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Falträder im Test: Das klappt ja bestens

Von , Martin Sümening und Leonie Voss (Videos)

Mit einem Faltrad macht Pendeln erst richtig Spaß. Die Klappbikes fahren gratis in S-Bahn oder ICE mit und finden in fast jedem Kofferraum Platz. Die Modellvielfalt ist groß - umso wichtiger sind Probefahrten und gute Beratung.

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Berlin - Früher sprach man schnöde vom Arbeitsweg - heute heißt es Mobilitätskette. Damit ist gemeint, dass wir immer öfter verschiedene Verkehrsmittel miteinander kombinieren, etwa das Auto, die S-Bahn und den Bus. Wer viel umsteigen muss, verliert allerdings auch viel Zeit. Und mitunter braucht man für die letzten Kilometer bis ins Büro am längsten.

Ein Faltrad könnte für viele Pendler die ideale Lösung dieses Problems sein. Wäre da nicht das schlechte Image, das Klappbikes noch aus den siebziger Jahren haben. Damals brachen bei Billigmodellen immer mal wieder Rahmen oder Scharniere.

Es gibt jedoch schon seit längerem Hersteller, die sich auf hochwertige, langlebige Modelle spezialisiert haben. Die technischen Konzepte sind dabei sehr verschieden: Mal wird der Rahmen klassisch in der Mitte gefaltet, mal werden nur die Räder auf überraschende Weise weggeklappt. Ein gutes Faltrad sollte robuste Mechanik mit einer raffinierten Rahmengeometrie kombinieren.

Dreimal der Falttest

Wir haben drei Falträder getestet, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da ist zuerst der Klassiker aus England, das Brompton. Vom taiwanischen Hersteller Tern stammt das Modell Link D7i. Das dritte Rad heißt Bernds und wird in Detmold bei Bielefeld produziert.

Das Zusammen- und Auseinanderklappen sollte man bei allen drei Modellen einige Male üben, damit es flüssig von der Hand geht. Profis benötigen dann kaum noch zehn Sekunden, um ihr Bike zu falten. Wer so schnell ist, schiebt das Rad bis auf den Bahnsteig und faltet es erst zusammen, wenn der Zug einfährt. Sobald sich die Türen öffnen, ist das Rad zu einem mehr oder weniger kompakten Paket geschrumpft, das man zum Beispiel zwischen zwei Sitze schieben kann.

Die unterschiedlichen Faltkonzepte versteht man am besten im Video. Zuerst zu sehen ist das Brompton:

Das Brompton wirkt zusammengeklappt sehr kompakt und aufgeräumt - was nicht zuletzt auch an den kleinen 16-Zoll-Laufrädern liegt. Auf holprigen Wegen sind die Mini-Laufräder aber ein Nachteil. Sie nehmen jede Bodenwelle mit, das Fahren wird dann ungemütlich. Auch die Laufruhe ist nicht die beste - man sollte immer beide Hände am Lenker haben.

Das Tern-Rad besitzt einen ganz anderen Faltmechanismus:

Das Modell Link D7i ist zusammengefaltet nicht ganz so kompakt wie das Brompton. Es fährt sich dafür aber etwas besser, was sicher auch an den etwas größeren 20-Zoll-Laufrädern liegt. Auf Pflasterstraßen macht das Tern mangels Federung keine so gute Figur - dann empfiehlt es sich, Ballonreifen aufzuziehen.

Ein außergewöhnliches Faltkonzept verfolgt der Hersteller Bernds. Lenker und Sattelstütze werden nur aus dem Rahmen herausgezogen beziehungsweise hineingesteckt:

Das Bernds wirkt zusammengeklappt unaufgeräumt - es erscheint eher auseinandergenommen als gefaltet. Das Paket ist auch höher als etwa beim Brompton - dafür aber auch schmaler. Beim Anheben klappt das Rad mitunter wieder etwas auseinander - auch nach dem vom Hersteller empfohlenen Kippen des Pakets um 90 Grad. Die Rahmengeometrie, die Federung am Hinterbau und die 20-Zoll-Ballonreifen sorgen aber für den besten Fahrkomfort im Test der drei Räder. Man vergisst beinahe, dass man auf einem Faltrad sitzt.

Fazit: Fahrkomfort oder Faltungskünstler?

Wer ein Klappbike sucht, sollte genau abwägen: Schaut er pragmatisch auf den Preis und gutes Handling, ist das Tern Link D7i sicher eine gute Wahl. Für 850 Euro bekommt man eine Sieben-Gang-Nabenschaltung, mit der auch steile Anstiege zu meistern sind. Zudem verfügt das Modell über eine Beleuchtung mit Nabendynamo und eine unter dem Sattel verstaute Tragetasche. Einige Verkehrsverbünde, etwa in Hamburg oder Karlsruhe, haben das Tern auch in einer Sonderedition zum vergünstigten Preis angeboten.

Das Bernds-Faltrad überzeugt vor allem mit dem sehr guten Fahrkomfort. Zusammengefaltet ist es etwas unhandlich. In der günstigsten Variante mit Zwei-Gang-Schaltung kostet es 1350 Euro. Das Testrad schlägt mit 2200 Euro zu Buche. Das liegt an der Acht-Gang-Nabenschaltung (400 Euro Aufpreis), dem Riemenantrieb (plus 320 Euro) sowie der Lederausstattung bei Sattel und Griffen.

Das Brompton schließlich punktet vor allem mit seinem genialen Faltmechanismus, der das Rad fast auf Trolleygröße schrumpfen lässt. Das englische Klapprad gibt es ab 1025 Euro. Das hier getestete Modell mit Schutzblechen (plus 75 Euro) und Drei-Gang-Nabenschaltung (97 Euro extra) kostet 1197 Euro.

Am besten ist es, eine Probefahrt beim Händler zu vereinbaren. Über die Webseiten der Hersteller ist der Kontakt schnell hergestellt. Und nicht zu vergessen sind auch Modelle anderer Hersteller wie das Birdy von Riese und Müller oder die große Palette von Dahon-Bikes.

Alle drei Falträder in der Übersicht:

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Bernds: Das Faltrad aus Detmold
Das Bike wird in drei Rahmengrößen und mit verschiedenen Schaltungen angeboten. Die Daten des Testrades:
Rahmengröße: L (Stahl)
Schaltung: Shimano Alfine 8-Gang (Nabe)
Antrieb: Riemen
Sonstiges: Schutzbleche, Brooks-Sattel, Leder-Ergo-Griffe
Masse: 13 kg
Preis: 2200 Euro

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Gut gefedert
Das Bernds wirkt zusammengefaltet unaufgeräumt. Das Paket ist höher und breiter als beim Brompton, dafür aber schmaler. Beim Tragen klappt das Paket mitunter wieder etwas auseinander. Der Fahrkomfort ist sehr gut, auch wegen der Federung am Hinterbau.

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Tern Link D7i
Das Faltrad aus Taiwan ist gut ausgestattet, wie das Datenblatt zeigt:
Rahmengröße: Uni (Aluminium)
Schaltung: Shimano Nexus 7-Gang (Nabe, Freilauf)
Antrieb: Kette
Sonstiges: Schutzbleche, Lichtanlage, Transporttasche
Masse: 13 kg
Preis: 850 Euro

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Fix geklappt
Das Tern-Modell Link bietet einen guten Kompromiss aus kompakter Bauweise und Fahrkomfort. Mit optional nachrüstbaren Ballonreifen dürften auch Pflasterstraßen kein Problem mehr sein. Beim Anheben klappt das Rad manchmal am Oberrohr-Scharnier auseinander, weil die dafür vorgesehenen Verbindungsmagneten es nicht sicher genug zusammenhalten. Mit dem Gummi am Gepäckträger, den man über den eingeklappten Lenker zieht, lässt sich das verhindern.

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Brompton
Die Daten des Testrades:
Rahmen: Uni (Stahl)
Lenker: H (für große Fahrer/innen)
Schaltung: 3-Gang (Nabe, Freilauf)
Antrieb: Kette
Sonstiges: Schutzbleche
Masse: 12 kg
Preis: 1197 Euro

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Kompakt und zuverlässig
Beim Packmaß macht dem Brompton weder das Tern noch das Bernds etwas vor. Der englische Faltklassiker ist allerdings etwas teurer als das Rad von Tern und im Fahrkomfort wegen der kleineren Räder sogar einen Tick schlechter. Auf glatten Straßen rollt das Brompton trotzdem gut. Ballonbereifung für holprige Untergründe ist leider nicht nachrüstbar.

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insgesamt 65 Beiträge
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    Seite 1    
1. Brompton
mondxyzz 11.03.2014
Gott sei Dank sind die Geschmäcker und Anforderungen ja verschieden. Ich habe seit zwei Jahren n Brompton und bin immer noch begeistert vom super-handlichen Faltmass und von der Qualität der Verarbeitung. Und man muss bestimmt nicht "Immer beide Hände am Lenkrad haben";-). Ich kann nur sagen, ich bin damit schon 150 km durch den Teutoburger Wald und mache damit auch große Tagestouren. Und, wie gesagt: Bei dem Faltmass steht das Fahrrad hier in Köln in der U-Bahn einfach neben einem wie ein kleines Köfferchen. Und da wackelt nix, nix steht über, das Ding ist perfekt austariert, der Sattel ein genialer Tragegriff. Wirklich happy.
2. Bin ich Krösus?
caligus 11.03.2014
850 bis 2.200 Euro für ein Faltrad? Haben die einen eingebauten Fernseher oder so etwas ähnliches dabei? Jetzt mal ehrlich: Mein "normales" Rad, welches ich täglich benutze (geschätzte Fahrleistung im Jahr etwa 10.000 km), hat noch nicht einmal 400 Euro gekostet und "funzt" auch nach 3 Jahren noch immer einwandfrei. Weshalb werden eigentlich immer Räder für Millionäre getestet? Die meisten Menschen können sich so etwas nicht leisten.
3. Da geht noch was
ohgottogott 11.03.2014
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEMit einem Faltrad macht Pendeln erst richtig Spaß. Die Klappbikes fahren gratis in S-Bahn oder ICE mit und finden in fast jedem Kofferraum Platz. Die Modellvielfalt ist groß - umso wichtiger sind Probefahrten und gute Beratung. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/faltraeder-im-test-tern-link-d7i-brompton-und-bernds-a-956700.html
Nachteil bei den meisten Falträdern in der etwas günstigeren (
4.
der__Thomas 11.03.2014
Die Räder mögen teurer sein, aber mechanisch sind die vielen Gelenke zum Klappen und Versenken anspruchsvoll, das kostet. Ein klassisches Rad wird immer besser sein als ein Klapprad, aber was nützt einem das wenn man das Bike jeden Tag in der U-Bahn, DB oder Auto transportieren muss? Da kommt man nicht an einem Klapprad vorbei.
5.
anomie 11.03.2014
Zitat von caligus850 bis 2.200 Euro für ein Faltrad? Haben die einen eingebauten Fernseher oder so etwas ähnliches dabei? Jetzt mal ehrlich: Mein "normales" Rad, welches ich täglich benutze (geschätzte Fahrleistung im Jahr etwa 10.000 km), hat noch nicht einmal 400 Euro gekostet und "funzt" auch nach 3 Jahren noch immer einwandfrei. Weshalb werden eigentlich immer Räder für Millionäre getestet? Die meisten Menschen können sich so etwas nicht leisten.
Wovon reden Sie? Das ist doch nicht besonders viel Geld für ein Rad. Klar fährt ihr 400 Euro Rad noch, wieso auch nicht? Ich zahle aber gerne faire Preise und spare woanders.
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Zum Autor
  • Erik Seemann
    Holger Dambeck, Jahrgang '69, arbeitet seit 2004 als Wissenschaftsredakteur bei SPIEGEL ONLINE. Er fährt praktisch täglich Fahrrad und hat schon diverse Urlaube im Sattel verbracht.