Flug-Handgepäck: EU-Regierungen halten an Flüssigkeitsverbot fest

Europas Regierungen wollen das Verbot von Flüssigkeiten im Flug-Handgepäck verlängern - und lehnen auch eine gestaffelte Aufhebung ab. Mangels Sprengstoff-Kontrollgeräten dürfen auch weiterhin nur Mini-Packungen eingepackt werden. Ein Ende der Tüten-Politik ist nicht in Sicht.

Ein-Liter-Plastiktüte fürs Handgepäck: Noch immer fehlen die Kontrollgeräte Zur Großansicht
dpa

Ein-Liter-Plastiktüte fürs Handgepäck: Noch immer fehlen die Kontrollgeräte

Brüssel - Trotz breiter Kritik am Verbot von Flüssigkeiten im Flug-Handgepäck wollen die EU-Regierungen die ungeliebte Sicherheitsvorschrift verlängern. Bislang stünden keine Alternativen bereit, um Anschläge mit Flüssigsprengstoff zu verhindern, fasste die schwedische Verkehrsministerin Asa Torstensson am Freitag ein Treffen mit ihren EU-Kollegen in Luxemburg zusammen.

Das seit 2006 geltende Verbot sollte zunächst im April 2010 auslaufen. "Bei der Einführung hatte man gehofft, dass es die notwendige Technik bis dahin geben könnte", sagte EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani. Wissenschaft und Industrie seien aber noch nicht soweit.

Der von der EU-Kommission vorgeschlagene Zeitplan stieß indes auf Widerspruch. Tajani will den Flughäfen eine Frist bis Ende April 2014 setzen, neue Kontrollgeräte zur Entdeckung von Flüssigsprengstoffen einzuführen. Große Flughäfen sollen nach den Vorstellungen Tajanis diese Geräte schon im April 2012 einführen und damit die strengen Mengenbeschränkungen für Flüssigkeiten im Handgepäck abschaffen.

Deutschland und eine Reihe anderer Staaten fürchten, die von der Kommission vorgeschlagene Staffelung würde zu Verwirrung führen. Die Bundesregierung forderte nach Angaben aus Diplomatenkreisen, die Einschränkungen für die Passagiere sollten dann abgeschafft werden, wenn die neue Sicherheitstechnik flächendeckend zur Verfügung stehe.

Auf Widerspruch stieß auch Tajanis Vorschlag, ab April 2010 zumindest die Sicherheitsvorschriften für außerhalb der EU erworbene Duty-Free-Getränke lockern. Bislang müssen etwa aus Asien heimgekehrte Reisende, die an einem EU-Flughafen umsteigen, ihre Duty-Free-Einkäufe wegschütten, weil die Kontrollen im Abflugland nicht anerkannt werden.

Die Bundesregierung hält eine selektive Lockerung dieser Vorschrift für wenig praktikabel. Es sei völlig unklar, wie sie funktionieren könne, da die Umsteiger so oder so durch die Sicherheitskontrolle müssten, hieß es aus Diplomatenkreisen.

Die FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner dagegen kritisierte: "Es gibt keinen Grund, dass ein Getränk aus dem Duty-Free-Laden in Singapur beim Umsteigen in Frankfurt entsorgt werden muss, nur weil die dortige Kontrolle nicht anerkannt wird", erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der FDP im Europaparlament.

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber forderte sogar eine generelle Aufhebung des Flüssigkeiten-Verbots. Es habe "keinen nachweisbaren Zugewinn an Sicherheit für Flugpassagiere gebracht", erklärte Ferber in einer Pressemitteilung.

Seit November 2006 dürfen Getränke und Pflegeprodukte wie Zahnpasta oder Shampoo nur in Behältnissen mit einem Fassungsvermögen bis 100 Milliliter an Bord genommen werden. Die EU reagierte damit auf Erkenntnisse der britischen Sicherheitsbehörden, wonach Terrorverdächtige im Sommer 2006 Anschläge mit Flüssigsprengstoff auf Transatlantikflüge planten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Aktuell
RSS
alles zum Thema Reisen per Flugzeug
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback