Fahrplanwechsel Bahn erhöht Ticketpreise im Regional- und Fernverkehr

Bahnfahren wird ab Sonntag teurer. Die Preiserhöhung trifft besonders Vielfahrer. Eine Bahncard 100 kostet nun 125 Euro mehr als bisher.

ICE-Zug bei Erfurt
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ICE-Zug bei Erfurt


Bahnkunden müssen künftig mehr bezahlen als bisher. Mit dem Fahrplanwechsel an diesem Sonntag erhöht die Deutsche Bahn ihre Preise. Die gute Nachricht: Auf wichtigen Verbindungen erweitert der Konzern das Angebot an Sitzplätzen.

Wie teuer wird das Bahnfahren jetzt?

Im Fernverkehr werden Fahrscheine zum vollen Preis (Flexpreis) im Durchschnitt 1,9 Prozent teurer, wie die Bahn mitteilte. Weil es viele Sonderangebote und Rabatte gibt, steigt das Preisniveau nach Berechnungen der Bahn aber lediglich um 0,9 Prozent. Wer seine Reise bis Samstag bucht, fährt noch zu den alten Preisen.

Bahnfahrten im Regionalverkehr über Grenzen von Verkehrsverbünden hinweg werden im Durchschnitt 1,5 Prozent teurer. Für die anderen gelten die Tarife der Verkehrsverbünde. In vielen von ihnen ändern sich die Fahrpreise für Busse und Bahnen zum Jahreswechsel nicht.

Mit den neuen Preisen werden Vielfahrer relativ stark zur Kasse gebeten: Für Streckenzeitkarten sowie die Bahncard 100 sind in Zukunft im Schnitt 2,9 Prozent mehr zu zahlen. Vor allem Geschäftsleute nutzen häufig die Rabattkarte, um pauschal alle Züge ein Jahr lang nutzen zu dürfen. Sie kostet in der zweiten Klasse nun 4395 Euro (125 Euro mehr als vorher), in der ersten Klasse 7439 Euro (214 Euro mehr als vorher).

Die Preise für Platzreservierungen sowie für die Rabattkarten Bahncard 25 und Bahncard 50 verändern sich nicht. Kräftig erhöht wird das Extraentgelt für den Kauf eines Tickets im Zug: von 12,50 Euro auf 19 Euro.

Das Aktionsbündnis "Bahn für alle" nannte die bereits vor zwei Monaten angekündigte Preiserhöhung nicht nachvollziehbar. "Abgesehen von den Sonderangeboten sind die Preise grundsätzlich zu hoch, besonders aber in Anbetracht der vielen Verspätungen und Zugausfälle, die die DB AG offensichtlich nicht in den Griff bekommt", stellte Bündnissprecher Bernhard Knierim fest.

Wo baut die Bahn Strecken aus?

  • Von diesem Sonntag an werden auf der Schnellfahrstrecke Berlin-München künftig fünf statt drei Sprinterzüge pro Tag und Richtung unterwegs sein. Außerdem fährt dort nun auch der ICE 4, die jüngste Generation des Hochgeschwindigkeitszuges. Seit Eröffnung der neuen Verbindung im Dezember waren bislang 4,4 Millionen Reisende zwischen München und Berlin unterwegs. Die Erwartung der Bahn wurde damit übertroffen.
  • Der ICE 4 ist künftig auch zwischen Düsseldorf und Stuttgart unterwegs, über den Frankfurter Flughafen fahren dabei nun 14 statt bisher 11 Züge pro Tag und Richtung.
  • Ein ICE wird täglich von Berlin nach Wien und zurück fahren. Fahrzeit: knapp acht Stunden.
  • Die Bahn bietet außerdem täglich drei IC-Zugpaare von Nordrhein-Westfalen oder Kassel über Erfurt und Jena bis nach Gera an.
  • Auf der Verbindung Nürnberg-Stuttgart-Karlsruhe setzt die Bahn die neuen Intercity-2-Züge ein, die aus Doppelstockwagen bestehen.
  • Eine Direktverbindung am Morgen von Berlin nach Münster wird ab 9. Dezember auch freitags angeboten, bisher gibt es sie nur von Montag bis Donnerstag.

Die Bahn reagiert nach eigenen Angaben auf die steigenden Fahrgastzahlen auch im Regionalverkehr. Die Kunden dürften in vielen Regionen mit mehr Fahrzeugen und somit mehr Sitzplätzen rechnen.

In Stuttgart, Hamburg und Rhein-Main werden die S-Bahnen in dichterem Takt auf die Strecke geschickt. Bei der Berliner S-Bahn gibt es einen neuen viergleisigen Abschnitt auf der stark frequentierten Strecke zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof. Dadurch könnten Linien verlängert, Fahrzeiten verkürzt und der Takt verkürzt werden, hieß es.

Der Franken-Thüringen-Express wird nach Bahnangaben bis nach Leipzig verlängert. Dadurch gelangten Reisende nun alle zwei Stunden zu den Städten Erlangen, Bamberg, Lichtenfels, Saalfeld und Jena in Nord- und Südrichtung. Diese Züge seien außerdem auf die jeweiligen ICE-Anschlüsse in Nürnberg, Bamberg und Leipzig abgestimmt.

jus/dpa

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
WernerSteffen 07.12.2018
1. Inflationsausgleich?????
Wenn nicht einmal um den Inflationsausgleich erhöht wird - wo soll da Geld für die Infrastruktur herkommen? Dabei denke ich nicht an Großprojekte aber an den täglichen Verfall des bestehenden Schienennetzes etc.
buendías 07.12.2018
2. Signalwirkung
Ein Verkehrsunternehmen, welches zu 100 % dem Bund eigen ist, erhöht also die Preise, wodurch eine Bahnfahrt noch unattraktiver wird. Noch offensichtlicher kann uns unser großer Bruder gar mehr nicht mitteilen, was er von den selbst gesetzten Klimazielen hält; clever ist das nicht :D
Newspeak 07.12.2018
3. ....
"Kräftig erhöht wird das Extraentgelt für den Kauf eines Tickets im Zug: von 12,50 Euro auf 19 Euro." Völlig absurd. Das Lösen des Tickets im Zug sollte ein Service sein. Vor ein paar Jahren hat das auch nur wenige Euro mehr gekostet. Heute ist das schon mehr als das Ticket selbst wert ist. Ich finde, man sollte alle höheren Mitarbeiter der Bahn dazu verpflichten, ihr eigenes Unternehmen nutzen zu müssen, und zwar auf eigene Kosten, damit diese Leute mal erleben, was sie anrichten.
ulrics 08.12.2018
4. Höhere Entschädigung
Seit 10 Jahren liegt die Entschädigung bei Bahncard pauschal bei 10 Euro, obwohl die Preise erheblich gestiegen sind. Hier wäre Mal eine Musterfeststellungsklage angebracht.
giostamm11 09.12.2018
5. Hochgeschwindigkeit
ich muss immer lachen wenn in Deutschland von Hochgeschwindigkeit gesprochen wird. Es gibt keine Hochgeschwindigkeit in Deutschland. Es gibt nur schnittige Züge. Die Reisezeiten im Fernverkehr sind tiefstes Niveau und haben mit HG rein gar nichts zu tun
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