen die Bedenken verflogen und der 53-Jährige krault kurz darauf los. Vor ihm liegen 64 Kilometer. Als erster Mensch will Dobelmann ohne Neoprenanzug den größten See Deutschlands längs durchqueren. Der Weltrekordversuch gilt als risikoreich.

Minuten vor dem Start am Westufer des Bodensees hatte sich der Extremsportler an Land noch optimistisch bis unerschrocken gezeigt, dass er nur geschützt durch Badehose und -kappe sowie eine dicke Schicht Vaseline am Körper den Fluten des Bodensees 24 Stunden lang trotzen kann. Der gebürtige Niederbayer fürchtet nach eigenen Worten nicht die Kälte oder die Einsamkeit mitten im See bei Nacht, sondern vor allem das Wetter.

Treibstoff Kohlehydratgel

Der Sportler wird bei seiner Bodensee-Querung von einem zehnköpfigen Team in einem Begleitboot eskortiert, bestehend aus Lebensgefährtin, Freunden, Arzt und Rettungsschwimmern. 2,5 Kilometer will er in der Stunde zurücklegen. Die Helfer reichen ihm alle 30 Minuten ein hoch dosiertes Kohlehydratgel, das er innerhalb von zwei Minuten auf dem Rücken liegend zu sich nimmt. Ansonsten dürfen die Begleiter ohne Erlaubnis des Sportlers auf keine Weise eingreifen.

Dobelmann hat bereits zahlreiche Freigewässer durchschwommen, die 64 Kilometer durch den Bodensee sind die bislang längste offizielle Strecke. 50 Kilometer hatte der stämmige Stuttgarter bei seiner Doppelquerung des Fehmarnbelts zwischen Deutschland und Dänemark zurückgelegt, dafür benötigte er rund 19 Stunden. Auch den Ärmelkanal hat er als Teil einer Fünferstaffel bereits durchschwommen. Ein Testschwimmen Anfang April im Bodensee brach er nach sechs Stunden ab.

Als größte Gefahr bei seinem Weltrekordversuch im Bodensee sieht Dobelmann das Wetter, das am Bodensee tückisch sein kann. Nur wenn ein starker Wind und hohe Wellen aufkommen, könnte es schwieriger werden, sagt er. Die Wettervorhersage klang nicht günstig: Am späten Nachmittag und Abend sei am Bodensee mit starken Schauern und Gewittern zu rechnen, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes in Stuttgart.

Am Dienstag um 14 Uhr will Dobelmann sein Ziel in Bregenz erreicht haben. Sollte der Weltrekordversuch gelingen, möchte er schon am Donnerstag eine Bodenseebreitenquerung in Angriff nehmen.

abl/Elisabeth Shapiro und Mirko Hertrich, dapd/dpa

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