Finnland "Flughafen-Frau" ist in der Heimat glücklich

Sie lebte acht Monate auf Berliner Flughäfen und wurde ungewollt zur Berühmtheit. Jetzt ist die finnische "Flughafen-Frau" in die Heimat zurückgekehrt und wird dort medizinisch betreut. Lange Zeit hatte sie betont, in Deutschland bleiben zu wollen.


Berlin/Helsinki - Die geistig verwirrte Finnin, die acht Monate lang auf Berliner Flughäfen lebte, ist nach Angaben des finnischen Außenministeriums in Helsinki gern in ihre Heimat zurückgekehrt. "Ich kann wohl sagen, dass die Frau erleichtert war", berichtete Sprecherin Ann-Sofie Högstrom am Dienstag.

Berliner Flughafen Tegel: Hier lebte die Finnin monatelang als geduldeter Dauergast
DDP

Berliner Flughafen Tegel: Hier lebte die Finnin monatelang als geduldeter Dauergast

Die 41-jährige "Flughafen-Frau", die am Freitag in Begleitung eines Anwalts zurück nach Finnland geflogen war, kam sofort in ärztliche Behandlung. Grundlage für ihre Ausreise war ein Beschluss des Berliner Kammergerichts. Zuvor hatte die psychisch kranke Skandinavierin immer wieder darauf bestanden, in Berlin bleiben zu wollen.

"Jeder, der acht Monate auf einem Flugplatz lebt, würde wohl auch denken, dass es nun genug ist", ergänzte Sprecherin Högstrom. Mehr Details wolle sie mit Rücksicht auf die Privatsphäre der Heimkehrerin nicht nennen. Finnische Medien berichteten am Dienstag zurückhaltend über den ungewöhnlichen Fall, der ein wenig an den Kinofilm "Terminal" mit Tom Hanks erinnerte: Ein Heimatloser lebt darin jahrelang auf dem New Yorker Flughafen JFK.

Die finnische Botschaft in Berlin begrüßte die Rückkehr. "Wir sind zufrieden, dass die deutschen Behörden einen Beschluss gefasst haben", sagte Botschaftssprecher Leo Riski. "Es ist in dieser Situation die beste Lösung. Die Frau brauchte medizinische Hilfe." Die 41-Jährige lebte seit Dezember 2008 als geduldeter Dauergast auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld. "Die finnischen Ärzte und Spezialisten hatten sich eine frühere und schnellere Lösung gewünscht", sagte der Sprecher. "Wir sind nun froh, dass die Frau in Finnland die Pflege und die Medikamente bekommt, die sie braucht, um in ein normales Leben zurückzufinden."

Höflich, gebildet, gepflegt

Für die Botschaft sei dieser Fall, bei der zwischenzeitlich sogar das finnische Außenministerium und das Auswärtige Amt eingeschaltet wurden, sehr ungewöhnlich. "Dass Menschen auf einem Flughafen leben, scheint aber gar nicht so selten zu sein", ergänzte Riski.

Grundlage des Beschlusses des Kammergerichts vom Montag war ein weiteres ärztliches Gutachten sowie eine erneute Anhörung der Skandinavierin. Die Entscheidung sei "zum Wohl der Betroffenen" ergangen. Die höfliche, gepflegte und gebildete "Flughafen-Frau" hatte weit über Berlin hinaus Aufsehen erregt. Mit der Zeit wurde sie zu einem unfreiwilligen Medienstar.

Über den Umgang mit der Skandinavierin waren sich finnische und deutsche Behörden lange nicht einig. Zwischenzeitlich wurde die Frau sogar in die Berliner Psychiatrie gebracht. Die Familie der Finnin unternahm Anfang März den Versuch, sie wieder nach Hause zu holen.

Doch dazu kam es nicht, weil die Frau den deutschen Behörden immer wieder versicherte, nicht ausreisen zu wollen. In Deutschland wurde dieser Wunsch einer EU-Bürgerin respektiert. Finnische Medien sprachen damals von "Unmenschlichkeit". Ende März wurde die Finnin in ihrer Heimat von einem Gericht entmündigt.

Lange Zeit hatte sich der Pfarrer der Finnischen Gemeinde in Berlin, Kai Henttonen, um die Frau und ihr ungewöhnliches Leben in der deutschen Hauptstadt gekümmert. Doch auch er konnte der Finnin nur wenig helfen. Sie machte sich weiter auf den Flughafen-Toiletten hübsch und lebte unauffällig im Rhythmus der beiden Airports. Ihr Irrweg wurde erstmals im Dezember 2008 publik, als Flughafenangestellte in Tegel auf den höflichen Dauergast aufmerksam wurden.

sto/dpa



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