Ein- und Ausreise So werden die Ausweise am Flughafen kontrolliert

Der Tatverdächtige im Mordfall Susanna ist mit falschem Namen auf seinem Flugticket ausgereist. Wie werden Dokumente an Flughäfen überhaupt kontrolliert?

Passkontrolle
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Noch bevor offiziell ein Verdacht bestand, verließ Ali B. mit seiner Familie am vergangenen Samstag vom Flughafen Düsseldorf das Land - laut Staatsanwaltschaft flogen sie zunächst nach Istanbul und dann vermutlich weiter nach Arbil in den Irak.

Die Ermittler halten B., der inzwischen festgenommen wurde, für dringend verdächtig, die 14-jährige Susanna in Wiesbaden getötet zu haben - zum Zeitpunkt der Ausreise aber gab es noch keine Fahndung. Da die Familie zudem sogenannte Laisser-Passer-Dokumente vorlegte, gab es keinen Grund, sie festzuhalten. Laut Bundespolizei waren die vorgelegten Dokumente "echt, gültig und berechtigten zur Ausreise. Die Lichtbilder stimmten mit den Personen überein".

Die Familie hatte die Tickets allerdings offenbar unter falschem Namen gebucht. Dass die Namen auf den Ausweispapieren nicht mit denen auf der Bordkarte übereinstimmten, fiel am Flughafen jedoch offenbar nicht auf. Im Rahmen der Luftsicherheitskontrolle sei ein Abgleich von Ticket und Ausweisen "derzeit rechtlich nicht möglich", teilte die Bundespolizei mit. Dies sei im Rahmen der grenzpolizeilichen Ausreisekontrolle ebenfalls nicht vorgesehen.

Wo und wann werden am Flughafen überhaupt Identitäten anhand von Ausweisen kontrolliert - und von wem? Wann muss man als deutscher Staatsbürger einen Ausweis dabei haben?

Sogenannte Drittstaatler, also Reisende ohne deutschen oder EU-Reisepass, werden bei Ein- und Ausreise durch die Grenzpolizei kontrolliert. Neben der Ausweis- und Visumprüfung können noch weitere Fragen aufkommen, zum Beispiel zum Zweck der Reise beziehungsweise des Aufenthalts.

Ob die Airline beim Check-in oder beim Boarden die Identität überprüft und mit dem Ticket vergleicht, bleibt zumindest in Deutschland ihr selbst überlassen und liegt in ihrer Entscheidung. Anders etwa in Frankreich, Belgien oder Spanien: Dort sind "die Airlines verpflichtet, den Namen auf der Bordkarte abzugleichen", sagt Jan Bartholl, Rechtsanwalt für Reise- und Luftverkehrsrecht aus Berlin. Wegen Antiterrorgesetzen haben diese Länder vorübergehend Identitätskontrollen eingeführt.

Deutsche Staatsbürger, die innerhalb des Schengen-Raumes reisen, können daher theoretisch völlig ohne Ausweiskontrollen an Bord ihres Flugzeuges - zumal wenn sie online eingecheckt haben und mit Handgepäck unterwegs sind. Für sie fänden in den meisten Fällen keine Grenzkontrollen statt, bestätigt zum Beispiel Eurowings. Lediglich die Sicherheitskontrolle muss jeder Flugreisende definitiv hinter sich bringen, auch innerhalb des Schengen-Raums.

Generell gilt aber: Auch Passagiere mit deutschem Personalausweis oder Reisepass sollten ihre Dokumente immer dabei haben. "Reisende müssen ihre Identität nachweisen können", sagt Bartholl. Die Sicherheitsbehörden der Schengen-Staaten können jederzeit den Ausweis verlangen. "EU-Mitgliedstaaten haben das nationale Recht, innerhalb des eigenen Hoheitsgebietes zu kontrollieren", sagt Gero von Vegesack vom Bundespolizeipräsidium in Potsdam.

In einigen europäischen Mitgliedstaaten gilt sogar eine Mitführpflicht für den Personalausweis. Auch bei besonderen Anlässen wie einer Fußball-WM oder einem politischen Gipfeltreffen werden häufig Ausweiskontrollen an den Flughäfen vorgenommen.

Wer dennoch ohne Ausweis im Gepäck ins europäische Ausland fliegt, könnte bei der Heimkehr Probleme bekommen: Etwa wenn sich während des Aufenthalts kurzfristig die Regeln ändern - und er beim Rückflug womöglich doch ein gültiges Reisedokument vorweisen muss. "Der Führerschein, Bank- und Kreditkarten oder Lohnsteuerkarten gehören nicht dazu", sagt von Vegesack. Im Notfall können Ersatzpapiere bei der deutschen Botschaft im Ausland beantragt werden. Doch das kostet Zeit und Geld.

Bei Reisen in Nicht-Schengen-Staaten ist dagegen auch für deutsche Staatsbürger mindestens ein Ausweis zwingend - dieser wird auch bei der Ausreise am Flughafen bei der Grenzkontrolle überprüft. Für die Einreise im Zielland ist eventuell sogar ein Visum nötig. In Deutschland kann die Bundespolizei am Flughafen einen Passersatz ausstellen. Sie macht das aber nur, wenn vorläufige Reisedokumente von einer Passbehörde nicht mehr rechtzeitig vor Reiseantritt ankommen würden - und ein offizieller Identitätsnachweis vorliegt wie etwa ein abgelaufener Reisepass, Personalausweis oder Geburtsurkunde.

Der Passersatz kostet acht Euro. Und die Reise damit erfolgt auf eigenes Risiko, was der Urlauber unterschreiben muss. "Nicht alle Staaten erkennen Ersatzpapiere an", sagt von Vegesack. Dazu zählen zum Beispiel die Türkei und Ägypten.

abl/dpa



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Seite 1
Das Pferd 08.06.2018
1.
jede Wette, ich wäre nicht mit widersprüchlichen Dokumenten in ein Flugzeug gekommen, schon gar nicht nach ausserhalb der EU. Ich sehe aber auch nicht so aus, als ob ich bei der ersten Nachfrage hysterisch "Rassismus" schreien würde.
fuxx_1980 08.06.2018
2. Ticket
Es ist doch völlig egal, ob er unter falschem Namen gebucht hat. Er hätte auch unter seinem richtigen Namen buchen können. Das Problem ist doch, dass beim Ausweischeck nichts passiert ist.
Zäld 08.06.2018
3. Woanders
In den USA und Kanada beispielsweise wird die Ausreise dagegen überhaupt nicht kontrolliert...
specialsymbol 08.06.2018
4. Theoretisch ohne Ausweiskontrolle?
Komisch, irgendwie ist das bei meinen (hauptsächlich geschäftlichen) Flügen noch nie vorgekommen. Ich muß wohl in einem anderen Land leben.
Zündkerze 08.06.2018
5. bitte wie - kein Abgleich der Tickets mit Pässen
in Deutschland ?! - aber Hauptsache der BND und die Polizei haben mittlerweile weitgehende Zugriffsrechte Daten auf geringfügigen Verdacht einzusammeln. Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, der Regierung geht es überhaupt nicht durch immer weitergehende Zugriffe auf Daten von unbescholtenen Bürgern für mehr Sicherheit zu sorgen.
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