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21. Januar 2004, 16:42 Uhr

Feedback für die Friedensmission

Daheim schmälert Skepsis die Begeisterung

Von Ulrike Putz

Weltweit wird über die israelisch-palästinensische "Breaking the Ice"-Expedition berichtet. Im Nahen Osten, der Heimat der Teammitglieder, ist das Medienecho gespalten. Die palästinensische Presse berichtet enthusiastisch und regelmäßig, in den israelischen Zeitungen erscheinen nur wenige Berichte versteckt im Sportteil.

 Segeltörn in die Antarktis: Für die israelische Presse ein sportliches Abenteuer
www.breaking-the-ice.de

Segeltörn in die Antarktis: Für die israelische Presse ein sportliches Abenteuer

Berlin - Der Durchbruch kam mit dem BBC. Als der englischsprachige World Service im Dezember mit der "Breaking the Ice"-Crew Kontakt aufnahm, war klar, dass das Team die wichtigste Hürde genommen hatte: Denn es ist eines, zu acht eine Friedensmission ins ewige Eis der Antarktis zu unternehmen, dort einen Berg zu besteigen und zu taufen. Das andere, viel Wichtigere ist, für die hochsymbolische Reise genug Öffentlichkeit zu bekommen.

Nachdem dank des BBC in aller Welt von den Plänen der vier Israelis und vier Palästinensern zu hören war, rissen die Medienanfragen nicht mehr ab. Endlich mal eine gute Nachricht aus dem Nahen Osten, freuten sich die Redaktionen und berichteten über die hoffnungsfrohen Idealisten, die mit ihrer Reise ein Zeichen für die Verständigung und Versöhnung ihrer verfeindeten Völker setzen wollen.

Über 200 Artikel aus Australien, Ungarn, Brasilien, Russland und vielen anderen Ländern hat "Breaking the Ice" inzwischen auf ihrer Homepage gesammelt. Bei SPIEGEL ONLINE verfolgten Tausende von Lesern mittels des Expeditionstagebuchs, wie die Crew auf der "Pelagis Australis" in schwere See gerieten und wie sie "ihren" Berg bezwang.

Wie aber steht es mit den Medien in der Heimat der acht Friedensaktivisten? Schließlich soll die Friedensmission vor allem in Israel und Palästina einen Denkanstoß geben, dass man Hindernisse überwinden kann, wenn man nur an einem Strang zieht - dazu müssen jedoch die Medien mitziehen. In Palästina tun sie es, die großen Tageszeitungen in Ramallah berichteten immer wieder auf Seite eins über die Expedition.

"Die Reise hat eine Menge Aufmerksamkeit bekommen, die Leute wollen auf dem Laufenden gehalten werden", sagt Khalil Assali, der für den amerikanischen Auslandsradiosender "Voice of America" die palästinensische Presselandschaft beobachtet. Eine große Zahl von kleinen Verbänden und Vereinen hätte der Crew mit Zeitungsannoncen viel Glück gewünscht.

Verdammt zur Zwangspause: Das Expeditionsteam
www.breaking-the-ice.de

Verdammt zur Zwangspause: Das Expeditionsteam

Dass die Leser in den Städten und Dörfern Palästinas geradezu auf Nachrichten aus der Antarktis warten, wie Assali sagt, mag damit zusammenhängen, dass es eine Seltenheit ist, wenn Palästinenser an einer internationalen Expedition teilnehmen. Assali glaubt jedoch, dass auch ein echtes politisches Interesse geweckt ist. "Die Menschen wollen den Frieden, und dies ist ein Weg, der noch nicht beschritten wurde und deshalb noch nicht fehlgeschlagen ist", sagt Assali. Viele Palästinenser begrüßten es, dass endlich wieder ein Zeichen der Hoffnung gesetzt werde.

Anders in Israel: "Es gibt Interesse an dem Antarktis-Törn, aber es geht dabei eher um die sportliche Komponente", sagt Moshe Gilad, Journalist bei der Tel Aviver Tageszeitung "Haaretz". Die Israelis seien zu pessimistisch und enttäuscht, um von einer symbolischen Aktion für den Frieden noch viel zu erwarten. Berichte in den großen Tageszeitungen würden deshalb eher beim Sport oder unter der Rubrik Abenteuerreise platziert. Die reservierte Haltung der Sharon-Regierung zu dem Unternehmen habe dazu geführt, dass die Tour in den staatlichen Medien als politisch unbedeutend dargestellt worden sei.

Das "Breaking the Ice"-Team ist trotzdem zufrieden. "Wir sind sehr weit gekommen, in mehreren Ländern ist unser Tagebuch zu lesen, CNN hat über uns berichtet, in Europa und Kanada nimmt die Öffentlichkeit großen Anteil an dem Abenteuer", sagt Torsten Sewing, der die Pressearbeit des Unternehmens betreut. Enttäuschend sei nur, dass der Spendenfluss nach wie vor spärlich sei. "Da ist nicht so viel zusammengekommen, wie wir uns erhofft hatten", sagt Sewing. Der Antarktis-Törn soll nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von "Extreme Peace Missions" sein, bei denen in Zukunft vor allem Jugendliche aus verfeindeten Lagern lernen sollen, miteinander schwierige Aufgaben zu meistern.

Noch ist etwas Zeit, um Spenden zu sammeln, noch ist das erste Friedensabenteuer nicht zu Ende. Die Crew ist nach der erfolgreichen Bergbesteigung zwar zurück an ihrem Schiff, doch die vier Israelis und vier Palästinenser sind 13.000 Kilometer von zu Hause zum Nichtstun verdammt: Ein schwerer Sturm verhindert, dass sie der Antarktis den Rücken kehren und Segel Richtung Chile setzen können.

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