Messe Eurobike Merkel hält Deutschland für Fahrradnation

Der Markt ist nicht ins Rollen gekommen: Mieses Frühlingswetter und miese Testergebnisse sind nach Meinung der Fahrradbranche an einem Einbruch der Umsätze schuld. Bundeskanzlerin Merkel gibt sich bei der Eröffnung der Eurobike-Messe optimistisch.

Diamant

Friedrichshafen - Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt darauf, dass künftig noch mehr Deutsche mit dem Rad fahren. "Deutschland ist nicht nur eine Autonation, sondern auch eine Fahrradnation", sagte sie am Mittwoch bei der Eröffnung der Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee.

Bereits jetzt würden zehn Prozent aller Wege in Deutschland mit dem Drahtesel zurückgelegt. "Aber wir werden hier noch eine Steigerung erleben, davon bin ich überzeugt." In ihrem wöchentlichen Videopodcast hatte die Kanzlerin am Samstag Fahrradfahren als "ganz wichtige Form der Fortbewegung" gewürdigt - sie sei umweltfreundlich und gesund.

Die Fahrradmesse Eurobike gilt auf ihrem Gebiet als europaweite Leitmesse. Bis zum 31. August präsentieren dort knapp 1300 Aussteller Weltneuheiten und Trends der Branche. Die Fahrradhändler beklagten jedoch Umsatzrückgänge in den ersten Saisonmonaten 2013 von bis zu 20 Prozent. Wie der Geschäftsführer des Verbands des Deutschen Zweiradhandels, Thomas Kunz, sagte, seien viel Regen und die schlechten Testergebnisse von Stiftung Warentest für manche Elektroräder dafür verantwortlich.

Bei dem Test waren mehr als die Hälfte der E-Bikes durchgefallen. Moniert wurden Rahmen- und Lenkerbrüche und unzureichende Bremsen. Ein Teil der Testergebnisse sei von der Stiftung Warentest zurückgenommen worden, sagte der Geschäftsführer des Fahrradherstellers Derby Cycle, Mathias Seidler.

Dem langfristigen Trend zum E-Bike habe die Diskussion um die Tests jedoch keinen Abbruch getan: "Das E-Bike hat der Branche einen großen Schub gebracht", sagte der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV), Siegfried Neuberger. Für das Gesamtjahr prognostizierte er eine Absatzsteigerung um 13 Prozent auf rund 430.000 Stück. Bereits jetzt rollen mehr als 1,3 Millionen Elektroräder durch Deutschland. Mittelfristig sieht der ZIV den Marktanteil bei 15 Prozent.

Insgesamt produzierte die Industrie in den ersten sechs Monaten rund 1,65 Millionen Fahrräder, das waren 2,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei stieg der Exportanteil um 9,3 Prozent auf rund 790.000 Fahrräder und E-Bikes. Während 2012 ein Rad im Mittel noch für rund 500 Euro zu haben war, liegt der Durchschnittspreis inzwischen bei 515 Euro.

abl/dpa



insgesamt 34 Beiträge
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rodolfo-castala 28.08.2013
1. Merkel weiss,
Zitat von sysopKettlerDer Markt ist nicht ins Rollen gekommen: Mieses Frühlingswetter und miese Testergebnisse sind nach Meinung der Fahrradbranche an einem Einbruch der Umsätze schuld. Kanzlerin Merkel ist jedoch optimistisch: "Deutschland ist eine Fahrradnation", sagte sie bei der Eröffnung. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/fahrradmesse-eurobike-a-918887.html
dass Fahrradfahren in Zukunft die wichtigste Form der Fortbewegung in Deutschland sein wird, da wegen ihrer Europolitik sich niemand mehr ein Auto leisten kann.
big t 28.08.2013
2. optional
für 515 € bekommt man gerade so die Einstiegsklasse, krass wie viele Leute mit irgendwelchen Baumarktschrottgurken rumfahren ohne sich Gedanken zu machen.
Mertrager 28.08.2013
3. Methode
Sie denkt dabei wohl mehr an die Führung der CDU als an Strassenverkehr. Dies obwohl das Fahrrad im Strassenverkehr Zukunft hat. Die Struktur der CDU hingegen eher nicht. Mit vorschreitender Demokratisierung durch das Internet, werden Partei-Strukturen wie bei der CDU verschwinden.
wakaba 28.08.2013
4.
Zitat von rodolfo-castaladass Fahrradfahren in Zukunft die wichtigste Form der Fortbewegung in Deutschland sein wird, da wegen ihrer Europolitik sich niemand mehr ein Auto leisten kann.
275 und 29er werden vom Konsumenten nicht angenommen. Die relativ kleine Zielgruppe der Testmagazingläubigen mal ausgenommen... Die Qualität der Rahmen und Teile ist durchwegs gesunken. Ein Kaufhausfahrrad wird heute für 40 Euro Stück eingekauft. Insofern ist der Gewinn pro Rad weitergesteigert worden. Es gibt praktisch keine deutsche Rahmenhersteller mehr. Die Ware wird fertigmontiert aus China bezogen.
_axel_ 28.08.2013
5. fahrradnation - haha
"10% aller wege mit dem rad" - wenn man mal sucht, findet man zahlen, dass jährlich mit pkw rund 900 mrd. personenkilometer (pkm) zurückgelegt werden, mit dem fahrrad 10 - 30 mrd. pkm. das sind 1 - 3%, frau merkel. jeder deutsche pkw-besitzer fährt rund 12.000 km auto im jahr. jeder deutsche fahrradbesitzer um die 200 bis 300 km. woran liegts? daran, dass es fast nirgendwo gute radwege gibt. daran, dass radfahrer beinahe überall benachteiligt werden. daran, dass es kein vernünftiges konzept gibt, mit dem rad auch mal den ÖPNV benutzen zu können (ohne gleich für eine 200km-bahnstrecke 4 stunden brauchen zu müssen, sein rad nicht vernünftig abstellen zu können, ...). daran, dass die wegeführung oft so mies ist, dass es zwangsläufig konflikte zwischen radlern und anderen verkehrsteilnehmern gibt. wenn die masse den zusammenhang zwischen geld sparen, fitness und radfahren entdeckt, wird sich das ändern. so sind die radler leider nur eine randgruppe, die keinerlei beachtung findet und ergo auch keine macht hat, etwas zu ändern (ich fahre selbst jährlich rund 4.000 km rad, besitze aber auch ein auto, kenne also beide seiten).
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