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Reisen mit dem Fernbus: Gute Preise, harter Kampf

Stiftung Warentest hat das Fernbus-Angebot in Deutschland getestet. Die Kriterien: Pünktlichkeit, Sicherheit, Komfort. Günstig sind alle, "sehr gut" schneidet keines der Unternehmen ab.

Reisen mit dem Fernbus: Flixbus fährt vorn Fotos
FlixBus

Der derzeit beste unter den neun wichtigsten Fernbusanbietern in Deutschland ist laut Stiftung Warentest Flixbus. Das Unternehmen mit Sitz in München erhielt das Testurteil "Gut (1,8)". Fünf weitere Anbieter - ADAC Postbus, Berlin Linien Bus, IC Bus, City2city und Mein Fernbus - bewerteten die Experten ebenfalls mit "Gut". Public Express, Dein Bus und Eurolines schnitten "Befriedigend" ab.

Die Experten lobten das Ergebnis in der aktuellen "test"-Ausgabe als insgesamt "erfreulich". Die Busse seien "bequem, pünktlich, der Service ist ordentlich". Elf geschulte Tester hatten die neun "überregional bedeutsamen" Anbieter im Zeitraum von Dezember 2013 bis Mai 2014 auf Kriterien wie Sicherheit, Pünktlichkeit und Komfort geprüft. Dafür führten sie unter anderem jeweils zehn Testfahrten durch. 80 Prozent aller Busse waren demnach pünktlich, Verspätungen von mehr als 30 Minuten betrafen nur drei Prozent der Fahrten.

Alle Anbieter sind mit Ticket-Preisen, die häufig zwischen neun und 20 Euro pro Strecke liegen, zudem vergleichsweise günstig. Der Wettbewerb sei so hart, dass die Branche mittelfristig nicht um eine Marktbereinigung herumkomme. Im März 2014 konnten Reisende demnach aus 247 innerdeutschen Fernbuslinien von etwa 50 Anbietern wählen, im Januar 2013 seien es noch 86 Linien gewesen.

Kritik an den Geschäftsbedingungen

Für Wolfgang Steinbrück, Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusbetreiber (BDO), sind die Billigpreise ein Versuch, Marktanteile zu gewinnen. Keines der Unternehmen, die seit der Liberalisierung des Fernbusmarktes Anfang 2013 ins Geschäft eingestiegen sind, hätten seiner Ansicht nach bisher Gewinne gemacht. Dafür seien die Auslastungszahlen und vor allem die Ticketpreise zu niedrig, sagte Steinbrück. "Ich bin davon überzeugt, dass die Branche die Preise anziehen wird."

Verbrauchern kommt der Preiskampf gelegen: Über Vergleichsportale wie Busliniensuche.de, Busticket.de, Checkmybus.de, Fahrtenfuchs.de, Fernbusse.de oder Fernbus24.de lässt sich laut Stiftung Warentest "fast immer eine günstige Verbindung" finden. Eine Nutzung von mehreren dieser Suchmaschinen sei allerdings ratsam, da nicht alle immer auch alle Busanbieter einbeziehen.

Unterschiede bei den einzelnen Unternehmen gibt es unter anderem in der Fahrweise der Fahrer, die etwa bei City2city als "teilweise recht aggressiv" bemängelt wurde. Die Ausstattung der Busse sei bei den meisten getesteten Linien gut, da meist neue Busse unterwegs seien, nur Dein Bus und Eurolines fielen wegen älterer Modelle etwas ab. Zudem gibt es teils Beschränkungen beim Gepäck - bei Berlin Linien Bus kostet ein Stück 1 Euro, und ab dem dritten Stück muss der Kunde 10 Euro pro Stück bezahlen. Fahrräder nehmen IC Bus und Public Express gar nicht mit.

Die Verbraucherorganisation kritisierte in ihrem Testbericht zudem, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) bei vielen Anbietern noch vor ein paar Monaten "alles andere als fair" gewesen seien. Erst auf juristischen Druck und nach Abmahnungen von Verbraucherschützern wurden diese teils geändert, etwa was die Verfahren bei Stornierungen oder Umbuchungen sowie bei Ersatzansprüchen betrifft. Mit zwei Anbietern - City2city und Eurolines - gebe es noch keine abschließende Klärung wegen der beanstandeten Klauseln.

emt/AFP

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insgesamt 52 Beiträge
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1. Reisen wie Goethe
Kiste 26.06.2014
Das ist ja schön, dass es soviele Anbieter gibt. In meiner Stadt gibt es jedoch nur einen, und der fährt nicht dahin wo ich will. Wenn ich in einer Stunde mit dem Zug in die nächste Großstadt fahre, kann ich dort in einen Bus steigen, der braucht aber nochmal 11 (elf) Stunden zu meinem Ziel. Mit dem Zug bin ich dort in insgesamt 7 Stunden.
2. Gute Sache
olek_bobov 26.06.2014
Ich bin auch ein paar Mal mit diesen Gesellschaften gereist und fand sie immer ausgesprochen gut. Verspätungen sind auf Grund der Verkehrslage auf den Autobahnen teilweise nicht zu vermeiden. Man nimmt sie aber eher in Kauf als bei der DB ;). Ich hoffe, dass sich die Unternehmen langfristig rentieren und als Konkurrent gegen die DB bestehen bleiben.
3. Keine Gewinne bis jetzt?
franxinatra 26.06.2014
Na, das wird ja spannend, wenn die Busse erst mal nicht mehr so neu sind, also Wartungskosten fällig werden; immerhin kann ein Bus -im Gegensatz zur Eisenbahn- Parkplätze anfahren, wenn das klo es nicht mehr tut... Mein KO-Argument gegen die sonst von mir favorisierte Bahn!
4. .
FKpt_VM_aD 26.06.2014
Einerseits fühle ich mich zurückversetzt in die Nachkriegszeit, als Fern-Busse strukturell unterversorgte Gebiete befuhren und für Mobilität unter der einfachen Bevölkerung sorgten. Andererseits kann ich nicht verstehen, daß man doch tatsächlich ein an vieler Orten tagtäglich kollabierendes Verkehrssystem noch weiter belastet und ein hoch kapazitives Verkehrssystem wie die Schiene noch weiter vernachlässigt. Also anstatt mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, wird noch mehr Personenverkehr von der Schiene auf die Straße verlagert. Die Wirtschaft mißbraucht seit Jahren deutsche Straßeninfrastruktur als mobiles Lager. Die Finanzierung, Ausbau und Unterhalt dieses Systems wird aber von der Allgemeinheit getragen. Die Abgaben des Güterkraftverkehrs stehen seit langem in keinem Verhältnis zu den verursachten Schäden durch Überbeanspruchung, Überlastung (was kostet Stau volkswirtschaftlich betrachtet) Eine Flasche, die bereits bis zum Rand voll ist, wird noch weiter befüllt. Und alle Beteiligten feiern diesen Vorgang, der in der Physik als Gesetzmäßigkeit "Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein" bekannt ist. Die Stiftung Warentest lobt, daß ihre viel Service, Komfort, Bequemlichkeit geboten bekommen ... Aber man denke mal zurück, an die Zeit vor der Mehdornisierung der Bahn. Da gab es in den Zügen noch Abteilwagen mit üppiger Beinfreiheit und keine für den Nahverkehr konzipierten Doppelstockwagen. Ihre Garderobe hing während der Fahrt nicht in ihrem Sichtbereich und Sie konnten einfach mal so auf den Gang gehen und sich die Beine vertreten. Möglichkeiten zur Gepäckaufbewahrung bestanden auch ausreichend.
5. .
FKpt_VM_aD 26.06.2014
Für mich verfolgt die Einführung des "Fernbusses" ein viel komplexeres Ziel. Das Gros der Fernbusunternehmen befindet sich seit langem fest in der Hand der DB und wird durch so genannte Subunternehmer gestützt. Wir wissen darüber hinaus, daß die Bahn, nur noch auf Profit und Ausschüttung ausgelegt und durch die Schröder-Regierung von der "Fessel" des Beförderungsauftrags "befreit", seit Jahren Neuanschaffungen im Flächenverkehr scheut. Für die Aufrechterhaltung des IC-Verkehrs fehlen der DB neue Fahrzeuge, da die aktuell eingesetzten Wagen teils 30 Jahre alt sind und ihre Nutzungsdauer nach der x-ten Modernisierung längst überschritten haben. Man verfolgt nun bei der Bahn konkrete Pläne, durch Streckenabgaben an Wettbewerber/Tochterunternehmen aus dem Regionalverkehr freigesetzte Doppelstockwagen für den Einsatz im IC-Verkehr zu modifizieren und ggf. für Geschwindigkeiten bis 180 km/h zu "ertüchtigen". Aus Sicht des Herstellers ist dieses Unterfangen nicht zu befürworten. Der Fernbusverkehr kommt, auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht der DB AG, allen Überlegungen sehr entgegen. Denn langfristig werden, auch aufgrund des Preisgefälles, Regionalexpreßzüge wegen sinkender Nachfrage entbehrlich. Die Bahn kann sich nun auf das Kerngeschäft, den Business- und reinen Fernverkehr in ICE's und ähnlichen Zuggattungen konzentrieren. Weiterer Nebeneffekt: Werden Bahnstrecken im Personenverkehr nicht mehr benötigt, kann man sich teurer, weil unterhaltsintensiver Infrastruktur, wie z. B. Weichen, entledigen. Für mich verliert mit diesem Test auch die Stiftung Warentest einmal mehr ein Stück Glaubwürdigkeit. Deutschland besitzt das dichteste und, leider nur noch ehemals, am besten ausgebaute Schienenverkehrssystem der Welt - und es wird nicht genutzt! Das ist Irrsinn. Statt dessen debattiert man über eine Mauteinführung.
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