Fliegen mit Biokraftstoff Air New Zealand packt Jatropha in den Tank

Air New Zealand fliegt grün. Die neuseeländische Fluglinie plant, als Erste einen Biotreibstoff der zweiten Generation zu testen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll ein Teil der Inlandsflotte auf Jatropha-Kerosin umgerüstet werden.


Der Kerosinpreis steigt und steigt - und Fluggesellschaften weltweit suchen nach einer Alternative. Schon im Februar fanden Testflüge von Airbus- und Boeing-Maschinen mit alternativen Kraftstoffen statt. Jetzt kündigte Air New Zealand an, bis Ende des Jahres als erste Fluglinie der Welt einen Biotreibstoff der zweiten Generation zu testen, berichtet die australische Nachrichtenagentur AAP. Dieser wird aus den ölhaltigen Samen des Jatropha-Busches gewonnen, der unter anderem in Indonesien angebaut wird.

"Wir stehen absolut dahinter", sagte der stellvertretende Geschäftsführer von Air New Zealand, Norm Thompson. "Unser Ziel ist es, wenn nicht die ganze, dann aber einen Teil unserer Inlandsflotte mit Biokraftstoffen zu betreiben." Die Entwicklung verlaufe schneller als gedacht: "Da Kerosin im Moment bei 172 US-Dollar steht, gibt es verdammt viele Leute, die verdammt viel tun, damit es verdammt schnell geht." Frühere Untersuchungen hätten ergeben, dass Biotreibstoffe rund die Hälfte von normalem Kerosin kosteten.

Thompson sagt, dass Air New Zealand in fünf Jahren zumindest einen Teil der Flotte auf Biotreibstoff umstellen will, wenn das Pflanzenkerosin die Sicherheitsbedingungen erfülle. Er hoffe, dass auch Langstrecken-Flugzeuge von Air New Zealand mit dem neuen Kraftstoff angetrieben werden können. Allerdings sei das schwieriger, da er dann auch in Übersee verfügbar sein müsse. Für seine Fluglinie sieht Thompson auch in Algen Potential als Kerosinersatz.

Experten: Einsatz nicht in absehbarer Zeit

Bereits Mitte Februar hatte die britische Fluglinie Virgin Atlantic einen Testflug mit einem Biokraftstoff der ersten Generation durchgeführt. In eines der vier Triebwerke einer Boeing 747 füllten die Techniker ein Gemisch aus Kerosin und zu 20 Prozent Öle aus Kokos- und Babassunüssen. Technisch mussten am Flugzeug für den zweistündigen Demonstrationsflug von London nach Amsterdam keine Änderungen vorgenommen werden. Der Treibstoff stammte von Farmen des US-Unternehmens Imperium Renewables im Amazonasgebiet, die sonst Kosmetikfirmen beliefern.

Als Biokraftstoff der zweiten Generation gelten Treibstoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden, die keine andere Bodennutzung beeinträchtigen - wie Algen oder Jatropha. Das Wolfsmilchgewächs Jatropha ist eine äußerst genügsame Pflanze, die auf nährstoffarmen Böden angebaut wird, die für Nahrungsmittelpflanzen nicht benutzt werden können.

Experten rechnen allerdings nicht mit einem Einsatz von Biotreibstoffen in der Luftfahrt in absehbarer Zeit. Denn ihnen fehlt unter anderem noch eine wesentliche Eigenschaft von Kerosin: Sie müssen bei minus 50 Grad Celsius flüssig bleiben - bisher können sie schon zwischen 0 und minus 16 Grad Celsius eine gelartige Konsistenz annehmen. Außerdem gelten sie aufgrund ihres höheren Wassergehaltes als korrosionsgefährdender für Kraftstoffleitungen und Triebwerke.

Als Flugzeugkraftstoff der näheren Zukunft sehen Fachleute daher flüssige Treibstoffe aus Erdgas oder aufgearbeitetem Biogas. Sogenannten Gas-to-Liquids-Treibstoff hat Airbus am 1. Februar in einer A380 getestet. Ein Triebwerk wurde während eines dreistündigen Testfluges von Filton nach Toulouse mit einer Mischung aus 60 Prozent Kerosin und 40 Prozent Flüssigkraftstoff aus Erdgas angetrieben. Erste Test mit Biokraftstoffen der zweiten Generation plant Airbus für 2009.

abl



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